Digital total  Plastikwüste droht im Supermarkt

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 05.09.2023 20:24 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Der Lebenmittelhändler Kaufland will mancherorts die Bedientheken abschaffen. Unser Kolumnist sieht darin und in der zunehmenden Digitalisierung des Einzelhandels einen Fehler.

Meine Kolleginnen Petra Herterich und Nora Kraft haben neulich darüber berichtet, dass Kaufland im Emsland die Bedientheken abschaffen will. Man will nur noch fertig abgepackte Waren verkaufen. Der Konzern begründet das mit einem veränderten Einkaufsverhalten – die Kunden wollten lieber Selbstbedienung.

Ich halte das für blödsinnige PR, mit der die Firma davon ablenken will, worum es hier eigentlich geht: Man will Personal und damit Geld einsparen. Da Firmen momentan arge Probleme haben, gutes Personal zu finden – schlicht und einfach, weil man diese Menschen bei steigenden Lebenserhaltungskosten nicht angemessen bezahlen will – geht man, statt seine Lohnpolitik zu überdenken, oft gleich einen Schritt weiter und schafft das Personal ganz ab.

Dass Menschen lieber Selbstbedienung wollen, entspricht schlicht und einfach nicht dem, was man hört, wenn man mit offenen Augen und Ohren einkaufen geht. Ich bezweifele nicht, dass die PR-Abteilung von Kaufland eine Studie hingezimmert bekommt, die ihre These untermauert, aber die Realität sieht anders aus. Immer mehr Menschen achten sehr sorgfältig darauf, was sie kaufen, und wissen deswegen gute Beratung zu schätzen. Nicht nur wegen der Frische und Qualität der Lebensmittel, sondern auch wegen der Nachhaltigkeit. Und gerade die bleibt als erstes auf der Strecke, wenn man alle Produkte in Plastik einschweißt.

Zumal Supermärkte mit dem Personal einen der wenigen Vorteile aufgeben, die sie gegenüber dem Online-Handel noch haben. Auf lange Sicht ist das finanzieller Selbstmord. Internet-Großhändler, die den Online-Handel besser beherrschen als Rewe, Kaufland und Co., werden diese Konzerne früher oder später schlucken oder aus dem Markt verdrängen, wenn sie die gleichen Fehler begehen wie vor ein paar Jahren etwa Karstadt. An aller erster Stelle steht hier die dumme Idee, Fachpersonal abzuschaffen und das Geschäft rapide zu digitalisieren.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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