Milchviehhaltung Ärger über Attacke auf Molkerei Ammerland
Tieraktivisten haben sich am Freitag an einen Milchlaster gekettet. Eine groteske Aktion, meinen Ostfrieslands Milchbauern. Und sie können das auch beweisen.
Ostfriesland/Wiefelstede - Eine Protestaktion gegen die Molkerei Ammerland in Wiefelstede ist in Ostfriesland auf großes Unverständnis gestoßen. Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland, sprach gegenüber unserer Zeitung von einer „grotesken Aktion“. „Diese Totalverweigerer leisten keinen Beitrag, um die Situation zu verbessern.“ Wissenschaft und Politik seien sich einig, dass die Nutzung von Grünland durch Wiederkäuer für Umwelt und Klima unerlässlich sei.
Nach Angaben der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland hatten etwa 40 Protestler am frühen Freitagmorgen die Zufahrt der Molkerei Ammerland in Wiefelstede blockiert. Fünf der Aktivisten ketteten sich an einen Milchtransporter. Zudem hätten weitere Personen ein Banner an einem der Gebäude befestigt. Die Polizei löste dann nach eigenen Angaben die Sitzblockade schnell auf. Lediglich die fünf Personen, die sich an dem Milchtransporter festgekettet hatten oder sich auf diesem befanden, hätten sich geweigert, die Aktion abzubrechen. Man habe die Ketten lösen müssen. Es seien Ermittlungsverfahren unter anderem wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung und Hausfriedensbruch eingeleitet worden.
Die Reaktion der Molkerei
„Wir von der Molkerei Ammerland verurteilen die Blockade“, teilte das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion mit. „Wir stellen uns aus unserem Selbstverständnis heraus jeglicher Diskussionen, auch wenn es sich dabei um eine unberechtigte Kritik handelt“, hieß es weiter. „Nur an ideologisch getriebene Anfeindungen möchten wir uns nicht beteiligen.“ Bei Themen wie Tierwohl und Klimaschutz sehe man sich nicht nur in der Verantwortung, sondern auch als Teil der Lösung. Für die Landwirte, die Eigentümer der Molkerei seien, sei dies ohnehin selbstverständlich.
Die Aktivisten selbst, eine Gruppe der sogenannten Animal Rebellion, verbanden die medienwirksame Aktion mit der Forderung an die Molkerei Ammerland, deren Produktion auf „pflanzliche Milchalternativen“ umzustellen. „Pflanzenmilch statt Muttermilch“ stand auf einem der Banner. Kühe müssten für die Milchproduktion unnatürlich hohe Milchleistungen erbringen, die für die Tiere höchst gesundheitsschädigend seien und mit äußerst viel Schmerzen, Leiden und Schäden einhergingen, hieß es in einer Pressemitteilung. Zudem habe Kuhmilch eine deutlich schlechtere Ökobilanz als Pflanzendrinks: Pro Liter Kuhmilch würden durchschnittlich 3,2 Kilogramm CO2 emittiert.
Die Reaktion der Milchviehhalter
LHV-Präsident und Milchbauer Tannen kann sich bei solchen Äußerungen nur an den Kopf fassen. „Wir messen sehr genau den CO2-Fußabdruck bei der Produktion. Bei mir im Betrieb beträgt er nachweislich 850 Gramm CO2 pro Liter Milch – und nicht über drei Kilo“, sagte Tannen unserer Redaktion. Die Aktion von Animal Rebellion treffe genau die Falschen. Gerade die Landwirte würden doch an der Verbesserung der Milchviehhaltung arbeiten. Allein in Ostfriesland leben laut LHV auf etwa 1500 Höfen etwa 150.000 Milchkühe.
Wie es der Zufall will, war Tannen am Donnerstag und am Freitag in Berlin auf einer Konferenz des Landwirtschaftsministeriums, um über die Zukunft der Milchviehhaltung zu diskutieren. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Ophelia Nick, setzte sich dabei für artgerechte Weidehaltung ein. Diese verbinde Tierschutzaspekte mit dem Erhalt wertvoller Kulturlandschaft und dem Biodiversitätsschutz, hieß es. Tannen traf dort auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), um für mehr Mittel zum Umbau der Tierhaltung zu werben.