Washington Adidas und IBM machen es vor: Immer mehr Unternehmen kündigen per „Quiet Cutting“
In den USA versuchen Unternehmen immer öfter Stellen abzubauen, ohne eine Abfindung zahlen zu müssen. Teilweise erfahren Mitarbeiter per E-Mail von ihrem Jobverlust. Was hinter der Praxis steckt – und ob das auch in Deutschland erlaubt ist.
„Quiet Quitting“, also die stille Kündigung, kennen vermutlich viele. In den USA gibt es jetzt einen neuen Trend: „Quiet Cutting“. Beim stillen Feuern geht es Unternehmen vor allem darum, Stellen abzubauen und dabei keine hohen Abfindungen zu zahlen. Deshalb werden die Stellen gestrichen, ohne die Mitarbeiter zu entlassen.
Aber wie funktioniert das? Mitarbeiter erhalten in der Regel eine E-Mail, in der steht, dass es ihren Arbeitsplatz ab sofort nicht mehr gibt. Sie werden allerdings nicht gekündigt, sondern müssen eine andere Stelle annehmen oder zwischen mehreren Jobs wählen, die meist mehr Arbeit bei gleichem oder sogar weniger Lohn bedeuten. Auch Tätigkeiten in anderen Bereichen, in denen die Mitarbeiter keine Erfahrung haben sind möglich.
Das Ziel der Unternehmen liegt dabei auf der Hand: Der Mitarbeiter wird nicht arbeitslos, aber ihm werden Stellen angeboten, die den Mitarbeiter nicht gefallen. Kündigen sie dann, geht die Rechnung der Unternehmen auf und sie müssen keine hohe Abfindung bezahlen. Laut dem „Wall Street Journal“ wird die Taktik mittlerweile auch bei großen Unternehmen wie Adidas, IBM oder Adobe eingesetzt.
Dahinter steckt allerdings nicht immer eine böse Absicht, sagt Roberta Matuson, Beraterin und Business-Coach im „Wall Street Journal“. Teilweise gehe es darum, dass Unternehmen wirklich keine Leute entlassen wollen und deshalb Umstrukturierungen vornehmen. „Sie wollen einfach signalisieren: ‘Schau, dies ist der einzige Weg, wie ich dir hier einen Job bieten kann, ich muss dich umbesetzen, und wenn ich du wäre, würde ich die Stelle nehmen.”
Ist der neue Job allerdings schlechter bezahlt oder liegt deutlich unter den Fähigkeiten des Arbeitnehmers, dann sei das kein gutes Zeichen. Weitere Warnsignale sind laut Matuson Umzugsforderungen, obwohl der Chef weiß, dass dies keine realistische Option ist. Auch das Angebot in einem Team zu arbeiten, dass kurz davor ist aufgelöst zu werden spreche gegen eine langfristige Weiterbeschäftigung.
Während „Quiet Cutting“ im wirtschaftsliberalen USA zunimmt, sind Arbeitnehmer im sozial-marktwirtschaftlichen Deutschland vor derart extremen Umstrukturierungen in der Regel geschützt. So kann ein Arbeitgeber zum Beispiel nicht eigenmächtig eine neue Stelle mit einer Gehaltskürzung anordnen. Der Angestellte müsste den Einbußen erst schriftlich zustimmen.