Doppelrolle des Fußballers Erhan Colak ist Bezirksliga-Trainer und A-Klassen-Torjäger
Der Coach von Germania Leer ist doppelter Tabellenführer. Als Trainer und Spieler der Reserve. Dort trumpft der 42-Jährige öfters groß auf. Die Doppelrolle ist manchmal stressig, Sonntag aber nicht.
Ostfriesland – Im Sommer wechselte Erhan Colak als Trainer von TuRa 07 Westrhauderfehn zum Bezirksliga-Rivalen VfL Germania Leer. Für den Vollblutfußballer bedeutete das nicht nur einen Wechsel der Trainerbank, sondern auch die Rückkehr als Spieler auf den grünen Rasen. Für die zweite Herren von Germania Leer, die in der Ostfrieslandklasse A eine Spielgemeinschaft mit Kickers Leer bildet, kam Colak in dieser Saison dreimal zum Einsatz und erzielte dabei schon fünf Tore. „Das ein Bezirksligatrainer mit 42 Jahren selbst noch in der 1. Kreisklasse spielt, kommt wahrscheinlich nicht so oft vor. Das Fußballspielen macht mir immer noch großen Spaß, und die körperliche Fitness ist auch noch vorhanden. Ohne diese beiden Komponenten geht es auch nicht“, sagt Colak.
So hilft der Germania-Coach, wenn es zeitlich passt, in der zweiten Mannschaft aus. Und das mit Erfolg. Am ersten Spieltag in Warsingsfehn wurde Colak zur Pause eingewechselt und traf zum 4:0-Endstand. Gegen Schwerinsdorf stand der Coach sogar die kompletten 90 Minuten auf dem Platz und markierte beim 5:0-Sieg die ersten drei Treffer. Seinen immer noch großen Ehrgeiz bewies Colak, als er direkt nach dem Bezirksligaspiel der Germanen gegen Wiesmoor (6:0) zum A-Klassen-Duell beim SV Nortmoor fuhr und sich dort zur Pause auf die Ersatzbank setzte. Nach 66 Minuten durfte der Trainer ran und traf per Elfmeter zum 3:0-Endstand. „Da das Spiel in Nortmoor erst um 17 Uhr begann, bin ich noch hingefahren. Wenn ich die Chance habe, bin ich halt gerne dabei und freue mich, wenn ich meinen Anteil zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann .Ich will den jungen Spielern aber auch nicht im Weg stehen, und wurde zuletzt ja auch nur eingewechselt“, so Colak.
Landesliga-Abschied mit Doppelpack
Die Idee, selbst wieder aktiv zu spielen, entstand schon zum Ende der vergangenen Saison. Da half Colak schon in der Germania-Reserve aus, obwohl er noch Trainer in Westrhauderfehn war. „Die Zweite von Germania hatte große Personalsorgen und steckte mitten im Abstiegskampf. Mein Wechsel als Trainer nach Leer stand ja schon fest, und die Verantwortlichen von TuRa hatten mir keine Steine in den Weg gelegt. So konnte ich mit meinem Tore dazu beitragen, dass wir den Klassenerhalt noch geschafft haben.“
So konnte der Stürmer fast nahtlos an sein bis dato letztes Pflichtspiel im Herbst 2020 anknüpfen, als er mit TuRa 07 in der Landesliga unter Trainer Ralf Ammermann mit 5:1 beim VfL Wildeshausen gewann und zwei Treffer erzielte. Dass er von seiner damaligen Fitness kaum etwas eingebüßt hat, kommt nicht von ungefähr. „Ich mache viel Sport, gehe joggen oder ins Fitnessstudio. Und nebenbei habe ich auch in der Alten Herren von Bingum gespielt, und bei TuRa habe ich ja auch mittrainiert. Ohne die Fitness geht es auch nicht. Viele Spieler rücken im Alter ja eine Position nach hinten. Ich spiele aber weiter vorne, und als Stürmer wirst du nun mal an Toren gemessen“, sagt Colak.
„Heimspiel“ in Loga
Und nicht nur dank seiner Treffer läuft es bei der Germania-Reserve, die mit zwölf Punkten aus vier Spielen und 16:0 Toren an der Tabellenspitze steht. „Die Mannschaft wurde gut verstärkt und hat natürlich ihren Anteil an meinen Toren. Und wenn du Erfolg hast, macht es ja auch noch viel mehr Spaß“. Dabei ist der 42-Jährige vor seinen Spielen immer noch etwas aufgeregt. „Es ist halt ein Wettkampf, und es geht um Punkte. Da kribbelt es vor dem Spiel, da bin ich noch ehrgeizig genug. Und so lange es mein Körper mitmacht, helfe ich auch weiter gerne aus“, so Colak.
Da die Bezirksligapartie von Germania gegen Bunde bereits am Freitag stattfindet, hätte der Germania-Coach am kommenden Sonntag im Leeraner Stadtderby beim SV Frisia Loga dazu die nächste Gelegenheit. „Das würde passen, und bei nur fünf Minuten Fußweg von meinem Zuhause zum Platz in Loga, wäre es für mich auch ein echtes Heimspiel.“