Wohnanlage in Heisfelde  Pflegemängel in Seniorenheim – Neustart mit angezogener Handbremse

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 29.08.2023 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Pflegemängel in der Seniorenwohnanlage Heisfelde sollen sich nicht wiederholen. Foto: Wolters
Die Pflegemängel in der Seniorenwohnanlage Heisfelde sollen sich nicht wiederholen. Foto: Wolters
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In der Seniorenwohnanlage Heisfelde soll alles besser werden, kündigt der Leeraner Landrat Matthias Groote an. Noch ist allerdings nicht klar, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Leer - Es soll alles besser werden in der Seniorenwohnanlage Heisfelde. Die bei zwei Überprüfungen deutlich gewordenen gravierenden Pflegemängel in der Einrichtung sollen abgestellt und das alte, unmoderne Gebäude saniert werden. Das ist die Nachricht, die Landrat Matthias Groote (SPD) aus dem öffentlichen Teil der Sitzung des Betriebsausschusses für die Seniorenwohnanlage am Montagabend aussenden wollte.

Was und warum

Darum geht es: Es soll alles besser werden in der Seniorenwohnanlage Heisfelde. Allerdings ist offenbar noch gar nicht klar, wie es überhaupt passieren konnte, dass in der Einrichtung gravierende Pflegemängel aufgetreten sind.

Vor allem interessant für: ehemalige, aktuelle und zukünftige Mitarbeiter der Seniorenwohnanlage, Bewohner und deren Angehörige

Deshalb berichten wir: Der Betriebsausschuss für die Seniorenwohnanlage hat getagt.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Er entschuldigte sich im Namen der Kreisverwaltung dafür, dass Angehörige und Öffentlichkeit erst nach mehr als einem Jahr darüber informiert wurden, dass der Medizinische Dienst im Mai 2022 der Einrichtung ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt hatte. Dessen Untersuchung hatte erhebliche und schwerwiegende Mängel, die für einige Bewohner schon negative Folgen gehabt hatten, zutage gebracht. In Zukunft werde es regelmäßige Angehörigen-Informationen geben, kündigte der Landrat an. Es gebe Fortbildungen für die Angestellten, Pflegevisiten, bei denen alle Bewohner begutachtet würden und man habe die Fachkraftquote mittlerweile übererfüllt.

Neue Pflegedienstleitung in Sicht

Er stellte außerdem eine Interimslösung für die Pflegedienstleitung vor. Die Position war nach der Kündigung der Amtsinhaberin vakant. Bis Ende Oktober wird Stefanie Juniel vom Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises einspringen und die neue Pflegedienstleitung einarbeiten, die am 1. Oktober anfangen soll. Vorgestellt werde die, sobald ihre Einstellung durch alle Gremien bestätigt sei, so Groote. Hilko Siebens, bis Juni Prokurist des Klinikums Leer, soll die Heimleitung übernehmen, nachdem die aktuelle Heimleitung erkrankt ist.

Echte Aufbruchsstimmung kam aber trotzdem nicht auf. Der Landrat und Sozialdezernentin Karin Scheffermann blieben einige Antworten schuldig. Eine Angehörige eines Bewohners der Einrichtung berichtete, dass sie im Januar 2021 per Brief auf genau die Mängel aufmerksam gemacht habe, die der Medizinische Dienst der Krankenkassen ein gutes Jahr später ebenfalls festgestellt hat. „Warum hat sich in der Zwischenzeit nichts getan?“, wollte sie wissen. Selbstverständlich sei man den Hinweisen nachgegangen, versicherte Groote: „Das tun wir immer, wenn wir Hinweise bekommen.“ Es sei aber damals nichts aufgefallen.

Wie konnte es soweit kommen?

Offen blieb, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Und das, obwohl auch die Seniorenwohnanlage Heisfelde ein Qualitätsmanagement hatte, wie Groote und Scheffermann auf Frage von Wilhelm Bloem (Grüne) bestätigten. Ein Qualitätsmanagement definiert Ziele, die Wege dorthin und die systematische Überprüfung des Erfolgs. Bloems Frage, warum das in der Seniorenwohnanlage nicht gegriffen hat, blieb unbeantwortet.

Eine öffentliche Aufarbeitung genau dieser Frage forderten Niels Plaisir (CDU) und Claus Garrels (Moin) ein. Überhaupt sollten in Zukunft alle Informationen und Diskussionen zu den Abläufen in der Seniorenwohnanlage öffentlich stattfinden, beantragten sie. Dem stimmten der Ausschuss und ausdrücklich auch Landrat Groote zu. Das sei sowieso durch die Niedersächsische Kommunalverfassung gesetzlich so vorgeschrieben, sagte Groote. Man könne nicht nach Lust und Laune Themen nichtöffentlich behandeln. Die Information und Diskussion über die Ergebnisse der Überprüfung vom Mai 2022 hatte allerdings bis Montag ausschließlich nichtöffentlich stattgefunden.

Keine Idee für die Zukunft

Die Tatsache, dass wegen der Pflegemängel und der baulichen Defizite des Gebäude – unter anderem gibt es noch viele Doppelzimmer mit gemeinsamen Bad – nur die Hälfte der Plätze besetzt sind, und die, dass Pflegekräfte teuer über Personaldienstleister besorgt werden müssen, schlägt sich auch auf den Wirtschaftsplan nieder. Das Defizit von einer guten Million Euro wurde von den Ausschussmitgliedern kommentarlos zur Kenntnis genommen, jedenfalls in öffentlicher Sitzung.

Aus dem Publikum fragte Michael Runden, bis zur letzten Kommunalwahl Mitglied des Leeraner Stadtrats, wie man sich die finanzielle Entwicklung in den nächsten Jahren vorstelle, wenn man in großem Stil in die Pflege und die Sanierung des Gebäudes investieren müsse. Es könne doch nicht sein, dass der Landkreis Jahr für Jahr Millionen zuschieße, schließlich gehe es um Steuergelder. „Wir haben keine Glaskugel, mit der wir in die Zukunft schauen können“, war die knappe Reaktion von Hildegard Hinderks (CDU), der Vorsitzenden des Ausschusses. Landrat Groote und Dezernentin Scheffermann schwiegen ganz zu dem Thema. „Das ist jetzt Ihre Antwort?“, fragte Runden konsterniert und erntete nur ein Nicken.

Ein Bild des Jammers

Ein Kommentar von Katja Mielcarek

Problem erkannt, Problem behoben? Schön wär‘s. Der öffentliche Teil der Betriebsausschusssitzung für die Seniorenwohnanlage Heisfelde war ein Bild des Jammers und machte wenig Hoffnung, dass die Probleme in der Einrichtung zeitnah nachhaltig und verlässlich abgestellt werden können. Weder gab es eine Erklärung dafür, warum die massiven Pflegemängel in der Seniorenwohnanlage aufgetreten sind und die Kontrollmechanismen nicht gegriffen haben. Noch gibt es ein konkretes Konzept, wie solche Missstände in Zukunft verhindert werden sollen. Von Landrat Matthias Groote angekündigte Maßnahmen wie Fortbildungen der Mitarbeiter und regelmäßige Pflegevisiten klingen hilflos.

Die Autorin erreichen Sie unter k.mielcarek@zgo.de.

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