Ehemalige Gardinenfabrik hat neuen Besitzer Unternehmen aus dem Emsland kauft „ADO-Hallen“
Früher wurden in den Hallen in Aschendorf Gardinen hergestellt. Nun soll dort wieder investiert werden.
Aschendorf - Der Kaufvertrag ist unterschrieben: Die ehemaligen ADO-Hallen samt Gelände in Aschendorf sind verkauft. Zu den genauen Plänen mit dem Areal hält sich der Investor allerdings noch recht bedeckt.
Rund zehn Jahre ist es her, dass Europas einst größter Gardinenhersteller ADO seine Produktion in Aschendorf eingestellt hatte. Zum Verkauf standen insgesamt 75.482 Quadratmeter bebaute Fläche, davon knapp 40.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerhallen sowie Büroflächen, wie aus dem Exposé der Harener Immobiliengruppe Fehrmann hervorgeht. Es handelt sich dabei um den von der Hüntestraße aus gesehenen Teil des Areals, der sich rechts von der Werkstraße befindet. Der Investor möchte nicht öffentlich in Erscheinung treten, erklärt Julian Fehrmann, Geschäftsführer der Immobiliengruppe, im Gespräch mit unserer Redaktion. So viel könne er aber verraten: Es handele sich um ein emsländisches Unternehmen. „Es ist jemand aus der Region, kein Papenburger, kein Aschendorfer, aber ein Emsländer, der an den Standort glaubt und Interesse daran hat, es wiederzubeleben beziehungsweise weiterzuentwickeln“, so Fehrmann. „Das Schöne an der Geschichte ist, dass das Areal so bestehen bleiben soll.“
Stillschweigen über Kaufpreis vereinbart
Über den genauen Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Ursprünglich wurden im Exposé 3,2 Millionen Euro aufgerufen. „Es sind auch noch einige Investitionen zu tätigen“, merkt Fehrmann an. Denn das Areal wurde direkt als „Immobilie mit Sanierungsstau“ angeboten.
So müsse als Erstes im Bestand in Struktur und Brandschutz investiert werden. Genaue Details zu den weiteren Plänen mit dem Gelände seien noch nicht bekannt. „Es wird zumindest am Standort Aschendorf wieder investiert. Das ist schon mal ein gutes Signal“, betont der Makler.
Letzte Sanierungen erfolgten 1994
Die ersten Gebäude wurden im Jahr 1954 errichtet, die letzten Erweiterungen und Sanierungen erfolgten Fehrmann zufolge im Jahr 1994. Durch stellenweisen Um- oder Einbau von Trennwänden seien mehrere einzelne Mietflächen unterschiedlichster Größe und Nutzungsart geschaffen worden – Lager, Verkauf, Produktion, Abstellfläche, Kfz-Werkstätten sowie Einzelhandel. Die jetzigen Mieter sollen auch weiterhin dort bleiben, versichert Fehrmann.
Einige Hallen links der Werkstraße wurden in der Vergangenheit auch schon verkauft – beispielsweise an das Unternehmen Jansen Tore aus Surwold. Das Wohnhaus im hinteren Bereich des Geländes wird ebenfalls derzeit separat veräußert. Seit 2020 kümmert sich Proreal Immobilienmanagement, ein Tochterunternehmen der Fehrmann-Gruppe, um die Hausverwaltung – und will dem Areal „Hand in Hand mit dem Investor zu altem Glanz verhelfen“, wie Fehrmann erklärt, der dabei auf die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Papenburg verweist.
Markt für Gardinen wurde schwieriger
Das Familienunternehmen ADO beschäftigte Ende der 1970er-Jahre an 17 Standorten mehr als 1200 Mitarbeiter. Ältere Leser dürften sich noch an die Fernsehreklame erinnern, in der die Schauspielerin Marianne Koch für die Gardinen „mit der Goldkante“ aus Aschendorf warb.
Nach dem Tod von Firmengründer Hubert Wulf im Jahr 1989 wurde der Markt für Gardinen aus Deutschland immer schwieriger – nicht zuletzt wegen Konkurrenz aus Asien. In Aschendorf wechselten derweil immer wieder die Geschäftsführer. 2013 verkaufte ADO seine Markenrechte an den deutschen Textilverlag Zimmer + Rohde. Die Gardinenwerke wurden in ein komplexes Firmengeflecht aufgespalten. Der Nachfolgebetrieb Deutsche Textilfabrik meldete noch im selben Jahr Insolvenz an, wenige Wochen später wurde die Herstellung von Gardinen endgültig eingestellt.