Fest der Gnadenhochzeit  Hermann und Foline Potthast leben seit 70 Jahren Seite an Seite

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 29.08.2023 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit 70 Jahren ist das Ehepaar aus Völlenerfehn verheiratet. Foto: Privat
Seit 70 Jahren ist das Ehepaar aus Völlenerfehn verheiratet. Foto: Privat
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Die beiden lernten sich 1952 während der Arbeit kennen und lieben. An diesem Dienstag feiern sie das Fest der Gnadenhochzeit.

Völlenerfehn - Laut Statistischem Bundesamt betrug in 2022 die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung rund 15 Jahre. Das haben Hermann und Foline Potthast aus Völlenerfehn um ein vielfaches getoppt. Am 29. August 2023 feiern sie ihre Gnadenhochzeit. Das weiße Brautkleid, das Foline Potthast zur Hochzeit trug, hängt noch im Schrank.

„Wir feiern zuhause ganz klein nur mit den Kindern. Am Wochenende wird mit den Enkelkindern und Urenkeln gefeiert. Der jüngste Urenkel wurde im Mai ein Jahr alt“, erzählt Foline Potthast und zeigt auf ein Familienfoto, auf dem alle vier Generationen zu sehen sind. Aus der Ehe mit Hermann Potthast erwuchsen vier Kinder, sieben Enkelkinder und vier Urenkel. Fast alle leben in der Region.

Viel Kontakt zu der Familie

Hermann und Foline Potthast haben regelmäßig Kontakt zu ihnen. Dafür nutzen sie Telefon und Tablet. Per Whatsapp bekommen sie hin und wieder Fotos von der Familie geschickt. „Das ist sehr schön“, freut sich Foline Potthast. Besuche fallen schwer. Sie ist bettlägerig. Ihr Bett steht im Wohnzimmer mit direktem Blick auf den eigenen Garten. Ihr Mann ist noch gut unterwegs und unterstützt sie. Die Kinder kommen täglich vorbei und helfen im Alltag. Hermann und Foline lernten sich 1952 während der Arbeit kennen und lieben. Folines Eltern besaßen eine Mühle in Völlenerfehn, bei der sie damals mithalf. Hermann war dort angestellt. Ein Jahr später heiratete das Paar. „Ich bin damals zu ihren Eltern hin und bat um die Hand ihrer Tochter. Das war so üblich“, erinnert sich Hermann Potthast. Er war 23, sie 19 Jahre alt.

Hermann und Foline Potthast am Tag ihrer Verlobung. Foto: Scherzer
Hermann und Foline Potthast am Tag ihrer Verlobung. Foto: Scherzer

Als junge Frau absolvierte Foline eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. „Das war sehr lehrreich, davon habe ich profitiert“, sagt der 93-jährige lachend. Die Eltern von Foline verkauften die Mühle. Hermann arbeitete anschließend 35 Jahre bei der Bundesbahn. Davon haben sie gut leben können. Foline kümmerte sich um Haus und Kinder. Nebenher betrieb er eine kleine Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen, die gibt es heute nicht mehr. In seiner Freizeit war der Völlenerfehntjer im Männergesangsverein und spielte Vereinsfußball. Seinen Spielerpass von 1946 verwahrt er als Erinnerung in einer Schublade. Im Jahr 1951 wurde er aktives Mitglied im Schützenverein Völlenerfehn, hatte 20 Jahre den ersten Vorsitz inne und wurde zweimal Schützenkönig. Seine Ehefrau teilte seine Leidenschaft und war wie er jahreslanges Vereinsmitglied. An die großen Schützenfeste erinnern sich auch ihre erwachsenen Kinder: „Wir haben ‚Live is life‘ gesungen. Das Zelt hat gebebt. Da machten auch noch alle mit aus der Nachbarschaft. Das war schon toll.“ Heute ist Hermann Potthast passiver Jäger. Hin und wieder fährt er zu seinem ehemaligen Jagdrevier und schaut nach dem Rechten.

„Das hat immer irgendwie geklappt“

Foline und Hermann blicken zurück auf ein langes, gemeinsames Leben. 70 Jahre Seite an Seite. „Wir haben viel gearbeitet, haben uns auch mal gestritten, dann war es wieder gut“, fasst der 93-jährige zusammen. „Das hat immer irgendwie geklappt.“ Für die Zukunft hat das Jubilarenpaar klare Wünsche: Gesundheit für sich, ihre Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder. Und dass sie noch eine gute Zeit haben.

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