Hamburg „Wacken mit Panzern“: Wo Panzernarren ihre Leidenschaft ausleben
Es sind gewaltige Kriegs- und Tötungsmaschinen. Und dennoch locken sie Tausende Festival-Besucher an: Panzer. In Großbritannien strömten dieses Jahr wieder Tausende Gäste zum Tankfest, in Deutschland erwarten Fans sehnsüchtig die Rückkehr von „Stahl auf der Heide“.
Das Event war kaum vorbei, da lief bereits die Werbung für die Veranstaltung 2024. Ins kleine britische Bovington im Süden Englands, etwa eine Dreiviertelstunde Autofahrt von Bournemouth entfernt, pilgern auch dieses Jahr wieder zahlreiche Menschen zum Militärstützpunkt. 26.000 Besucher begrüßte das hier beheimatete Panzermuseum zum „Tank Fest“ 2023.
So viele wie nie zuvor, seit es 2009 erstmals veranstaltet wurde. An drei Tagen fuhren britische und internationale Panzer durch die Landschaft, zeigten ihre Schusskraft und Manövrierfähigkeit. Darunter auch deutsche Modelle aus der Nazi-Zeit und der Challenger II – jenes Fahrzeug, von dem Großbritannien dieses Jahr bereits knapp 30 Stück in die Ukraine gesandt hat.
Doch der martialische Sinn von Panzern scheint bei diesem Festival, das das Museum in Kooperation mit dem Online-Spiel „World of Tanks” veranstaltet, eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Fahrzeug-Historie und Technik-Begeisterung stehen im Vordergrund. „Die Geschichte der Panzer soll hier zum Leben erweckt werden”, beschreibt Museumsdirektor Richard Smith das Festival. Das Konzept lockte diesen Sommer selbst Gäste aus Australien und Japan an, hebt das Museum auf seiner Seite hervor.
Panzerbegeisterte Menschen aus Deutschland müssten zumindest theoretisch gar nicht auf die Insel, um die verschiedenen Fahrzeuge in Action zu sehen. Mit „Stahl auf der Heide” gibt es vom Deutschen Panzermuseum in Munster ein eigenes Festival, das zuletzt immerhin 8.000 Besucher lockte. Rein von der Nachfrage her würden wohl auch weit mehr kommen. „Aber mehr geht nicht”, sagt die stellvertretende Leiterin Julia Engau. Aktuell geht sogar gar nichts. Seit 2019 schon findet das Event nicht mehr statt, aktuell hofft das Museum, dass es 2025 wieder steigt.
Im Stab des Museums arbeiten gerade mal vier Mitarbeiter, die sich im Wesentlichen um die Ausstellungskonzeptionen, Forschung und Marketing kümmern. Das große Panzerfahren, ist da eine zusätzliche Kraftanstrengung. Großen Gewinn macht das Museum mit dem Event nicht, es ist laut Engau eher kostendeckend.
Dass nach 2019 mit „Stahl“, wie das Panzermuseum die Veranstaltung nur verkürzt nennt, pausiert wurde, lag übrigens nicht an den Corona-Beschränkungen, die solche Events ohnehin erschwert hätten. Ursprünglich war ein geplanter Umbau des Museums der Anlass, mit der Veranstaltung zu pausieren. Doch die Finanzierung und Planung des Umbaus ziehen sich hin. Von der Veranstaltung generell verabschieden will sich das Museum, dessen Träger die Stadt Munster ist, allerdings nicht. Schon um die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer und Hobby-Kommandeure zu zeigen, die die Fahrzeuge des Museums instand halten.
Zudem muss das Panzermuseum ein solches Event immer eng mit den Kapazitäten der Bundeswehr abstimmen. Denn die Exponate gehören fast komplett den Streitkräften.
Derzeit werde das Konzept von „Stahl“ komplett neu durchdacht, informiert das Museum. Die wohl wichtigste Änderung: Direkt beim Museum soll das Event nicht mehr stattfinden. Es wäre wohl eher unpassend, in einer Ausstellung Panzer zu zeigen und welches Leid sie verursachen und vor der Tür fröhlich mit den Fahrzeugen hin und her zu fahren, so die Ansicht des Museums. Wo das Event stattdessen künftig wieder stattfindet, ist noch offen. Klar ist nur, dass es weiterhin steigen soll. Und bis dahin können deutsche Enthusiasten ja ins britische Bovington ausweichen,