Osnabrück  Barbie – Die perfekte Frau? Die Geschichte der berühmtesten Puppe der Welt

Tobias Sunderdiek
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Von Tobias Sunderdiek
| 25.08.2023 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Marke Barbie hat eine enorme Entwicklung gemacht: Gab es einst nur Barbies, die den gängigen Schönheitsidealen entsprachen, gibt es Barbie nun in vielfältiger Form, etwa im Rollstuhl. Foto: dpa
Die Marke Barbie hat eine enorme Entwicklung gemacht: Gab es einst nur Barbies, die den gängigen Schönheitsidealen entsprachen, gibt es Barbie nun in vielfältiger Form, etwa im Rollstuhl. Foto: dpa
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Der Barbie-Film spielt derzeit Unmengen an Geld in die Kinokassen. Doch das Phänomen Barbie gibt es bereits seit den 1950er-Jahren. Arte widmet der wohl berühmtesten Puppe der Welt nun eine ganze Dokumentation.

Hätten Sie gewusst, dass Barbie, die berühmteste Puppe der Welt, ihren Ursprung nicht in Amerika, sondern in Deutschland hat? Als nämlich 1952 die allererste Ausgabe der „Bild“-Zeitung erschien, suchte man noch einen Lückenfüller im Text. Woraufhin der Zeichner Reinhard Beuthien die üppig gewachsene „Lilli“ als Karikatur schuf; er stattete sie mit Pferdeschwanz, langen Augenwimpern, „Atombusen“ und Schmollmund à la Brigitte Bardot aus – den Schönheitsidealen jener Zeit.

Bis 1961 war die „Bild-Lilli“ für ihre kecken Sprüche berühmt. Wie etwa jenen, als sie einem Polizisten in einem Sketch entgegnet: „Zweiteilige Badeanzüge sind verboten? Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“ Es sollte nicht lange dauern und Merchandisingprodukte wie Sekt, Modeschmuck oder Duftwasser folgten.

1957 entstand sogar ein Kinofilm: „Lilli – das Mädchen aus der Großstadt“. In der Titelrolle war die aus Dänemark stammende Schauspielerin Ann Smyrner zu sehen, die damit ihre Karriere in vielen Abenteuer- und Schlagerfilmen der 60er begründete (etwa: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“). Der gestrenge „Katholische Filmdienst“ urteilte damals jedoch, die „beabsichtigte Kriminalfilmparodie“ sei durch eine „Unterwäscheschau ersetzt“ worden.

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1955 kam dann eine Lilli-Plastikfigur auf dem Markt, die die Co-Gründerin der amerikanischen Spielzeugfirma „Mattel“, Ruth Handler, auf einer Europareise per Zufall entdeckte. Ihre Tochter erspähte Lilli in einem Spielzeugladen in Luzern. Und da die Produzenten der Lilli-Puppe (damals schon mit wechselnden Garderobenstücken) keine Vertriebsrechte in den USA besaßen, übernahm Ruth Handler einfach das Konzept. Mit Barbie (benannt nach ihrer Tochter Barbara) landete sie schließlich einen Riesenerfolg in Amerika – und dann weltweit. Der Rest ist Spielzeuggeschichte.

War jedoch die ursprüngliche Barbie noch Ausdruck ihres Zeitgeistes (mit ihren XXXS-Körpermaßen und langen Beinen), sorgte die Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen der 60er und 70er-Jahre für neue Barbies. Ihnen war das unerreichbare Schönheitsideal suspekt und sie witterten Gefahr für Leib und Seele junger Mädchen. Zumal das „blonde Dummchen“, das Barbie eben auch verkörperte, aus der Mode gekommen war. Die Umsätze sanken.

Um neue Käuferschichten zu erreichen, wurde ab 1967 eine schwarze Barbie produziert. Inzwischen gibt es Barbie-Modelle, die Menschen mit Down-Syndrom nachempfunden sind, Barbies im Rollstuhl und sogar eine Astronauten-Barbie. Bleibt jedoch die Frage, ob die offensiv vermarktete Diversität nicht nur ein geschicktes Geschäftsmodell ist oder ob es wirklich um „Empowerment“ von Frauen und Mädchen geht?

Auch der derzeit laufende Barbie-Kinofilm von Greta Gerwig ist eine wahre Goldgrube. Mit Margot Robbie in der Titelrolle und einem wasserstoffblonden, mit Sixpack versehenen Dauerfreund „Ken“ (dargestellt von Ryan Gosling), verdient Hollywood kräftig. Schon über eine Milliarde Dollar spülte der Film in die Kassen.

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Ein neuer Trend? Denn wie schon zuvor bei „Lego“, „Transformers“ oder den „Super Mario Bros.“ wird auch hier eine Spielzeugserie mit neuen Inhalten versehen, um auch neue Käuferschichten zu erobern. Fortsetzungen von Barbie sind schon geplant. Und Mattel hat bereits angekündigt, ganze 14 weitere Filmprojekte zu planen, vom „Matchbox“-Spielzeugauto bis zur Stoffpuppe „Barney, dem netten Dino“ als Protagonisten.

Über die Geschichte der Kultpuppe und deren erwachsene Fans und Sammler sendet Arte am Freitag, 25. August, um 21.55 Uhr, die Doku „Barbie – Die perfekte Frau?“ In der Mediathek ist der Beitrag bis zum 18. Oktober zu sehen.

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