St. Peter-Ording  Ende des Booms: Wie St. Peter-Ording neue Touristen an die Nordsee locken will

Jens Mende
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Von Jens Mende
| 22.08.2023 11:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein weiteres neues Projekt, um die Attraktivität von SPO zu sichern: Der geplante Neubau der Strandbar 54. Foto: Jens Mende
Ein weiteres neues Projekt, um die Attraktivität von SPO zu sichern: Der geplante Neubau der Strandbar 54. Foto: Jens Mende
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Peter-Ording. 2022 war für St. Peter-Ording an die Nordsee in Schleswig-Holstein noch ein Rekordjahr bei den Übernachtungen. Doch der große Boom scheint vorbei zu sein. Nicht nur die Tourismuszentrale überlegt, was nun zu tun ist und hat bereits erste Ideen.

Die Rückkehr des Sommerwetters hat bei allen, die in St. Peter-Ording mit Tourismus zu tun haben, für richtig gute Laune gesorgt. Das war nicht immer so in den letzten Wochen. „Ausverkauft“, wie in den Jahren zuvor, konnten die Vermieter und Hoteliers trotz Hochsaison 2023 keinesfalls durchgehend vermelden. „Tatsächlich liegen wir in den Zahlen etwas schlechter“, bestätigt Katharina Schirmbeck. Die Tourismus-Chefin von SPO schließt aber an: „Wir liegen immer noch in etwa auf dem Niveau von 2019.“

Was heißt: SPO war verwöhnt. Der Megaboom, der mit dem Jahrhundert-Sommer 2018 begann, scheint erst einmal zu Ende. Was nicht nur am durchwachsenen Wetter im Juli und August diesen Jahres liegt. „Wir hatten viele kurzfristige Buchungen und die Gäste waren trotz des schlechten Wetters entspannt. So ist der August noch super. Aber die Vorsaison war schlechter gebucht als in den letzten zwei Jahren“, sagt Svenja Carstens, Inhaberin des Hotels Kölfhamm in Ording.

Die Tourismuszentrale hat den neuen Trend registriert und will darauf mit Blick auf die Saison 2024 reagieren. Noch im März hatte sich St. Peter-Ording für das Rekordjahr 2022 mit knapp einer Milllion Gästen und 2,75 Millionen Übernachtungen feiern lassen. Angesichts von nur rund 4000 Einwohnern hatte sogar Schleswig-Holsteins Tourismus-Minister Claus Ruhe Madsen bei einem Besuch von einem „sehr speziellen Verhältnis“ gesprochen.

Der Deutschland-Tourismus erlebte schon vor Corona seit 2018 einen Boom. Dann profitierte das Seebad mitten in der Pandemie von der sogenannten Modell-Region, nach St. Peter-Ording durften zuerst wieder Gäste kommen. „Man konnte hier die letzte Garage auch teuer verkaufen“, erinnert sich Schirmbeck: „Man musste sich nicht anstrengen, die Hütte voll zu bekommen.“

Das sieht nun wieder anders aus. Die Konkurrenz kommt nicht nur aus der Nordsee-Nachbarschaft wie Büsum, sondern aus allen weltweiten Tourismus-Hotspots. Und: Sankt Peter-Ording ist deutlich teurer geworden. „Corona war für uns ein Geschenk. Jetzt im August haben alle Bundesländer Ferien. Aber der Ort ist gefühlt leer“, bemerkt Andrea Hoppe, die Besitzerin des Gästehauses Uthörn. Erst seit Mitte Juli sei ihr Haus „aus verschiedenen Gründen“ voll belegt. „Vielen Gästen war es in den Vorjahren in SPO zu voll und zu teuer“, sagt Hoppe: „Und St. Peter ist immer ein Ort für Familien gewesen.“

In der Corona-Zeit nutzten viele Gastgeber die hohe Nachfrage, um ihre Preise zu erhöhen. Jetzt sehen sich viele Tourismus-Betriebe durch den Ukraine-Krieg und die Inflation gezwungen, steigende Kosten zusätzlich an die Gäste weiterzugeben. „Seit 2018/19 liegen wir bei einer durchschnittlichen Kostensteigerung von 40 Prozent. Das ist natürlich enorm“, sagt Schirmbeck.

„Ich vermisse vor allem Großveranstaltungen, die den Ort in den Blickpunkt rücken. Büsum läuft uns da gerade etwas den Rang ab. Dabei machen sie dort nur nach, was wir hier in St. Peter-Ording lange Jahre gemacht haben“, erklärt Svenja Carstens mit Hinweis auf das Top-Konzert von Sarah Connor, die N-JOY-Party oder das Holi Festival im Konkurrenz-Ort. „Wir haben jetzt ist die Phase, wo es etwas weniger Nachfrage gibt und wir wieder etwas dafür tun müssen“, räumt Tourismus-Direktorin Schirmbeck ein.

Die Suche nach einer neuen Strategie hat begonnen. Ein Punkt: „In den letzten Jahren brauchten wir keine Veranstaltungen mit Strahlkraft, um die Leute in den Ort zu kriegen. Sondern wir haben denen Unterhaltung geboten, die eh schon da sind“, erklärt Schirmbeck. Insgesamt will die Tourismuszentrale wieder Werbekampagnen für einen Urlaub in SPO starten, die in den Boom-Jahren gar nicht nötig waren.

Zum Strategiewandel soll auch gehören, dass der Erfolg des Tourismus bei insgesamt 18.500 Gästebetten nicht mehr allein an den Besucherzahlen gemessen werde. „Unsere Aufgabe ist es mehr, die Leute, die vor Ort sind, zu managen. Den Gästen ein gutes Urlaubserlebnis zu bieten, aber eben auch die Gastgeber zu unterstützen“, sagt Schirmbeck.

Auch die friedliche Koexistenz zwischen Urlaubern und Einheimischen sei ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Nordseeortes. Die Preis-Explosionen belasten ebenso das Leben der St. Peteraner, die beispielsweise aufgrund gestiegener Gebühren für das Parken im eigenen Ort mehr ausgeben müssen. „Wir sind dran, da etwas zu entwickeln“, so Schirmbeck.

So könnte es bald nach dem Muster der Strand-Autoplakette, die sich nach neun Mal Parken auszahlt, ein Bürger-Parken geben. Für 2024 ist nach der digitalen Gästekarte eine Einwohnerkarte in der Pipeline, die Einheimischen Vorteile bringen könnte. „Das muss natürlich immer mit der Gemeinde abgestimmt werden“, betont die Tourismus-Chefin.

Für eine Verbesserung der Bilanz sorgt indessen die Rückkehr des Sommers: Seit gut einer Woche verzeichnet die TZ eine deutliche Zunahme bei den Buchungen für Ferienwohnungen, Pensionen und Hotelzimmern, freut sich Tourismus-Direktorin Katharina Schirmbeck. Obwohl derzeit sehr kurzfristig gebucht wird, bleiben die Gäste unterm Strich länger. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer steigt von durchschnittlich 5,05 Tagen in 2022 auf 5,37 Tage in 2023. Die Gäste von Ferienwohnungen und -häusern bleiben im Schnitt sogar länger als sieben Tage. „Nicht zuletzt aufgrund des starken Kurzfristgeschäfts wird das Tourismusjahr 2023 ein gutes Jahr für St. Peter-Ording werden. Den Gästerekord aus dem letzten Jahr werden wir zwar nicht knacken können, aber deutlich über dem Vor-Corona-Jahr 2019 abschließen“, zieht Katharina Schirmbeck eine positive Zwischenbilanz.

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