Streit zwischen Nabu und Landkreis  Wie entscheidet der Landkreis in Sachen Heckrinder?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 22.08.2023 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Nabu will mehr Zeit, um die Herden der Koniks und Heckrinder in Nüttermoor und hier in Coldam aufzulösen. Foto: Gettkowski
Der Nabu will mehr Zeit, um die Herden der Koniks und Heckrinder in Nüttermoor und hier in Coldam aufzulösen. Foto: Gettkowski
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Die Position des Landkreises Leer ist klar: Bis Ende September muss der Nabu die in die Kritik geratenen Konik- und Heckrinderherden auflösen. Bleibt es bei der Entscheidung? Wir haben nachgefragt.

Landkreis Leer - Der Nabu Niedersachsen unternimmt offenbar inzwischen zahlreiche Anstrengungen, um mehr Zeit für die Auflösung seiner Heckrinder- und Konikherden in Nüttermoor und Coldam zu gewinnen. Der Landkreis Leer hatte angekündigt, eine Auflösung der Herden bis Ende September anzuordnen. Der Nabu hatte dazu am 11. August bei der Kreisbehörde eine 40-seitige Stellungnahme abgegeben.

Wie der Landkreis diese Stellungnahme nach seiner Prüfung bewertet, ist offen. „Der Nabu hat darum gebeten, seine Stellungnahme zu ergänzen“, teilte Landkreissprecher Jens Gerdes auf Nachfrage mit. Dafür habe der Landkreis eine kurze Fristverlängerung eingeräumt. „Infolgedessen ist noch keine abschließende Bewertung möglich“, so Gerdes. Wie lange die Frist verlängert wurde, ließ er offen.

Verwaltung trifft Entscheidung

Die Entscheidung, ob der Landkreis Leer dem Nabu mehr Zeit für die Auflösung der Herden einräumt, werde nach Gerdes Worten nicht die politischen Gremien entscheiden. „Da es sich um ein Verwaltungsverfahren handelt, entscheidet die Verwaltung“, teilte er mit. Die politischen Gremien würden über die Enscheidung der Verwaltung informiert, träfen aber in dieser Sache keinen Beschluss.

Der Nabu-Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann hält weiter an seiner Position fest: „Eine tierwohlgerechte Auflösung der Herden bis zum 30. September wie vom Landkreis bisher gefordert, ist definitiv nicht umsetzbar.“ Der Landwirtschaftliche Hauptverein für Ostfriesland wirft dem Nabu-Landesvorsitzenden vor, auf Zeit zu spielen. „Statt sich konsequent um den Abbau der Tierbestände zu kümmern, bestreitet der Nabu die seit Mai bekannten Vorwürfe, erhebt Klagen gegen Landkreisverfügungen und verfasst umfangreiche Stellungnahmen“, heißt es in einer Pressemitteilung des LHV-Kreisverbands Leer. Laut LHV habe das Beweidungsprojekt unter den dort herrschenden Wasser- und Bodenverhältnissen ohnehin nie funktioniert. Im Frühjahr waren dort zwei Heckrindkälber und zwei Konikfohlen verendet.

Der Nabu Niedersachsen will klagen, sollte der Landkreis auf die Auflösung der Konik- und Heckrinderherden in Coldam und Nüttermoor bis Ende September bestehen. Foto: Gettkowski
Der Nabu Niedersachsen will klagen, sollte der Landkreis auf die Auflösung der Konik- und Heckrinderherden in Coldam und Nüttermoor bis Ende September bestehen. Foto: Gettkowski

LHV wirft Nabu Verzögerungstaktik vor

„Das Projekt muss so schnell wie möglich beendet werden, sonst werden sich die Bilder von diesem Frühjahr und vom Winter 2008 wiederholen, und das muss auf jeden Fall verhindert werden“, fordert Rudi Bleeker, LHV-Kreisverbandsgeschäftsführer. Der Vorschlag des Verbandes: Rinder von lokal ansässigen Landwirten könnten eine saisonal begrenzte Sommerbeweidung auf den Flächen ab dem kommenden Frühjahr ermöglichen.

Dr. Holger Buschmann vermutet allerdings, dass hinter diesem Angebot eher landwirtschaftliche Interessen stecken. „Eine Bewirtschaftungsform, die nicht der bisherigen extensiven Ganzjahresbeweidung gleichkommt, könnte dazu führen, dass sich die über zwei Jahrzehnte entwickelten Ausgleichsflächen zurückentwickeln.“

Weiter fortgeschritten sind offenbar die Bemühungen um den Verkauf der Konikpferde. Beim Veterinäramt sei nach den Worten von Landkreissprecher Jens Gerdes inzwischen bekannt geworden, dass von der Fläche in Coldam Pferde verkauft werden. „Allerdings hat der Nabu dies nicht, entgegen der mündlichen Anordnung, mitgeteilt, sondern es gelangte per Zufall dem Veterinäramt zur Kenntnis und wurde anschließend auf Nachfrage vom Nabu bestätigt“, merkt der Landkreissprecher kritisch an. Auf der Fläche Thedingaer Vorwerk gibt es nach wie vor Pferde, diese wurden aber von den Rindern getrennt. Laut Zählung vom 16. August nachmittags waren es 23 Pferde und 48 Rinder, teilte der Landkreis auf Nachfrage mit.

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