Berlin  Arrow-3-Deal: Was macht das israelische Raketenabwehrsystem so besonders?

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 17.08.2023 14:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das israelische Raketenabwehrsystem „Arrow 3“ soll bald auch Deutschland schützen. Foto: AFP PHOTO/HO/ISRAELI MINISTRY OF DEFENCE
Das israelische Raketenabwehrsystem „Arrow 3“ soll bald auch Deutschland schützen. Foto: AFP PHOTO/HO/ISRAELI MINISTRY OF DEFENCE
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Die USA haben eingewilligt: Israel darf das Raketenabwehrsystem „Arrow 3“ an Deutschland verkaufen. Seit einem Jahr wurde der historische Milliardendeal verhandelt. Doch was macht die Waffe so besonders?

Es ist der größte Rüstungsdeal der Geschichte Israels, wie es in einer Mitteilung des israelischen Verteidigungsministeriums heißt. Am Donnerstag gaben die USA der Regierung in Jerusalem die Erlaubnis, das Raketenabwehrsystem „Arrow 3“ an Deutschland zu verkaufen.

Die Verhandlungen darüber waren nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 angelaufen. Denn Deutschland hat eine Lücke in seiner Verteidigung, die vor allem angesichts der Bedrohung innerhalb Europas nun geschlossen werden soll.

Das „Arrow 3“ soll Lang- und Mittelstreckenraketen zerstören, die hierzulande bislang nicht abgewehrt werden können. Anders als Kurzstreckenraketen werden sie – wie der Name bereits sagt – aus größerer Distanz abgefeuert und haben eine weitaus höhere Flugbahn. Sie verlassen dabei die untere Erdatmosphäre und dringen in die Stratosphäre in mehr als 15 Kilometern Höhe ein.

Eine der Besonderheiten an „Arrow 3“: Es ist das erste antiballistische System, das in einer Höhe von bis zu 100 Kilometern eingesetzt werden kann. Dazu kommt eine Reichweite von bis zu 2400 Kilometern.

Das Abwehrsystem, das gemeinsam von den USA und Israel entwickelt wurde, gilt als das modernste und leistungsfähigste der Welt. Es besteht – vereinfacht gesagt – aus Radargeräten, Startgeräten, Lenkflugkörpern und dem Führungsgefechtsstand, also der Einheit, von der die sieben Meter langen Raketen abgefeuert werden.

Ein weiteres Detail, das das „Arrow 3“-System so besonders macht, sind die schwenkbaren Triebwerke der beiden Antriebsstufen. Das heißt, dass die Rakete bereits gestartet werden kann, ohne dass das Ziel der feindlichen Rakete bekannt ist, da sie manövrierfähig ist.

Wird „Arrow 3“ gestartet, rast es mit neunfacher Schallgeschwindigkeit nach oben. Ein System am Boden berechnet dann, auf welcher Flugbahn sich die Rakete befindet, die abgeschossen werden soll, und lenkt die eigene dementsprechend.

Und: Selbst wenn die feindliche Rakete nicht genau getroffen wird, kann „Arrow 3“ die Gefahr noch abwehren. Dafür sorgt ein Näherungszünder im Sprengkopf. Die Splitter haben eine so große Zerstörungskraft, dass die gegnerische Rakete allein durch sie zerstört werden kann. Gestartet werden können im Übrigen fünf „Arrow 3“-Raketen innerhalb einer halben Minute.

Insgesamt soll es für das System drei Standorte in Deutschland geben, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vom Verteidigungsministerium erfahren hat: im Großraum München, zwischen Kiel und Flensburg sowie an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt im Fliegerhorst Holzdorf. Damit hätte dann nicht nur Deutschland eine „eiserne Kuppel“, wie Israel sein Schutzschild aus Abwehrsystemen nennt, sondern dank der zentralen Lage ganz Europa.

Die Kosten für ein Raketenabwehrsystem belaufen sich auf schätzungsweise vier Milliarden Euro. Allein für eine Rakete fallen rund drei Millionen Euro an. Die Vereinbarung soll nun vom israelischen und deutschen Verteidigungsministerium sowie dem Herstellungsunternehmen Israel Aerospace Industries unterzeichnet werden, hieß es in der Stellungnahme. Bis spätestens Ende 2025 soll „Arrow 3“ einsatzfähig sein.

mit dpa-Material

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