Berlin Trügerische Sicherheit: Was Arrow 3 bringt – und was nicht
Deutschland kauft das Raketenabwehrsystem Arrow 3 aus Israel. Es ist teurer als ursprünglich geplant und das Versprechen von Sicherheit trügerisch.
Mit dem Kauf des israelischen Luftabwehrsystems Arrow 3 löst Bundeskanzler Olaf Scholz sein Versprechen ein, Deutschland in neuer Bedrohungslage durch Russland besser zu schützen. Doch der Jubel in Teilen der Ampel-Koalition, die das Vorhaben forciert haben, ist übertrieben.
Erstens wird das Projekt um eine Milliarde teurer als ursprünglich angenommen. Das hat bei Rüstungsvorhaben inzwischen System und trifft in Zeiten knapper Kassen auf immer weniger Verständnis. Und zweitens wird es echten Schutz mit Arrow 3 allein nicht geben. Experten bezeichnen die Wirkung auch in Kombination mit anderen vorhandenen Systemen als lückenhaft. Deutschland sei mit einem kleinen Land wie Israel nicht vergleichbar. Israel und die USA investieren ein Vielfaches – und das jährlich – für eine umfassende und wirksame Luftabwehr.
Insofern ist der Kauf von Arrow 3 eher der Anfang als der Vollzug einer wirksamen Luftabwehr für den Ernstfall. Auch in ihren Auswirkungen schätzen Experten die Aufrüstung in Sachen Flugabwehr zwiespältig ein. Sie könnten ein Wettrüsten in Gang setzen, das die Welt am Ende nicht sicherer macht. Bessere Abwehr ermuntert zum Bau besserer Raketen, die sie umgehen können.
Dennoch ist der Kauf ein wichtiges politisches Signal an die Verbündeten, dass Deutschland ernst damit macht, künftig mehr in seine eigene Sicherheit zu investieren. Das wird insbesondere in den USA positiv zur Kenntnis genommen. Die Vereinigten Staaten – darüber sollte sich niemand Illusionen machen – bleiben auf lange Sicht wichtigster Garant für die Sicherheit Europas.