Ferienende in Ostfriesland Zum Schulstart werden Elterntaxis wieder zur Gefahr
Das Verkehrschaos vor Schulen ist in Ostfriesland vielerorts ein Problem. Dafür gibt es aber kreative Lösungen.
Ostfriesland/Berlin - Autokolonnen, Parken in zweiter Reihe und riskante Wendemanöver gehören vor Schulen oft zum morgendlichen Alltag. Etwa jedes fünfte Kind wird einer ADAC-Umfrage zufolge morgens mit dem Auto vor der Schule abgesetzt. „Das mag aus Sicht der Eltern nachvollziehbar scheinen, aber es birgt durch dieses Chaos vor der Schule ein gewisses Sicherheitsrisiko“, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Die sogenannten Elterntaxis sind seit Jahren ein umstrittenes Thema: sie seien gefährlich, umweltschädlich, und nähmen Kindern ihre Selbstständigkeit, lautet oft die Kritik.
Die Ursache sei meistens ein Platzproblem, sagt Heiner Sothmann von der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Hinzu käme der Zeitdruck, da der Nachwuchs pünktlich im Klassenzimmer sitzen muss und die Eltern gegebenenfalls selbst noch zur Arbeit müssen. Stress und Hektik führten leider oft zu Unachtsamkeit und aggressivem Verhalten, sagt Sothmann.
Schulstraße in Wiesmoor wird zur Fahrradstraße
Die Problematik ist auch in Ostfriesland bekannt. Insbesondere an Regentagen sei das Aufkommen vor der Kooperativen Gesamtschule Wiesmoor hoch, sagt Ulrike Sieckmann. Das Thema betreffe zwar eher Grundschulen, so die Schulleiterin, es würde an der KGS aber prinzipiell angesprochen. Die Grundschule Mitte liegt gleich neben der KGS. Um dem Verkehrschaos dort ein Ende zu setzen, wird die Schulstraße derzeit in eine Fahrradstraße umgewandelt.
Aber auch kleinere Aktionen wie die sogenannten Gelben Füße sollen Stress mit Elterntaxis vermeiden. Dabei werden gelbe Fußspuren auf Gehwege und Straßen gesprüht, um Schulkindern einen sicheren Weg zu weisen, erklärt Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden. Die Beamten seien regelmäßig in Schulen präsent, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Einsatz der Polizei geht aber weit über Präventionsarbeit hinaus. „Die Thematik stellt uns als Polizei regelmäßig vor Probleme“, sagt Julian Ritz von der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Eine ohnehin schon unübersichtliche Situation vor den Schulen werde noch unübersichtlicher – und somit auch gefährlicher. Schulwege und Situationen an den Schulen würden vermehrt in unregelmäßigen Abständen kontrolliert, sagt Ritz. Oftmals bestünden Halte- und Parkverbote im Bereich der Schulen, deren Einhaltung die Polizei kontrolliere.
„Schulexpress“ in Aurich als Alternative zum Elterntaxi
Wie sensibel die Tageszeiten vor Schulbeginn und nach Schulende in der Unfallstatistik sind, zeigen am Dienstag veröffentlichte Zahlen zu verunglückten Kindern im Straßenverkehr: Rund 25.800 Kinder sind laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2022 in Deutschland im Straßenverkehr verunglückt. 51 Kinder kamen im vergangenen Jahr bei Unfällen ums Leben. Zu den meisten Unfällen der 6- bis 14-Jährigen kam es montags bis freitags in der Zeit zwischen sieben und acht Uhr. Den zweithöchsten Wert erreichten die Unfälle in der Zeit von 15 bis 16 Uhr.
Das Chaos vor dem Schultor könne man umgehen, sagt DVW-Sprecher Heiner Sothmann. „Wer sein Kind unbedingt mit dem Auto zur Schule bringen muss, kann es trotzdem in einiger Entfernung an einer sicheren Stelle aussteigen und den restlichen Weg allein zurücklegen lassen.“ Wichtig sei, dass man mit den Kindern im Vorfeld den Schulweg intensiv trainiere.
Grundschüler der Auricher Reilschule gehen seit April gemeinsam zur Schule. Dort wurde das Verkehrsprojekt Schulexpress als Alternative zu Elterntaxis eingeführt. Im Einzugsgebiet der Grundschule sind sieben Haltestellen eingerichtet worden, also Sammlungspunkte für die Kinder. Sie treffen sich dort kurz vor Schulbeginn und gehen gemeinsam zur Schule. „Der Schulexpress läuft sehr gut“, sagt Nicole Lüder. Es gebe eine deutlich spürbare Verbesserung der Verkehrssituation vor der Schule, so die Initiatorin. Die Rückmeldungen seien positiv, Eltern berichteten, dass die morgendlichen Fahrten entspannter seien und sie darüber hinaus Zeit sparten.
Mit Material von DPA