Bohrinsel – Natur und Baden  Tourist erschrocken über Schlaglöcher – Bohrinsel-Zufahrt extrem belastet

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 15.08.2023 08:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schwimmen kann man bei der Bohrinsel auch. Foto: Gettkowski/Archiv
Schwimmen kann man bei der Bohrinsel auch. Foto: Gettkowski/Archiv
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Die Bohrinsel in Dyksterhusen ist beliebt, sie ist aber kein Badesee mit Sandstrand. Wie steht es um Schlaglöcher, Tide und eingeschlossene Touristen?

Dyksterhusen - An trüben Tagen ist die ehemalige Bohrinsel in Dyksterhusen ein beliebtes Ziel für Besucher, die Ruhe suchen. Bei heißem Sommerwetter herrscht dort Hochbetrieb. So oder so: Sie ist bei Einheimischen und auch bei Touristen beliebt. Einer von ihnen ist Bernhard Plöger aus Mainz. Mit einem Freund fährt er seit Jahren zum Urlaub nach Ostfriesland.

Was und warum

Darum geht es: Die Bohrinsel Dyksterhusen ist beliebt bei Einheimischen und Touristen. Allerdings ist sie keine Nullachtfünfzehn-Badestelle.

Vor allem interessant für: Touristen und Einheimische

Deshalb berichten wir: Ein Tourist wandte sich wegen des Zustandes der Zufahrt an die Redaktion.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

„Dabei machten wir schon viele Ausflugsfahrten in alle Richtungen. Dieses Jahr war auf der Rückfahrt von Bunderhee auch das dortige Steinhaus dran, das nicht ganz unerwartet jahreszeitlich noch geschlossen hatte. Danach fuhren wir weiter Richtung Ditzum und ich wollte wieder die Bohrinsel im Dollart besuchen, die ich schon vor vielen Jahren mit meiner Tochter und Enkel betreten hatte“, so Plöger. Er genoss die wunderbare Aussicht, sei aber erschrocken gewesen vom Zustand der Zufahrt.

Das schlägt der Tourist vor

Dort habe sich Schlagloch an Schlagloch gereiht, so Plöger, und man habe sehr langsam fahren müssen: „Ich denke, wenn man schon für diesen schönen Fleck touristische Werbung macht, dann sollte man auch für eine anständige Zufahrt sorgen oder den Weg für Autos von vornherein sperren und nur Fußgänger oder Wanderer durchlassen und dies auch so publik machen.“ Es solle im Vorfeld auf den Zustand der Zufahrt hingewiesen werden.

Motorrad, Auto, Wohnmobil: So manches motorisiertes Gefährt düst zur Bohrinsel. Foto: Gettkowski/Archiv
Motorrad, Auto, Wohnmobil: So manches motorisiertes Gefährt düst zur Bohrinsel. Foto: Gettkowski/Archiv

„So wäre man als autofahrender Tourist von der Zugänglichkeit dieser Örtlichkeit weder überrascht noch enttäuscht.“ Denn „die Bohrinsel selbst und die Aussicht auf den Dollart sind sehr eindrucksvoll“.

Bauhof flickt jedes Frühjahr

Ganz weit auseinander liegen die Ansichten der Gemeinde Jemgum und des Touristen nicht. Bürgermeister Hans-Peter Heikens schickt allerdings eines vorweg: „Die Straße zur Bohrinsel befindet sich im Eigentum der Rheider Deichacht. Die sogenannte Verkehrssicherungspflicht obliegt jedoch der Gemeinde Jemgum.“ Diese muss also sicherstellen, dass man wohlbehalten über die Zufahrt kommt.

Heikens sagt klar und deutlich: „Ja, die Straße ist in keinem guten Zustand. Der gemeindliche Bauhof muss jedes Frühjahr wieder die schlimmsten Unebenheiten beseitigen, die über die Saison und dann im Verlauf der Winterstürme entstehen.“ So komme die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nach. Aber viel mehr sei eben nicht drin – allein schon aus finanziellen Gesichtspunkten: „Ein kompletter Neubau der Straße würde in die Hunderttausende gehen“, sagt Bürgermeister Heikens. „Erstens haben wir dafür nicht das Geld und zweitens muss man ganz ehrlich die Frage stellen, ob der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis steht“, gibt er zu bedenken.

Infos gibt es auch an der Bohrinsel. Foto: Archiv
Infos gibt es auch an der Bohrinsel. Foto: Archiv

Wäre sofort wieder kaputt

Die Zufahrt ist nämlich ein Sonderfall. Sie steht unter extremer Belastung: „Die Straße steht in den Wintermonaten mehrfach unter Wasser, das heißt, dass selbst eine neue Straße extremen Belastungen ausgesetzt und wahrscheinlich sehr schnell wieder kaputt wäre“, erklärt Heikens. Und wenn man in Jemgum schon so viel Geld für eine Straßensanierung in die Hand nehme, „dann doch eher an anderer Stelle, beispielsweise in den Siedlungsbereichen bei uns in der Gemeinde“. Dort wäre das Geld wesentlich sinnvoller eingesetzt, weil die Straßen jeden Tag gebraucht würden.

„Und schließlich habe ich da eine ganz klare Meinung: Niemand wird gezwungen, zur Bohrinsel zu fahren“, sagt der Bürgermeister entschieden. Wenn jemand der Auffassung sei, dass er die Straße nicht mit dem Auto oder dem Zweirad befahren kann, dann habe man jederzeit die Möglichkeit, sein Fahrzeug am Deich stehen zu lassen und zur Bohrinsel zu laufen. „Eine solche Haltung ist bei Gemeindestraßen, beispielsweise in Siedlungen, nicht möglich. Die Straßen werden, wie gesagt, jeden Tag gebraucht.“

Das Wilde der Bohrinsel

Einheimische und Touristen schätzen die Natur bei der Bohrinsel, allerdings ist sie eben kein Badesee mit Sandstrand: Die Bohrinsel Dyksterhusen befindet sich im Deichvorland des Dollarts. So sollte man sich mit den Gegebenheiten vertraut machen. „Der Dollart ist alljährlich Schlafplatz von vielen zehntausenden Zugvögeln, was dessen Bedeutung als Vogelschutzgebiet erklärt. Den spektakulärsten Anblick bietet der Einflug der arktischen Wildgänse, die im umliegenden Grasland Nahrung suchen“, heißt es beim Niedersächsischen Gewässer-Atlas zur Bohrinsel. Die Plattform, die im Jahr 1964 für Probebohrungen nach Erdgas aufgeschüttet wurde, gelte als beliebtes Ausflugsziel für Naturliebhaber.

„Bei Flut ist an der Bohrinsel Baden und Surfen möglich. Die Badestelle unterliegt dabei naturgegebenen hygienischen Schwankungen“ – heißt: „Die Badegewässerqualität an der Badestelle Bohrinsel Dyksterhusen wird durch äußere Einflüsse wie Vogelkot, Einleitungen, Aufstauen der Ems für Schiffsüberführungen oder aber auch durch Starkregenereignisse und Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen beeinflusst“, erklärt das Gesundheitsamt des Kreises Leer. Es werden regelmäßig Proben genommen. Derzeit ist die Wasserqualität „gut“.

Vom Wasser überrascht

Immer wieder werden Besucher der Bohrinsel von der Flut überrascht. Vergangene Woche wurde die Feuerwehr alarmiert, weil Kühe vermeintlich in Not gewesen seien. Allerdings hatte der Landwirt schnell Entwarnung gegeben, die Flut hatte ihren Höchststand bereits erreicht, nur die Beine der Tiere wurden nass. Das passiert auch Gästen der Bohrinsel immer wieder. Bei Flut und Wind wird auch die schmale Straße überspült. Ein Grund zur Panik ist das aber nicht, auf der höher gelegenen Insel ist man sicher.

Ein Paar fuhr beispielsweise 2021 mit dem Auto in das auflaufende Wasser, ging dann durch das eiskalte Wasser zurück zur Insel. „Wenn das Auswärtigen passiert, kann ich das noch nachvollziehen, aber bei Einheimischen fehlt mir jedes Verständnis“, sagte Dominik Janßen, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Leer. Die Einsatzkräfte haben nach seinen Worten jedes Jahr in Dyksterhusen mit drei oder vier Einsätzen dieser Art zu tun.

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