Ende der Nabu-Weideprojekte  Nabu braucht mehr Zeit zur Auflösung der Herden

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 11.08.2023 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Werden die Heckrinder im Landkreis Leer schon Ende September aus dem Landschaftsbild verschwunden sein? Wie die Antwort ausfällt, liegt jetzt in den Händen des Landkreises. Archivfoto: Gettkowski
Werden die Heckrinder im Landkreis Leer schon Ende September aus dem Landschaftsbild verschwunden sein? Wie die Antwort ausfällt, liegt jetzt in den Händen des Landkreises. Archivfoto: Gettkowski
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Der Nabu soll seine Heckrinder- und Konikherden bis Ende September auflösen. Die Anordnung des Landkreises würde den Abschuss fast aller Tiere bedeuten. Das will Nabu nicht mitmachen.

Landkreis Leer - Die Uhr tickt. Bis Ende September hat der Nabu noch Zeit, die Heckrinder- und Konikherden in Coldam und Nüttermoor aufzulösen – sollte der Landkreis Leer tatsächlich darauf bestehen, dass seine Forderung umgesetzt wird. Der Nabu hat die Möglichkeit genutzt, eine Stellungnahme zu der angekündigten Anordnung zu verfassen. Er will Zeit gewinnen, zum Wohl der Tiere.

Was und warum

Darum geht es: Der Streit um das Beweidungsprojekt des Nabu geht in die nächste Runde.

Vor allem interessant für: Tierfreunde und alle, die den Konflikt um die Beweidungsprojekte des Nabu im Landkreis Leer verfolgen

Deshalb berichten wir: Der Nabu wird sich gerichtlich gegen die Forderung des Landkreises Leer wehren, alle Herden bis Ende September aufzulösen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

„Die Stellungnahme des Nabu ist in der Nacht zu Freitag eingegangen“, teilte Landkreissprecher Jens Gerdes auf Nachfrage mit. Die Landschaftspflege und Naturerlebnis GmbH (LUNO) – ein Tochterunternehmen des Nabu – spricht sich in der Anhörung gegen die Anordnung aus. Sollte der Landkreis bei dem harten Kurs bleiben, will sie gerichtlich dagegen vorgehen.

Was fordert der Nabu?

„Die Anordnung ist nicht im Sinne des Tierwohls umsetzbar, da sie auch den Abschuss trächtiger Tiere bedeuten würde“, nennt Nabu-Sprecherin Gina Briehl den Hintergrund. Der Nabu-Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann hatte in einer Pressekonferenz angekündigt, dass mit ihm ein solches „Massaker unter den Tieren“ nicht zu machen sei. „Das muss der Landkreis dann selber tun. Dann kriegt der die Bilder in der Presse.“ Den Abbau der Herden hat der Nabu Niedersachsen als Gesellschafter der LUNO zwar auch selbst beschlossen. „Dies soll jedoch tierschutzgerecht erfolgen“, betont Nabu-Sprecherin Briehl. Dafür würden aber zwei bis drei Jahre benötigt.

Friedlich grasen die Heckrinder auf der Weide am Thedingaer Vorwerk. Foto: Gettkowski
Friedlich grasen die Heckrinder auf der Weide am Thedingaer Vorwerk. Foto: Gettkowski

Der Nabu Niedersachsen hat bereits gegen fünf weitere Anordnungen des Landkreises Klage eingereicht. Der Nabu kritisiert, „dass die Forderungen zahlreiche nicht erfüllbare Maßnahmen enthalten, sich in Teilen widersprechen“. Als Beispiel führt die Nabu-Sprecherin die Anordnung des Veterinäramts an, nach der alle sechs bis acht Wochen eine Hufpflege bei den Koniks durchgeführt werden soll. „Eine regelmäßige Hufpflege ist bei Robust-Rassen wie den Koniks, die ganzjährig auf der Weide stehen, jedoch nicht notwendig und auch nicht angezeigt“, macht Briehl deutlich. Die Tiere müssten dafür jedes Mal in Vollnarkose gelegt werden. „Das ist mit dem Tierwohl nicht vereinbar.“

Was hat der Nabu schon umgesetzt?

Der Nabu hat inzwischen damit begonnen, die Größen der Heckrinder-Herden durch die Schlachtung der Bullen zu reduzieren. Die Tiere wurden durch Kugelschuss direkt auf der Weide getötet und anschließend direkt vor Ort geschlachtet. „Dies ist die tierfreundlichste Art der Schlachtung, da die Rinder keinem langen und stressigen Transport zum Schlachthof ausgesetzt werden“, so die Nabu-Sprecherin, „es ist uns sehr wichtig, dass der Tod eines Tieres auch einen Nutzen hat, weswegen dieses wertvolle Fleisch dem menschlichen Verzehr zugeführt wurde“.

„Auf den Weiden befinden sich aktuell noch zwei Bullen plus weitere männliche Jungtiere“, berichtet die Nabu-Sprecherin. Drei Bullen im Thedingaer Vorwerk und zwei Bullen in Coldam seien bereits im Rahmen der erteilten Schlachtgenehmigung tierschutzgerecht durch Weideschüsse getötet. Die Schlachtung der beiden verbliebenen Bullen ist in den nächsten Wochen geplant. Das Veterinäramt hatte laut Nabu zunächst nur eine Schlachtgenehmigung von Tieren für den Monat Juli erteilt. Diese sei mittlerweile bis Ende September verlängert worden.

Von einem Aussichtsturm aus kann man die Heckrinder und Koniks auf der Weide in Nüttermoor beobachten – am besten geht das mit einem Fernglas. Foto: Gettkowski
Von einem Aussichtsturm aus kann man die Heckrinder und Koniks auf der Weide in Nüttermoor beobachten – am besten geht das mit einem Fernglas. Foto: Gettkowski

Ob die Bedenken des Nabu beim Landkreis Leer Gehör finden oder ob er auf die Auflösung der Herden bis zum 30. September beharrt, ist offen. Der Landkreis hatte im vergangenen Monat ernste Zweifel geäußert, „dass der Nabu eine dauerhaft verlässliche und tierschutzgerechte Versorgung und Betreuung der Tiere gewährleisten kann“. Die Kritikpunkte: Das Krisenmanagement habe nicht funktioniert, Absprachen seien nicht eingehalten und Fristen versäumt worden. Das letzte Wort ist aber nicht gefallen. „Die Stellungnahme des Nabu umfasst über 40 Seiten, die nunmehr von uns geprüft und bewertet werden müssen. Insofern können wir Näheres noch nicht sagen“, teilte Landkreissprecher Jens Gerdes mit.

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