Germania siegt im Bezirkspokal Leer siegt mit sechs Moldawiern in der Startelf 6:1 in Larrelt
Eine starke Vorstellung lieferte das Team von Erhan Colak in der Erstrundenpartie. Kurz vor dem Spiel wurden drei weitere moldawische Spieler verpflichtet. Der Klub erklärt die Hintergründe.
Larrelt/Leer - Fußball-Bezirksligist Sportfreunde Larrelt hatte sich für diese Saison die Verbesserung der Defensivarbeit auf die Fahnen geschrieben. „Das war gegen Leer leider ein Rückschritt“, sagte Co-Trainer Patrick Bygus nach der 1:6-Niederlage im Bezirkspokal gegen Germania Leer am Dienstagabend und einer eigentlich guten Vorbereitung. Er war angesichts der eigenen Darbietung enttäuscht – und beim Blick auf den Gegner auch überrascht. „Das Ergebnis spricht Bände. Wir haben auch gegen einen sehr starken Gegner verloren, der echt gute Kicker in seinen Reihen hatte.“
Die Aufstellung des Ligakonkurrenten aus Leer war eine Überraschung. Mit Torwart Lucian Cebotari (25 Jahre), Alexandru Graur (21), Ion Danilov (21), Piotr Gherman (21), Alizade Charmanov (20) und Danila Ichim (20) standen gleich sechs Moldawier in der Germania-Startelf. Alexandru Graur trug in Abwesenheit von Spielführer Nick Kaßmann (Urlaub) sogar die Kapitänsbinde. Er ist der einzige aus dem Sextett, der auch schon in der vergangenen Saison in der Region Fußball gespielt hatte. Er wechselte im Sommer von der SG Collinghorst/Rajen nach Leer. Die B-Klasse war für den Arbeiter der Meyer-Werft viel zu niedrig angesichts seiner Klasse. „Er ist richtig stark“ , lobt Germanias Sportlicher Leiter Harry Janssen.
Sextett arbeitet in der Region
Verteidiger Danilov und Offensivspieler Gherman wurden von Germania bereits vor einigen Tagen als Neuzugänge präsentiert. Cebotari, Charmanov und Ichim agierten zuletzt als Testspieler gegen Werders Traditionself (6:0) und trainieren schon seit einer Weile mit. „Nun hat es auch mit der offiziellen Spielberechtigung geklappt. Wir sind froh über die Jungs, die uns fußballerisch sehr weiterbringen und sich bisher auch toll integriert haben“, lobt Harry Janssen. Nach dem Bremen-Spiel am Samstag wurde zusammen mit einem Teil des Germania-Teams noch bis tief in die Nacht gefeiert.
„Wir müssen für die Jungs nicht tief ins Portemonnaie greifen, die Hintergründe der Verpflichtung sind völlig andere“, erklärt Janssen. Die Spieler sind allesamt nicht wegen des Fußballspielens nach Ostfriesland gekommen. Sie arbeiten wie viele weitere Moldawier für eine Zeitarbeitsnehmer-Firma aus Westoverledingen, von denen viele Arbeiter für die Meyer-Werft aktiv sind. Der Firmengründer wiederum ist ein ehemaliger Fußballer aus Ostfriesland. So spielten vergangene Saison schon sechs Moldawier für die SG Collinghorst/Rajen beim B-Klassen-Meister, jetzt sind es noch vier.
Germania fühlt sich verantwortlich
Durch den Wechsel von Alexandru Graur zu Germania entstand auch der Kontakt zu den weiteren fünf Moldawiern, die vor wenigen Wochen nach Westoverledingen kamen (dort leben sie auch) und bei Germania im Training vorspielten. „Sie haben uns überzeugt. Das sind junge und gut ausgebildete Spieler, die auch eine tolle Einstellung an den Tag legen“, sagt Germania-Trainer Erhan Colak. Angesichts eines schmalen Kaders und zwei Langzeitverletzten war das Sextett ein Segen für die Leeraner, die laut Janssen diese Saison zehn Kaderspiele mit Ausbildung beim JFV Leer aufbieten könnten.
Colak sieht die Verpflichtung als Win-win-Situation für beide Seiten. „Wir bekommen gute Fußballer und die Jungs werden von uns auch abseits ihrer Arbeit integriert. Das ist uns auch ganz wichtig. Das sind junge Menschen, die aus einem anderen Land in ein fremdes Land kommen – da müssen wir ihnen dann auch helfen, wenn sie bei uns Fußballspielen.“ So hilft Germania unter anderem beim Lernen der deutschen Sprache.
Gute Ausbildung in Moldawien
Die Sprache des Fußballs sprechen die sechs jungen Akteure schon gut. Viele von ihnen wurden gut ausgebildet, einige spielten in dem 2,6 Millionen Einwohner-Land nach Angaben des Klubs auch in Jugendnationalmannschaften. Die beiden 20-jährigen Alizade Charmanov und Danila Ichim spielten in der U19 zum Beispiel bei Sheriff Tiraspol. Weil der moldawische Klub sich 2021 sensationell für die Champions League qualifiziert hatte, durfte die A-Jugend (U19) mit den beiden Neu-Germanen in der Youth Champions League starten und gegen Madrid und Inter Mailand spielen.
Erhan Colak lobt die Spieler, bremst aber auch etwas. „Sie sind noch jung. Und manche von ihnen haben zuletzt auch nicht mehr im Verein gespielt, haben sich beruflich orientiert. Aber man sieht das Potenzial, das sie haben“, sagt der Coach. Das bekam auch Larrelt im Bezirkspokal zu spüren. Germania dominierte die Partie weitestgehend, führte zur Pause 3:1 und siegte am Ende 6:1. Vier Germania-Treffer gingen auf das Konto der moldawischen Neuzugänge, zwei Treffer schossen JFV-Eigengewächse.
Tore: 0:1 Gherman (9.), 0:2 Charmanov (19.), 0:3 Eden (23.), 1:3 Eigentor Ichim (44.), 1:4 Gherman (54.), 1:5 Janssen (64.), 1:6 Gherman (81.)