Beliebter Treff ist geschlossen  Gastro-Angebot in Moormerland schrumpft weiter

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 02.08.2023 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Aus Altersgründen haben Renate und Joachim Bakker den Bikertreff in Oldersum aufgegeben und suchen einen Käufer. Foto: Ortgies
Aus Altersgründen haben Renate und Joachim Bakker den Bikertreff in Oldersum aufgegeben und suchen einen Käufer. Foto: Ortgies
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Den Bikertreff in Oldersum gibt es nicht mehr, ein Partyservice ist weggezogen. Beides hat nicht mit der Inflation oder der Nachfrage zu tun – im Gegenteil.

Moormerland - Schönes Wetter an einem Sommertag – das bedeutete stets Hochbetrieb im Bikertreff in Oldersum. Bei Renate und Joachim Bakker trafen sich nicht nur Motorradfahrer, auch Radfahrer kehrten gerne in dem Lokal unweit des Bahnübergangs ein. Jetzt stehen sie allerdings vor verschlossener Tür. „Wir haben den Bikertreff geschlossen“, bestätigt Renate Bakker.

Was und warum

Darum geht es: Das gastronomische Angebot in Moormerland ist schon wieder kleiner geworden.

Vor allem interessant für: Menschen, die in Moormerland etwas essen oder trinken gehen wollen

Deshalb berichten wir: Die Gemeinde Moormerland ist sehr groß und einwohnerstark – trotzdem gibt es nur wenige Gaststätten und Restaurants.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Aus einem einfachen Grund: Ihr Mann sei 69 Jahre, sie selbst 64. Das Paar fühlt sich reif für den Ruhestand, nach schönen zehn Jahren als Gastwirte in dem Treff. Sie habe das mit Freude gemacht, nette Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Aber während der ganzen Zeit habe das Paar im Sommer nie ein Wochenende frei gehabt. Mit mangelnder Nachfrage oder Corona habe die Schließung nichts zu tun, sagt Renate Bakker. Im Gegenteil: „Es lief mitunter zu gut.“

An schönen Wochenenden 500 Gäste

An einem Sonnabend oder Sonntag mit schönem Wetter seien um die 500 Gäste im Bikertreff gewesen. In ihrem Alter werde es zu anstrengend, aber sonst sei es eine schöne Arbeit gewesen. „Es waren durch die Bank angenehme Kunden“, sagt Renate Bakker. Mit viel Eigenarbeit hätten sie und ihr Mann die Preise klein gehalten, das sei natürlich gut angekommen bei Leuten, die auf einem Ausflug einen Zwischenstopp machen wollten. Sie habe alle Kuchen und Torten selbst gebacken.

Das Lokal und das dazugehörende Haus in Oldersum stehen nun zum Verkauf. Es seien schon Interessenten da gewesen, aber noch habe sich kein Käufer gefunden. Renate Bakker sieht weiterhin gute Chancen für den Betrieb eines Lokals dort, auch sei im Haus alles in Ordnung, die Heizung erst drei Jahre alt. „Zum Beispiel als Eiscafé wäre es eine schöne Sache“, findet sie. Wenn sich ein Ehepaar finde, das mit Herzblut dabei sei, hätte das Lokal auf jeden Fall eine Zukunft.

Grillservice ist aus Moormerland weggezogen

In Boekzetelerfehn hat sich ebenfalls ein Betrieb verabschiedet: Rafael Nunes hatte dort den Brasilianischen Grillservice betrieben. „Wir sind umgezogen“, bestätigt er. Er betreibe den Partyservice mit den Spezialitäten aus seiner Heimat zwar am neuen Wohnort weiter, aber Aufträge im Landkreis Leer nehme er nur noch für eine größere Gästezahl an, damit sich die weitere Anreise für ihn lohne. Buchungen, die er vor dem Umzug bereits abgeschlossen habe, erledige er noch.

Kommt nach seinem Umzug nicht mehr oft in den Landkreis Leer: Der brasilianische Grillservice von Rafael Nunes. Foto: privat
Kommt nach seinem Umzug nicht mehr oft in den Landkreis Leer: Der brasilianische Grillservice von Rafael Nunes. Foto: privat

Immerhin hat vor einigen Wochen das Lokal Dolomiti in Warsingsfehn wieder aufgemacht. Dort gibt es nun täglich außer montags Eis aus eigener Herstellung – aber keine Pizza und Pasta mehr. Somit muss jemand, der im Zentrum Moormerlands essen gehen möchte, das Angebot mehrerer Imbisslokale in Anspruch nehmen, oder nach Neermoor (Restaurants Zu den Linden und Landgasthof Oltmanns), Rorichum (Bei Cassi) oder Jheringsfehn (Alte Scheune) ausweichen.

Schwierige Lage in der Gastronomie

Viele Lokale haben in den vergangenen Jahren geschlossen oder sind weggezogen, ohne dass neue dazu kamen. Dabei ist Moormerland die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Leer und hat rund 25.000 Einwohner. Offenbar scheuen potenzielle Gastgeber das Risiko. Derzeit macht vielen Restaurants, Cafés oder Gaststätten die Inflation zu schaffen. Auch Renate Bakker vom Bikertreff sagt, dass die Preissteigerungen die Entscheidung, das Lokal aufzugeben, erleichtert hätten. Dagegen habe die Pandemie nichts damit zu tun gehabt: Weil sich die Gäste überwiegend im Freien aufhalten, sei der Betrieb geöffnet gewesen und gut gelaufen.

Karsten Stockhecker hat das Restaurant Thiet's in Ditzum aufgegeben und will nun Kneipenwirt werden. Foto: Ortgies
Karsten Stockhecker hat das Restaurant Thiet's in Ditzum aufgegeben und will nun Kneipenwirt werden. Foto: Ortgies

Auch in anderen Gemeinden wurden Lokale geschlossen. So hat sich Thiets Restaurant aus Ditzum verabschiedet. Dessen Wirt will nun die Kultkneipe Fliegender Holländer neu beleben. Der Gasthof Zur Leda in Leer ist ebenfalls seit einiger Zeit geschlossen. Neugründungen sind eher selten – eine Ausnahme bildet das Restaurant Milano in Holtland. Die Pizzeria hat die Räume im Hotel Preyt übernommen, in denen früher ein mongolisches Restaurant die Gäste vom Buffet bewirtet hat.

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