Osnabrück Adieu Larry! Wie Elon Musk das blaue Twitter-Vögelchen abschoss
Was ist bloß bei Twitter los? Elon Musk strukturiert das Unternehmen mit der Axt um. Das ist nicht nur für Nutzer ein Problem.
Ein Hinweis vorab: Meine Kollegin Marion Trimborn ist gerade im Urlaub. Ich vertrete sie heute an dieser Stelle.
Armes blaues Vögelchen! In der vergangenen Woche wich das ikonische Twitter-Symbol einem unpersönlichen X. Larry, so heißt der gefiederte Markenbotschafter, wird nun sukzessive aus dem Unternehmen entfernt. Wäre Twitter ein Animationsfilm, Elon Musk wäre die Rolle des Superschurken sicher. An Larrys Stelle prangt online nun das X wie ein Grabmal. “So sad”, könnte man Donald Trump im Hintergrund raunen hören. Das Symbol erinnert weniger an disneyhafte Unbeschwertheit, an trillernde Cinderella-Vögel, als an den brutalen Überlebenskampf in der Matrix.
Aber es geht nicht nur um Larry. Wenige Technologien schaffen es, so relevant zu werden, dass sie weltweit Teil der Alltagssprache sind. Twittern ist so ein Beispiel. Sollen Nutzer künftig X-en? Bislang war damit das Löschen in der digitalen Welt gemeint. Tweets sollen nach dem Willen des Chefs künftig offenbar „Xe” heißen. Auf diese Weise vernichtet der Milliardär, so glauben Beobachter, nicht nur die Twitter-Kultur, sondern auch massiv Unternehmenswerte. Die Führungskultur mit der Axt tut ihr übriges. Kündigungen, Umstrukturierungen, unklare Ziele: Bei Twitter ist derzeit nichts sicher.
Die Veränderungen beunruhigen jedoch nicht nur aus sentimentalen Gründen. Twitter, beziehungsweise „X”, hat große politische Relevanz. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommentiert darüber den russischen Krieg gegen sein Land. CSU-Chef Markus Söder kritisierte soeben die AfD. Und Moderator Jan Böhmermann hat mal wieder einen politischen Eklat per Tweet ausgelöst. Nicht umsonst werden Tweets mittlerweile regelmäßig in Nachrichten zitiert. Auf der Plattform kann man relativ sicher sein, dass Zitate echt sind.
Nun will Musk offenbar mit „X” eine allumfassende App schaffen. Chatten, Telefonieren, Bezahlen – das X soll offenbar noch mehr Arme ausbilden und wie eine Krake das gesamte Online-Leben seiner Nutzer infiltrieren.
Interessant: Musk schlägt nicht nur die Empörung der Twitter-Community entgegen, er scheitert gerade an vielen Fronten. Das ihm so wichtige „X” ist offenbar markenrechtlich bereits von anderen vereinnahmt. Das neue Logo an der Firmenzentrale verletzt möglicherweise bauliche Vorschriften. Und in Indonesien wurde die Domain x.com kurzerhand gesperrt. Der Buchstabe wird mit Pornografie und Glücksspiel in Verbindung gebracht.
Im Animationsfilm würde Larry wahrscheinlich mit vielen blauen Freunden zurückkommen und über den Bösewicht triumphieren. In der Realität weichen Freiheit und Leichtigkeit, die das blaue Vögelchen Larry verkörperte, knallhartem Kapitalismus.