Berlin Immer radikaler: Die AfD ist keine Protestpartei mehr!
Die Partei macht einen Mann zum Spitzenkandidaten für die Europawahl, der enge Verbindungen zu russischen Hardlinern führt, Verständnis für die Taliban hat und als Anwalt Leute vertritt, die einen Migranten an einen Baum gefesselt haben. Absurd? Nicht in der AfD.
In schwierigen Zeiten sehnen sich viele Menschen nach Sicherheit, nach einfachen Antworten auf die komplexen, globalen Krisen. Und die AfD tut so, als seien die Lösungen so einfach. Weniger Migration, weniger Klimaschutz, Abwendung von den USA, raus aus der EU.
Die AfD als Protestpartei abzutun, ist eine Verharmlosung. Ihre Wähler wollen diese Politik. In der Politikwissenschaft gilt sie in großen Teilen als rechtsextrem. Die für AfD-Verhältnisse Moderaten haben entweder die Partei verlassen oder stark an Einfluss verloren. Im parteiinternen Machtkampf hat sich das extreme Lager durchgesetzt.
Sinnbildlich für die Radikalisierung: Die Wahl von Maximilian Krah zum Spitzenkandidaten für die Europawahl 2024 auf dem Parteitag in Magdeburg. Der Sachse, der vom mächtigen Björn Höcke unterstützt wird, sitzt im Bundesvorstand und im Europaparlament. Von der dortigen Fraktion „Identität und Demokratie“ wurde er bereits zweimal suspendiert – unter anderem wegen Betrugsvorwürfen.
Als Anwalt vertrat Krah jene Männer, die einen Migranten in Arnsdorf an einen Baum gefesselt hatten. Sein Buch „Politik von rechts. Ein Manifest“ ist im Antaios Verlag des rechtsextremen Vordenkers Götz Kubitschek erschienen. Auch pflegt er enge Verbindungen zu russischen Hardlinern, die mit dem Ukraine-Krieg sanktioniert wurden und fiel mit verständnisvollen Aussagen über die Taliban auf. Absurd? Nicht in der AfD.
Statt sich an Debatten übers Gendern aufzuhängen, statt einander die Schuld für den Erfolg der AfD zuzuweisen, sollten die anderen Parteien alles daran setzen, die wirtschaftlichen Ängste in der Bevölkerung zu adressieren und das Vermögen fairer aufzuteilen. So ließe sich der Zuwachs für die AfD zumindest eindämmen.