Haus vor dem Urlaub richtig sichern  Gab es in der letzten Zeit mehr Einbrüche im Oberledingerland?

| | 28.07.2023 19:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Je stabiler Türen und Fester, desto häufiger bleibt es beim Einbruchsversuch. Symbolfoto: Marks/dpa
Je stabiler Türen und Fester, desto häufiger bleibt es beim Einbruchsversuch. Symbolfoto: Marks/dpa
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Kürzlich gab es eine Einbruchsserie in Rhauderfehn. Das kann vor allem vor dem anstehenden Urlaub Sorgen bereiten. Eine Polizistin erklärt, wie man sich schützen kann und, ob solche Taten mehr werden.

Oberledingerland/Rhauderfehn - Immer wieder schocken Berichte über Einbrüche die Menschen im Oberledingerland. Gefühlt nimmt die Anzahl der Straftaten in den letzten Monaten zu. Erst Ende Mai trieb ein 20-Jähriger in Rhauderfehn sein Unwesen. Er wird verdächtigt, für mehr als 20 Einbrüche und Einbruchsversuche verantwortlich zu sein. Die Ermittlungen dauern an. Doch ist es tatsächlich so, dass die Anzahl der Einbrüche steigt? Vor allem, da im Moment die Sommerferien sind, und viele Häuser leer stehen, weil die Bewohner verreist sind?

Wann wird am häufigsten eingebrochen?

Zu welcher Tageszeit oder im welchem Monat Einbrecher am liebsten zuschlagen, lässt sich laut Svenia Temmen, der Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, nicht genau sagen. „Für die Einbrecher ist es verlockend, wenn ein Haus oder Gebäude unbewohnt oder leer wirkt und damit die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, am geringsten ist. Egal, ob es Tag oder Nacht ist“, sagt die Polizeisprecherin.

Gab es in den letzten Jahren mehr Einbrüche im Oberledingerland?

Tatsächlich nicht: Der Trend der Wohnungseinbrüche ist in den letzten Jahren im Oberledingerland eher rückläufig. 2017 gab es 36 Wohnungseinbrüche, 2018 kam es zu 30 Taten. Das Jahr 2019 ist mit 48 Einbrüchen Spitzenreiter. Mit 27 Einbrüchen in Wohnungen nahm die Zahl der Taten 2020 wieder ab. Nur 14 Wohnungseinbrüche gab es 2021, 2022 waren es 20 Taten, so Temmen. „Die aktuelle Einbruchsserie der Einzelperson schiebt die Tendenz für 2023 natürlich nach oben, und die vermehrten Taten verbreiten auch ein Unsicherheitsgefühl in der Gesellschaft“, sagt Temmen. Diebesbanden, die Einbrüche begehen, gebe es aktuell nicht im Oberledingerland. Aktuelle Zahlen für das erste Halbjahr 2023 konnte Temmen noch nicht nennen. Aber im gesamten Landkreis Leer sei das Einbruchsniveau niedrig, so die Pressesprecherin.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote?

Meistens gehen Wohnungseinbrüche mit sehr intensiven Ermittlungen der Polizei einher. Das läge daran, dass die Täter während der Tat oft unerkannt bleiben konnten. „Zeugen müssen befragt werden, Spuren gesichert, ausgewertet und mit anderen Einbruchsspuren verglichen werden. Ohne Spuren oder Hinweise auf den Täter ist es meistens schwierig,die Person zu fassen“, so Temmen. 2019 lag die Aufklärungsrate der Wohnungseinbrüche bei 50 Prozent, 2022 waren es nur noch 40 Prozent. Zum Vergleich: Die Aufklärungsquote bei Körperverletzungen lag 2022 bei 99,12 Prozent, weil die Täter meist nicht anonym agieren konnten. „Wenn dir jemand ins Gesicht schlägt, stehst du ihm direkt gegenüber und siehst die Person. Wenn jemand in dein Haus einbricht, bist du in der Regel nicht vor Ort“, so Temmen. Trotzdem sei man mit einer Aufklärungsquote von 40 Prozent in einem guten Bereich unterwegs. Wenn eine Gruppe oder eine Einzelperson mehrere Wohnungseinbrüche begangen habe und dafür festgenommen werde, steige die Aufklärungsquote natürlich auch dementsprechend steil an.

Einbrecher bevorzugen keine spezielle Tageszeit. Hauptsache das Haus wirkt leer. Symbolfoto: Pixabay
Einbrecher bevorzugen keine spezielle Tageszeit. Hauptsache das Haus wirkt leer. Symbolfoto: Pixabay

Wo wird am meisten eingebrochen und was wird gestohlen?

Leere Wohnhäuser sind für Täter meistens interessanter als Firmengebäude. Das liege daran, dass Firmen mit einer hohen Sicherheitstechnik ausgestattet seien und es sich meistens eher um Beschaffungskriminalität bei Einbrüchen handele. „Nur Bares ist Wahres. Die Täter suchen Geld oder Dinge, die sich leicht zu Geld machen lassen. Tatsächlich sind elektronische Geräte bei Dieben weniger gefragt. Meistens ist die Elektronik durch den Besitzer geschützt, und für gebrauchte Geräte bekommt man auch nicht so viel Geld“, so Temmen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Einbrecher begegne?

„Die Polizei zu rufen, ist das Allererste, was man machen sollte. Dann kann nämlich sofort die Fahndung aufgenommen werden und der Ermittlungserfolg ist meist größer“, sagt Temmen. Wichtig sei außerdem, dass man den Eindringling nicht direkt konfrontiere, da man nie wissen könne, wie die Person reagiere. „Einige ergreifen die Flucht und andere werden aggressiv und greifen an“, warnt die Polizistin. Man kann durch laute Geräusche oder Rufen mitteilen, dass das Haus nicht leer sei. Aber am besten sollte man sich in einem Raum einschließen und warten, bis die Polizei kommt.

Wie kann ich mein Haus am besten schützen?

Das A und O ist laut der Pressesprecherin die mechanische Technik am Haus. „Fenster und Türen müssen dicht und gut verschlossen sein. Es reicht nicht, sie nur zuzuziehen. Wenn sie sehr alt oder beschädigt sind, kann man sie noch mit einem zusätzlichen Schloss sichern“, so Temmen. Dadurch steige die Chance, dass es nur bei einem Einbruchsversuch bleibe, enorm. Denn: Ein Standardeinbruch dauere in der Regel nur drei Minuten, sonst werde es für den Einbrecher brenzlig, und er laufe Gefahr, entdeckt zu werden. „Bei besonderes abgelegenen Häusern kann ein Einbrecher aber auch mehr Zeit investieren, wenn er sich sicher fühlt. Doch wenn er sich zehn bis 15 Minuten ohne Erfolg ausgetobt hat, werden die Arme schon müde. Da ist die Chance, dass der Einbrecher aufgibt, sehr hoch“, sagt Temmen. Auch Fenster würfen immer seltener eingeworfen. Das läge daran, dass das splitternde Glas viel Krach mache und auch die Verletzungsgefahr und damit das Hinterlassen von DNA-Spuren hoch ist. Auch eine Dreifach-Verglasung mache es den Tätern schwerer.

Wie schütze ich mein Haus, wenn ich in den Urlaub fahre?

Svenia Temmen gibt Verhaltenstipps: „Man sollte nicht überall rumerzählen, dass man bald verreist ist und auch nicht unbedingt Fotos in den sozialen Medien posten. Sonst weiß bald jeder, dass man für längere Zeit nicht zu Hause ist. Man sollte auch darauf verzichten, die Fensterläden komplett zu schließen, da es ebenfalls zeigt, dass das Haus leer ist.“ Auch könnte man seine Nachbarn bitten, ab und an die Jalousien alle paar Tage zu verstellen und Zeitung sowie Post aus dem Briefkasten zu holen. „Bewegung am Haus schreckt ab“, sagt Temmen. Ebenfalls könne die Wohnung mit einer Zeitschaltuhr ab und an beleuchtet werden.

Wie hoch ist das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden?

Die Häufigkeitszahl – also Straftaten pro 100.000 Einwohner – ist in Niedersachen mit 6528 Verbrechen sehr gering. Nur Thüringen hat mit 6445 weniger. Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer ist mit 14.135 Straftaten Berlin. „Wir stehen in Niedersachsen nicht schlecht da. Das liegt daran, dass es hier weniger Ballungszentren gibt. Im Landkreis Leer ist die Quote sogar noch unter dem Niedersachsen-Wert mit nur 5505 Straftaten pro 100.000 Einwohnern“, sagt die Pressesprecherin.

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