Berlin Merz-Ausrutscher: So reagieren seine möglichen Kanzler-Konkurrenten
Die Aussage zur AfD von CDU-Chef Friedrich Merz im Sommerinterview sorgt weiter für Gesprächsstoff. Wie reagieren seine Rivalen? Wer ihn unterstützt und wer sich abwendet.
Für den Kurs von Friedrich Merz, die CDU wolle eine „Alternative für Deutschland mit Substanz“ sein, gibt es Kritik aus eigenen Reihen. Nach seiner unglücklichen Aussage im ZDF-Sommerinterview verstärkt sich die Kritik. Tobias Hans, Ex-Ministerpräsident des Saarlands, spricht dem Parteichef öffentlich die Kanzler-Eignung ab. Welcher parteiinterne Rivale hält zum Parteichef, wer wendet sich ab? Ein Überblick.
Schon ein Auftritt von Merz bei der Klausur der CSU-Landesgruppe im Kloster Andechs hatte in den eigenen Reihen für Kopfschütteln gesorgt – auch da ging es um die AfD. Merz nannte die Union die „Alternative für Deutschland mit Substanz“. Im Sommerinterview des ZDF sprach sich Merz dafür aus, mit Kommunalpolitikern der AfD „pragmatisch“ umzugehen. Viele – auch CDU-Kollegen und die AfD-Spitze – interpretierten das als Bröckeln der selbsterklärten Brandmauer gegen Rechts. Merz selbst korrigierte sich später und schloss eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD auf allen politischen Ebenen aus, wie es die Partei zuvor mehrfach bekräftigt hatte.
Lesen Sie hier Merz‘ Wortlaut aus dem Sommerinterview: „Pragmatisch“ mit der AfD umgehen
Tage nach der Ausstrahlung des Interviews am Sonntag reißt die Kritik nicht ab. Ex-Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans, bezweifelt die Eignung von Merz als Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2025. So scharf wie der Chef der Saar-CDU haben sich größten Merz-Konkurrenten bisher nicht geäußert.
CSU-Chef Markus Söder, der 2021 Kanzlerambitionen hatte, aber dem damaligen CDU-Chef Armin Laschet unterlag, distanzierte sich direkt am Morgen nach dem „Sommerinterview“. Für seine Partei gelte eine klare Abgrenzung auf allen demokratischen Ebenen von der AfD.
Nach Informationen des BR erweiterte Söder seine Kritik vor Journalisten. Er bezeichnete die Merz-Aussagen als „Fehler“ und „nicht glücklich“. Die Aussage schade enorm.
In Bayern wird am 8. Oktober gewählt. Die CSU liegt in Umfragen klar vorne mit 40 Prozent, gefolgt von den Grünen (15 Prozent) und der AfD (13 Prozent). Ein gutes Wahlergebnis könnte Söder bei der nächsten Kanzlerfrage nützen.
Er gilt als Merz größter parteiinterner Konkurrent: Der CDU-Ministerpräsident von NRW schweigt bisher zur Merz-Debatte. Hendrik Wüst retweetete kommentarlos die Klarstellung von Merz auf Twitter. Anfragen zu einer Stellungnahme schlug er aus, er sei im Urlaub. Sein Generalsekretär Paul Ziemiak teilte mit: „Als CDU NRW lehnen wir jedwede Zusammenarbeit mit der AfD ab – das gilt auch auf kommunaler Ebene.“
Vor allem Wüsts lautes Schweigen könnte Merz zu denken geben. Erst Mitte Juni hatte Wüst vor einem Kleinen CDU-Parteitag mit Interviews Spekulationen über eigene Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur genährt – sehr zum Ärger von Merz. Dass der 48-Jährige nun die aktuellen Schwierigkeiten des Vorsitzenden nutzen könnte, um einen neuen Vorstoß in dieser Frage zu machen, halten sie in der CDU aber für unwahrscheinlich. Wüst könne in Ruhe abwarten. Scheitere Merz, laufe es ohnehin für ihn auf die Kanzlerkandidatur hinaus, meinen viele in der Partei. Als Chef des mitgliederstärksten Landesverbands gilt Wüst für nahezu jedes wichtige Amt als geeignet.
Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther wollte am Tag nach dem Interview – sein 50. Geburtstag – keinen öffentlichen Kommentar abgeben. Stattdessen verschickte sein Generalsekretär Lukas Kilian zwei dürre Sätze: „Ich bin dankbar für die Klarstellung von Friedrich Merz. Es bleibt beim einzigen richtigen Weg: Für uns kommt keine Form der Zusammenarbeit oder Kooperation mit der AfD infrage.“
Zuletzt war Günther mit Einwürfen zu Kurskorrekturen und Sprachsensibilität gegen Merz aufgefallen. Auch ihm werden Kanzler-Ambitionen unterstellt, die er regelmäßig zurückweist.
Dass Merz aktuell um seine Posten als Partei- und Fraktionschef bangen muss, glauben erfahrene CDU-ler nicht. Er und die CDU-Spitze sind bis zum Parteitag Anfang Mai 2024 gewählt – dann sind die Delegierten gefragt.
(mit Material von dpa)