Aus Sorge vor Wald- und Moorbränden Löschflugzeuge üben in Leer
Große Flächenbrände in den vergangenen Jahren waren dem Land Niedersachsen eine Lehre: Es sicherte sich die Dienste von zwei Löschflugzeugen. Was die können, war auf dem Flugplatz in Leer zu sehen.
Leer - Auf dem Flugplatz Leer/Papenburg läuft es an diesem Tag wie immer. Kleinflugzeuge starten und landen, im angrenzenden Café haben sich einige Schaulustige eingefunden, die den Betrieb bei einem Getränk oder Imbiss verfolgen. Im Sandkasten tollen die Kleinen.
Was und warum
Darum geht es: Das Land Niedersachsen hat sich den Dienst von zwei Löschflugzeugen gesichert. Wenn sie im Norden Niedersachsens unterwegs sind, starten sie von Leer aus.
Vor allem interessant für: Technik- und Flugzeugfreunde, alle, die Angst vor Moor- und Waldbränden in der Region haben
Deshalb berichten wir: Die Löschflugzeuge waren für eine Übung in Leer. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Nur den echten Experten fallen zwei gelb-blaue Flugzeuge auf, die bisher nicht zu den regelmäßigen Gästen auf dem Flugplatz gehören und von denen die Verantwortlichen hoffen, dass sie so bald auch nicht mehr nach Leer kommen müssen: Es handelt sich um zwei Löschflugzeuge, deren Dienste sich das Land Niedersachsen zunächst für zwei Jahre gesichert hat. Sie sind in Braunschweig stationiert. Ihre zweite Basis, eben dem Flugplatz in Nüttermoor, wird nur dann genutzt, wenn ein Einsatz im Norden Niedersachsens ansteht.
Spektakuläres Schauspiel
Der Moorbrand in Meppen vor fünf Jahren und die Waldbrände in schwer erreichbarem Gelände im Harz hätten die Landesregierung bewogen, über Löschflugzeuge nachzudenken, sagt Martin Voß, zuständiger Dezernatsleiter beim Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz. In der vergangenen Woche waren die beiden Flugzeuge für eine Übung in Leer. Die Koordination mit den Hilfskräften am Boden, das Befüllen der Flugzeuge und auch das Abwerfen des Wassers wurde trainiert – und den Schaulustigen ein spektakuläres Schauspiel geboten.
Treffpunkt für Löschflugzeuge und die Feuerwehren aus Heisfelde und Nüttermoor ist das östliche Ende der Start- und Landebahn. Dort liegt ein riesiges grünes Wasserkissen, das 50.000 Liter fasst. Die Schlauchverbindung zum Flugzeug stellt die Feuerwehr her.
Ohrenstöpsel helfen
Zum Befüllen rumpeln die Flugzeuge nach der Landung über die Wiese neben der Bahn zum Wasserkissen. Der normale Flugbetrieb geht wenige Meter nebenan weiter. Der Lärm der beiden Flugzeuge, die den Motor während des Wassertankens nicht abstellen, das Knattern der Pumpe – es hat seinen Grund, dass vor dem Termin Ohrenstöpsel an die Beobachter verteilt wurden.
Am Flugzeug wird eine Blick-Kette zwischen dem Piloten und den Feuerwehr-Leuten gebildet: Einer der Kameraden, der Koordinator, schaut zum Piloten. Der, der den Schlauch am Flugzeug angebracht hat, und der, der die Pumpe bedient, schauen zum Koordinator. Ist der Wassertank des Flugzeugs voll, macht der Pilot eine Handbewegung, die in anderem Zusammenhang auch „Kopf ab“ bedeuten könnte: Er wedelt mit der flachen Hand vor dem Hals hin und her. Der Koordinator gibt die Info an seine Mitstreiter weiter. Das Befüllen dauert kaum vier Minuten.
Wasserabwurf unter Sirenengeheul
Die Pumpe wird abgestellt, der Schlauch abgedockt. Der Flieger rollt zur Startbahn und hebt wieder ab – und zieht eine lange Wasserschleppe hinter sich her. Ist der Tank undicht? „Nein“, beruhigt Voß. „Das ist nur das Wasser aus dem Überlauf.“ An das Flugzeug dürfen nur eigens dafür geschulte Feuerwehrleute.
Dass tatsächlich noch jede Menge Wasser im Tank ist, zeigt sich, als das Flugzeug seine Schleife vollendet hat und unter Sirenengeheul aus etwa zehn Metern Höhe seine Last abwirft. Eine gewaltige Wasser-Wolke treibt zu Boden, der Sprühnebel erreicht auch noch die, die aus gehöriger Entfernung zuschauen.
Mehrere Durchgänge absolvieren die Piloten, auch das Befüllen direkt vom Löschfahrzeug aus wird trainiert. Mitten in der Übung kommt über den Feuerwehr-Funk die Nachricht, dass in Weener eine Lagerhalle brennt. Könnten da nicht die Löschflugzeuge helfen? „Auf keinen Fall“, sagt Voß. Im Stadtgebiet sei das viel zu gefährlich für die Menschen am Boden. Immerhin werden innerhalb von zwei bis drei Sekunden 3000 Liter aus geringer Höhe abgeworfen. Die Wucht würde Menschen, die davon getroffen werden, mindestens verletzen, wenn nicht töten. „Vor einem Einsatz der Löschflugzeuge versuchen wir deshalb sicherzustellen, dass in dem jeweiligen Gebiet keine Menschen mehr sind“, sagt Martin Voß. Die, die doch in der Gefahrenzone unterwegs sind, werden durch die Sirene des Fliegers gewarnt.
Piloten aus Argentinien
Am Steuer der beiden Flugzeuge sitzen übrigens mit Eduardo Carugati und Enrique Ahrtz zwei Argentinier. Das Land Niedersachsen habe die Leistung, also die Bereitstellung von zwei Löschflugzeugen, europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag habe ein spanisches Unternehmen bekommen, das wiederum auf einen argentinischen Subunternehmer zurückgreife, erklärt Voß, warum Argentinier in Norddeutschland löschen sollen. Seit Mitte Juni seien sie jetzt in Braunschweig, bis Ende Oktober würden sie noch bleiben, erzählt Carugati. Und fühlen sie sich wohl? „Ja“, sagt er. Das klingt eher höflich als begeistert. Knapp 12.000 Kilometer liegen zwischen seiner Heimatstadt Cordoba und Leer.
Zunächst für diesen Sommer und den des kommenden Jahres sind die Löschflugzeuge gebucht. Sie werden zu drei Vierteln von der EU bezahlt, die auch den ersten Zugriff hätte, wenn sie irgendwo in Europa Verwendung für sie hätte. Die EU beziffert die Kosten für die Bereitstellung in diesem Jahr mit zwei Millionen Euro, von denen sie 1,5 Millionen zahlt.
Nach zwei Sommern werde Bilanz gezogen, ob sich die Löschflugzeuge bewährt hätten, sagt Voß. Er hoffe natürlich, dass es in dieser Zeit keine großen Wald- oder Moorbrände geben werde. Andererseits könnte das dazu führen, dass das Projekt in Niedersachsen nicht weitergeführt werde.