Osnabrück  Kulturkrieg gegen die Ukraine als zynische Methode

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 23.07.2023 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Menschen gehen im Inneren der Verklärungskathedrale von Odessa, die bei einem russischen Raketenangriff schwer beschädigt wurde. Foto: dpa/AP
Menschen gehen im Inneren der Verklärungskathedrale von Odessa, die bei einem russischen Raketenangriff schwer beschädigt wurde. Foto: dpa/AP
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Russland bombardiert Museen in Odessa: Der Krieg richtet sich auch gegen die Kultur der Ukraine. Auch die UNESCO kann das nicht stoppen. Ein Menetekel für die Zukunft – auch im Westen?

Gerade aufgenommen, schon auf der Roten Liste: Die rapide Karriere Odessas als Ort des Weltkulturerbes spiegelt jene akute Bedrohung, der Kulturorte im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgesetzt sind. Der jüngste Beschuss von Museen in der Stadtmitte hat schmerzlich klargemacht, dass auch die UNESCO die Kultur der Ukraine nicht davor bewahren kann, zum Ziel militärischer Attacken zu werden.

Die UNESCO, Kulturorganisation der UNO, hatte Odessas gesamte Innenstadt erst Anfang 2023 in die Liste des Welterbes aufgenommen. Jetzt ist klar, dass auch dieses höchste Kulturprädikat im Krieg keinen Schutz bietet.

Auch darin liegt einer der vielen Zivilisationsbrüche dieses Krieges. Womöglich sind die Museen der Stadt am Schwarzen Meer sogar bewusst ins Visier genommen worden. Russland hatte, nach Einschätzung von Experten, ukrainische Anträge auf Einträge in das Weltkulturerbe seit Jahren blockiert. Russland reklamiert die Ukraine nicht nur territorial, sondern auch kulturell für sich. Ein Ausweis auf der UNESCO-Liste dagegen relativiert diese imperialistische Sicht nachhaltig.

Granaten und Raketen sollen nun nicht nur Gebäude und Menschen treffen, sondern auch das, was immateriell, aber prägend für ganze Gesellschaften ist: das kollektive Gedächtnis.

In diesem Punkt setzt der Krieg, den Russland in der Ukraine führt, eine traurige Tradition fort. Ob die Zerstörung der Brücke von Mostar im jugoslawischen Bürgerkrieg 1993, die Verwüstungen, die die Terrororganisation Islamischer Staat 2015 im syrischen Palmyra anrichtete, oder die Attacken Russlands auf ukrainische Theater und Museen – der Krieg gegen Kultur hat zynische Methode.

Westliche Experten helfen, Kulturstätten zu dokumentieren, sie zu schützen oder wiederaufzubauen – und überlegen längst, wie eigene Kulturschätze im Fall eines Falles zu schützen wären. So weit ist es schon. Was für ein stilles Alarmzeichen.

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