Kreis Leer zieht die Reißleine  Heckrinder und Konikpferde sollen spätestens im September weg

Tatjana Gettkowski Katja Mielcarek
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Von Tatjana Gettkowski und Katja Mielcarek
| 21.07.2023 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Erwachsene Heckrinder können nicht gefangen und transportiert werden. Sie müssten wohl auf der Weide getötet werden. Das Foto zeigt ein Heckrind mit Kälbchen auf der Weidefläche in Coldam. Foto: Wolters/Archiv
Erwachsene Heckrinder können nicht gefangen und transportiert werden. Sie müssten wohl auf der Weide getötet werden. Das Foto zeigt ein Heckrind mit Kälbchen auf der Weidefläche in Coldam. Foto: Wolters/Archiv
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Tote und verletzte Tiere, ein unsachgemäß angelegter Misthaufen – um die vom Nabu betreuten Weideprojekte in Nüttermoor und Coldam gab es in den letzten Wochen viel Ärger. Jetzt soll Schluss sein.

Leer - Der Landkreis Leer will in Sachen Beweidungsprojekte in Nüttermoor und Coldam die Reißleine ziehen: „Beabsichtigt ist, eine Anordnung zu erlassen, dass die Haltung von Rindern und Pferden spätestens bis zum 30. September 2023 eingestellt werden muss und die dort jetzt noch weidenden Herden bis dahin aufzulösen sind“, teilt Kreissprecher Philipp Koenen mit.

Was und warum

Darum geht es: Der Landkreis Leer beabsichtigt, die Weideprojekte des Nabu mit Heckrindern und Konikpferden noch früher zu beenden, als geplant. Der Nabu kündigt Widerstand an.

Vor allem interessant für: Tierfreunde, Nabu-Mitglieder und -Kritiker

Deshalb berichten wir: Das Schicksal der Heckrinder und Konikpferde beschäftigt unsere Leser.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Es geht um Herden von Heckrindern und Konikpferden, die der Nabu auf den von ihm gepachteten Flächen betreut und die das ganze Jahr über auf der Weide bleiben und dort weitgehend wild leben. In den vergangenen Monaten hatten sich allerdings die schlechten Nachrichten gehäuft: Im Mai hatten sich zwei Heckrindkälber im Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten. Auf der gleichen Fläche verendeten zwei Konikfohlen, die offenbar in einem Graben stecken geblieben waren. Zwei weitere Pferde gingen lahm, eines hatte einen Knochenbruch und musste eingeschläfert werden.

Unterschiedliche Einschätzungen

Das Veterinäramt des Landkreises hatte außerdem einen schlechten Ernährungszustand einiger Tiere diagnostiziert. Dem widerspricht der Nabu: Die Tiere seien „grundsätzlich in einem guten Zustand und keine Unterversorgung zu erkennen“, heißt es auf der Homepage des Nabu Niedersachsen. Deren Vorsitzender Dr. Holger Buschmann hatte außerdem betont, dass Krankheiten, Unfälle oder auch eine natürliche Sterblichkeit in den Beweidungsprojekten nie komplett ausgeschlossen werden können.

Das Weideland Thedingaer Vorwerk gehört der Stadt Leer und ist eine Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben im Stadtgebiet. Foto: Gettkowski
Das Weideland Thedingaer Vorwerk gehört der Stadt Leer und ist eine Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben im Stadtgebiet. Foto: Gettkowski

Zuletzt hatte es Ärger gegeben, weil der Mist der Tiere, der sich hauptsächlich im Bereich des Futterplatzes angesammelt und mit Heu vermischt hatte, zusammengeschoben und provisorisch abgedeckt mit Kunststofffolie unweit eines Gewässers gelagert worden war. „Die braun-schwarze Brühe sickert zum Teil in den Boden und zum Teil in eine Senke auf der Fläche und von dort aus über einen Graben ins Veenhuser Sieltief“, hatte der Friesische Verband für Naturschutz auf seiner Facebook-Seite kritisiert. Der Landkreis hatte verlangt, dass der Mist zeitnah abgefahren wird.

Nabu sieht Tierwohl durch Anordnung gefährdet

Der Landkreis hatte dem Nabu weitere Auflagen gemacht, um die Situation der Tiere zu verbessern. Außerdem hatte er Anfang Juli angekündigt, dass das Beweidungsprojekt mit den Heckrindern spätestens bis zum Winter beendet werden müsse. Was mit den Pferden geschehen solle, war damals noch offen. Was genau dazu geführt hatte, dass der Landkreis beide Projekte so schnell beenden will, ließ Kreissprecher Koenen offen: „Aufgrund der bekannt gewordenen Mängel und der gewonnenen Erkenntnisse hält der Landkreis die Fortsetzung des Beweidungsprojektes nicht für länger vertretbar“, schrieb er auf Anfrage der Redaktion. In dieser Woche seien die Verantwortlichen darüber schriftlich informiert worden. „Es handelt sich dabei um eine Anhörung. Sie haben nun die Gelegenheit, sich zur Sache zu äußern – erst danach wird eine abschließende Anordnung erfolgen“, so Koenen.

Zunächst war noch offen, ob die Konikpferde bleiben dürfen. Mittlerweile hat der Landkreis sich dagegen entschieden. Die Koniks leben das ganze Jahr über im Freien – wie hier im Hessepark. Foto: Gettkowski/Archiv
Zunächst war noch offen, ob die Konikpferde bleiben dürfen. Mittlerweile hat der Landkreis sich dagegen entschieden. Die Koniks leben das ganze Jahr über im Freien – wie hier im Hessepark. Foto: Gettkowski/Archiv

Der Nabu Niedersachsen prüfe nun weitere Schritte, teilt Pressesprecherin Gina Briehl mit. Auch wegen des Tierwohls halte der Nabu die Anordnung für zeitlich nicht umsetzbar. Näheres will der Nabu bei einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch mitteilen. Mindestens die erwachsenen Heckrinder können nicht eingefangen und an einen anderen Ort transportiert werden. Sie müssten auf der Weide getötet werden. Das gilt auch für trächtige Tiere.

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