Ideen für alle Generationen Bekommt Moormerland ein Familienzentrum?
Gleiches Anliegen, aber zwei verschiedene Anträge: Für einen Neubau oder eine Erweiterung des Jugendhauses gab es gleichermaßen Zustimmung. Das steckt dahinter.
Moormerland - Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden die Vorschläge für mehr soziale Angebote in Moormerland in zwei verschiedene Richtungen gehen. Die CDU beantragt, das Jugendhaus zu erweitern – die SPD dagegen möchte ein Familienzentrum komplett neu bauen. Beide Parteien richten dabei den Blick auf das gleiche Grundstück zwischen Jugendhaus und IGS.
Was und warum
Darum geht es: Soll das Jugendhaus in Moormerland erweitert werden, oder wird es eher einen Neubau für ein Familienzentrum geben?
Vor allem interessant für: Menschen in Moormerland, vor allem Jüngere
Deshalb berichten wir: Bei der Gemeinde wurden jetzt beide Vorschläge diskutiert. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Noch kurioser: Beide Vorschläge bekamen in der Sitzung des Sozialausschusses jetzt die Zustimmung von fast allen Mitgliedern. Allerdings wurden die Anträge dahingehend geändert, dass die Vorschläge nun zunächst von der Verwaltung auf ihre Machbarkeit untersucht werden sollen. Übrigens sehen weder SPD noch CDU einen großen Widerspruch zwischen ihren Vorschlägen. Worum geht es?
Platz im Jugendhaus reicht nicht mehr
Das Jugendhaus, darin sind sich die Politiker nach einem gemeinsamen Besuch dort einig, ist mit den Jahren zu klein geworden. Neben den Mitarbeitern der Einrichtung hat seit einiger Zeit auch der Seniorenbeauftragte der Gemeinde sein Büro im Jugendhaus. Das bedeute, dass für Besprechungen gelegentlich die Küche in Beschlag genommen werde. „Die kann in der Zeit nicht benutzt werden“, stellt Jens-Rainer Bohlsen (CDU) fest.
Einig sind sich beide Seiten ebenfalls darin, dass ein Ort geschaffen werden soll, an dem es Angebote für alle Generationen gibt. Möglichst soll es einen Austausch und Begegnungen von Jung und Alt geben. Als Lösung dafür hat die SPD den Bau eines Familienzentrums vorgeschlagen, wie es in Bunde zu einem Erfolgsmodell wurde. Dort wurde diese Einrichtung mit Fördermitteln vor rund zwei Jahren hochgezogen und hat sich seitdem zu einem florierenden Treffpunkt entwickelt. „Das sollten wir uns einmal vor Ort anschauen“, schlug Svenja Rastedt (SPD) für den Sozialausschuss vor.
Erfolgsmodell aus Bunde übernehmen?
In Bunde wurde das Familienzentrum vor zwei Jahren eröffnet. „Das Konzept eines Begegnungsortes für Jung und Alt, mit Beratung, Betreuung, Bildung und Begegnung ist voll aufgegangen“, teilt Einrichtungsleiter Werner Hoffmann vom Familienzentrum mit. Es sei bisher von 30.000 Besucherinnen und Besuchern genutzt worden. Damit sei ein Wert, der ursprünglich eher als langfristiges Ziel angestrebt wurde, viel schneller erreicht worden. In Spitzenzeiten, etwa im März mit den Veranstaltungen zu den Frauenwochen, seien es mehr als 2000 im Monat gewesen.
Die Zahl der Angebote sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen, so Hoffmann: „Waren es zum Start im Juli 2021 gerade einmal 16 feste regelmäßige Angebote, sind es zwei Jahre später bereits über 50.“ Das sei nur dank des Engagements der Bürgerinnen und Bürger möglich, die sich größtenteils ehrenamtlich einbringen. Aber: „„Wir sind noch immer in der Aufbauphase, und verfolgen unseren Drei-Jahres-Plan trotz des überwältigen Erfolges auch weiterhin“, so Hoffmann. Das Programm könne bei den Vorträgen zu pädagogischen und gesundheitlichen Themen sowie kulturellen Angeboten für Jugendliche noch erweitert werden.
Oder Anbau ans Jugendhaus als Zwischenlösung?
Die CDU möchte in dem erweiterten Jugendhaus ebenfalls Angebote für verschiedene Altersgruppen ermöglichen. Schon jetzt werde das Café im Jugendhaus gelegentlich für andere geöffnet, aber dann seien die jugendlichen Besucher in dieser Zeit außen vor, wie Bohlsen sagte. Deshalb schwebt den Christdemokraten eine Erweiterung um einen Mehrzweckraum vor, der für Gruppen und Vereine bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden könnte. Schließlich brachten Bohlsen und sein Fraktionskollege Martin Janßen den Vorschlag auf, eine Übergangslösung mit Containern zu prüfen.
„Für das Jugendhaus brauchen wir eine schnelle Lösung“, betonte er. Somit wurde der Antrag der CDU auf Erweiterung des Jugendhauses so abgeändert, dass die Verwaltung prüfen solle, ob eine Nutzung von Containern infrage kommt, um danach das Jugendhaus in „eine weitergehende Lösung wie ein Familienzentrum zu überführen“. Dieser Vorschlag fand eine Zustimmung bei sieben Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme.
Beide Lösungen sollen geprüft werden
Ähnlich wurde dann mit dem Antrag der SPD verfahren. Als Standort für ein Familienzentrum schlug Rastedt ebenfalls das Gelände neben dem Jugendhaus vor. Der Idee von CDU-Mann Janßen, dafür das in absehbarer Zeit frei werdende Gebäude der Grundschule Warsingsfehn-Ost zu nutzen, erteilte Rastedt jedoch direkt eine Abfuhr: „Das Gebäude ist ja schon für den Schulunterricht nicht geeignet.“ Wenn mangelnde Barrierefreiheit in der Schule der Anlass für die Gemeinde sei, die Schule neu zu bauen, könne man dort erst recht kein Mehrgenerationenangebot schaffen.
Rainer Kottke stellte für die Grünen fest, dass als Standort eines solchen Angebots nur das Zentrum infrage komme. Er habe jedoch Probleme damit, über etwas abzustimmen, „wenn man nicht mal weiß, ob es ein oder zwei Millionen kostet“, sagte Kottke. In den Antrag der SPD wurde schließlich auf Wunsch der Fraktion ebenfalls das Wort „prüfen“ eingefügt – damit gab es sechs Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen. Wenn Ergebnisse vorliegen, kommen die Anträge wieder in den Ausschuss zur Beratung.
Was wird aus dem Café Klönsnack?
Die ganze Diskussion hatten Mitglieder des Mehrgenerationentreffs Café Klönsnack aufmerksam verfolgt. In dem Antrag der SPD war nämlich die Rede davon, dass diese Einrichtung, die sich seit der Gründung vor gut zehn Jahren im Fehntjer Zentrum befindet, in das Familienzentrum integriert werden könnte. In der Einwohnerfragestunde meldete sich Reinhold Wandrey für das Klönsnack zu Wort und fragte, ob ein Umzug des Cafés geplant sei – wobei deutlich wurde, dass die Ehrenamtlichen des Treffs damit nicht einverstanden wären. „Nein“, versicherte jedoch Sonja Rastedt, „wenn Sie nicht umziehen wollen, dann müssen sie das nicht.“
Der Mehrgenerationentreff basiert auf ehrenamtlichem Einsatz und wird von einem Verein getragen, unterstützt durch das Seniorenbüro der Gemeinde. Er besteht nicht nur aus dem Café, in dem es Kaffee, Tee, Kuchen und Brötchen zu sozialen Preisen gibt. Vielmehr gehört dazu ein breites Angebot an Gruppen und Treffs zu verschiedenen Themen – diese sind tatsächlich ähnlich denen im Familienzentrum in Bunde. Schon im vergangenen Jahr bangte der Verein nach dem Tod des Eigentümers des Fehntjer Zentrums, Enno Poets, um die Räume – doch die Erben stellen diese weiterhin zur Verfügung, die Gemeinde trägt die Kosten für Strom und Heizung.
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