Stadtentwicklung in Weener Schandfleck in der Westerstraße gammelt vor sich hin
Alte Gebäude abreißen und durch Neubauten attraktiven Wohnraum schaffen. Das ist das Konzept für die Westerstraße in Weener. Realisiert wurde bislang keines der ehrgeizigen Projekte. Woran liegt das?
Weener - Döner, Pasta, Pizza und Salat wie es die Werbung am Schaufenster verspricht, gibt es schon lange nicht mehr in der Westerstraße. Auf dem Gehweg vor den Häusern 22 bis 26 wuchert das Unkraut. Durch die Schaufenster kann man die vollgemüllten Innenräume sehen und im Eingangsbereich steht eine überquellende Mülltonne. Kein schöner Anblick für die Betreiber und Kunden der umliegenden Geschäfte wie der Versicherung nebenan und des Hörgeräteakustikers auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Was und warum
Darum geht es: Für die Westerstraße gibt es mehrere Neubauprojekte. Die lassen nach seit fast zwei Jahren immer noch auf sich warten.
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Deshalb berichten wir: Uns ist der ungepflegte Zustand der Häuser in der Westerstraße aufgefallen. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„Das Gebäude macht keinen guten Eindruck“, beschreibt Weeners Bürgermeister Heiko Abbas den Zustand des Gebäudekomplexes. Dabei hatten Politik und Verwaltung seinerzeit große Hoffnung darin gelegt, dass sich das Gesicht der Westerstraße durch das Neubauprojekt positiv verändert. In einem Teil des Gebäudes war früher das renommierte Gardinengeschäft Hirsch beheimatet. Später siedelte sich dort ein Geschäft für Angel- und Freizeitbedarf an. Zuletzt war dort ein Döner- und Pizzaladen, der wenig frequentiert wurde und nach kurzer Zeit schloss.
Getan hat sich nichts
Im September 2021 hat schließlich ein gewerblicher Investor aus Oldenburg die Häuser 22, 24, 26 und 26a erworben und den Antrag für den Abbruch des Gebäudekomplexes gestellt. Nach der damaligen Auskunft der Stadt wollte der Bauinvestor dort ein Wohn- und Geschäftshaus mit neun Wohnungen und einer Gewerbeeinheit realisieren. Der Bauantrag für das Projekt ist ebenfalls bereits gestellt, hieß es seinerzeit von der Verwaltung. Getan hat sich seitdem aber nichts. Auf der Rückseite sind inzwischen einige Fenster zu Bruch gegangen. Das Unkraut rund um die Gebäude sprießt und gedeiht.
„In unregelmäßigen Abständen gibt es Beschwerden über Unkraut und andere Verunreinigungen im Stadtgebiet“, sagt Abbas auf Nachfrage. Doch die Stadt könne wenig gegen solche Schandflecken tun. „Die Möglichkeiten dagegen vorzugehen, sind begrenzt, da sich die Flächen stets im Eigentum der jeweiligen Grundstückseigentümer befinden“, erklärt der Bürgermeister. Selbst eingreifen könne die Stadt erst nach mehrmaliger Aufforderung und Fristsetzung, die dann laut Abbas auch entsprechend kontrolliert werden müsse. Und: „Gegen alle Schritte kann ein Flächeneigentümer natürlich jeweils Widerspruch einlegen.“
Lage ist unklar
Nach den Worten des Bürgermeisters hat die Verwaltung bislang noch keine weiteren Gespräche über den Zustand des Gebäudes mit dem Eigentümer geführt. Ob der Oldenburger Investor an seinen Plänen festhält oder die Planung über Bord geworfen oder das Gebäude gar weiter veräußert hat, darüber habe er keinen aktuellen Sachstand, teilte Bürgermeister Heiko Abbas mit.
Es gibt aber durchaus Grund zur Hoffnung für die Weiterentwicklung der Westerstraße. Die beiden aus den Niederlanden stammenden Investoren Wouter de Bruin und Johannes Voorma von der Nordbau GmbH halten weiter an ihrem Vorhaben fest, in der Westerstraße ein neues Mehrfamilienhaus mit zwölf Eigentums- oder Mietwohnungen zu errichten. Sie haben die Grundstücke 49 bis 41c. Die alten Häuser, die dort noch stehen, sollen abgerissen werden und dem Neubau weichen. Den Bauantrag haben die Investoren aber noch nicht gestellt. Verkauft und zu Wohnungen umgebaut wurde inzwischen das Gebäude in der Westerstraße 14. Die Schaufenster des ehemaligen Schmuck- und Uhrengeschäfts Züchner sind verschwunden. Die Fassade wurde umgestaltet.