London  Suspendierter BBC-Moderator: Polizei stellt Ermittlungen wegen Nacktfoto-Skandal ein

Susanne Ebner
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Von Susanne Ebner
| 13.07.2023 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es ist nicht der erste Skandale, der der britischen Medienanstalt BBC in jüngster Zeit entgegenschlägt. Foto: imago images/ZUMA Wire
Es ist nicht der erste Skandale, der der britischen Medienanstalt BBC in jüngster Zeit entgegenschlägt. Foto: imago images/ZUMA Wire
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Nun ist der Name des BBC-Moderators bekannt, der einer jungen Person Geld für intime Bilder gezahlt haben soll. Es handelt sich um Huw Edwards. Inzwischen gibt es weitere Vorwürfe gegen ihn, doch die polizeilichen Ermittlungen wurden eingestellt.

Er war das Gesicht der BBC und der bestbezahlte Moderator des Senders. Viele Briten sahen ihn jeden Abend, wenn er an Wochentagen die „News at Ten“ moderierte, die wichtigste Nachrichtensendung der öffentlich-rechtlichen Medienanstalt und damit so etwas wie die Tagesschau Großbritanniens. Sie schätzten und respektierten ihn. 

Eine Woche lang durften britische Medien nicht berichten, wer der BBC-Moderator ist, der laut der Boulevardzeitung „The Sun“ einer zunächst minderjährigen Person hohe Geldbeträge für intime Fotos und Videos gezahlt haben soll, weil es sich um Anschuldigungen ohne Beweise handelte. Nun wurde sein Name bekannt. Es handelt sich um Huw Edwards. Das bestätigte die Ehefrau des 61-Jährigen, Vicky Flind.

Die Sendeanstalt hatte den Moderator nach Bekanntwerden der Vorwürfe am vergangenen Wochenende suspendiert. Der Druck auf die BBC, den Namen des TV-Stars öffentlich zu machen, wuchs täglich. Zudem gab es Vorwürfe, der Sender habe viel zu spät reagiert. Am vergangenen Montag übergab die Rundfunkanstalt den Fall schließlich an die Polizei. Diese stellte die Ermittlungen in dem Fall am Mittwoch jedoch ein – es würden keine Informationen vorliegen, die darauf hindeuteten, dass eine Straftat begangen wurde, hieß es.

Jon Sopel, ein BBC-Korrespondent und Freund von Edwards beschrieb die letzten Tage als „eine schreckliche und schockierende Episode, in der es keine Kriminalität gab, aber womöglich ein kompliziertes Privatleben”.

Obwohl viele Menschen im Vereinigten Königreich nach einigen Tagen ahnten, dass es sich bei dem beschuldigen Moderator um Edwards handeln könnte, sendete die offizielle Nachricht dennoch eine Schockwelle durch das Land. Schließlich berichtete dieser jahrelang über die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in Großbritannien, darunter die Parlamentswahlen 2019. Er verkündete den Tod von Königin Elizabeth II. und begleitete ihr Staatsbegräbnis im September 2022. 

Ihr Ehemann leide unter „schwerwiegenden psychischen Problemen“ und befinde sich nun „in stationärer Krankenhausbehandlung, „wo er auf absehbare Zeit bleiben wird“, so seine Ehefrau Vicky Flind. Sie ging auch darauf ein, dass durch das Stillschweigen ihres Mannes viele Moderatoren unter Generalverdacht standen. Insbesondere in den Sozialen Medien wurde wild spekuliert, um wen es sich handeln könnte. „Wir hoffen, dass diese Erklärung dem ein Ende setzt.”

Nachdem die Polizei zu dem Schluss gekommen war, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Beweise für eine Straftat gibt, wanderte der Fall wieder an die BBC, die den Anschuldigungen auf den Grund gehen soll. Der Sender berichtete über einen Mitarbeiter, der über die Sozialen Medien von Edwards kontaktiert worden sei. Die Nachrichten seien anzüglich gewesen und hätten sich auf das Aussehen bezogen. „Es gibt eine Machtdynamik, die dies unangemessen macht“, so der BBC-Kollege. 

Die Zeitung „The Sun“ berichtete von zwei weiteren Vorwürfen. Demnach soll Edwards einer 17-jährigen Person über Instagram Herz-Emojis geschickt haben. Außerdem habe er Anfang 2021 eine junge Person, die er über eine Dating-App kennengelernt habe, zu Hause besucht und damit den Corona-Lockdown gebrochen haben.

Die „Sun” betonte am Mittwoch jedoch, sie habe „keine Pläne“, weitere Vorwürfe gegen den BBC-Star zu veröffentlichen. Schließlich muss sich die Zeitung kritische Fragen zu ihrer Berichterstattung und deren ethischen Standards gefallen lassen. Dem Blatt wird vorgeworfen, nahegelegt zu haben, dass Edwards eine Straftat begangen hat, ohne Beweise dafür zu haben.

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Erste Zweifel an der Berichterstattung der Zeitung waren schon am vergangenen Montag aufgekommen, als der Anwalt im Namen des angeblichen Opfers die Vorwürfe an den Moderator als „Müll” bezeichnet hatte. Gleichzeitig machte sich in den sozialen Medien nun zunehmend die Überzeugung breit, dass nun wieder wichtigere Themen in den Blick genommen werden sollten. Schließlich beherrschte der Skandal um Edwards die Berichterstattung tagelang.

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