Osnabrück  Von Kehlmann bis Heidenreich: Fünf neue Romane, die Lust aufs Lesen machen

Stefan Lueddemann
|
Von Stefan Lueddemann
| 12.07.2023 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wird auch ihr neues Buch ein Bestseller? Elke Heidenreichs neuer Roman kommt mit dem Herbstprogramm. Foto: dpa/ Henning Kaiser
Wird auch ihr neues Buch ein Bestseller? Elke Heidenreichs neuer Roman kommt mit dem Herbstprogramm. Foto: dpa/ Henning Kaiser
Artikel teilen:

Was bringt der Bücherherbst? Wir stellen fünf lohnende Neuerscheinungen vor – auch schon als Lesetipp für den Spätsommer.

Im Herbst erscheinen Romane über Pandemie und Macht, auch von prominenten Autoren wie Elke Heidenreich und Daniel Kehlmann gibt es neue Werke.

Für Zeitgeistforscher: Wann kommt endlich der Roman zur Corona-Pandemie? Dirk Schümer gibt die Antwort – mit seinem Roman „Die schwarze Lilie“, der im Florenz des Jahres 1348 spielt. Damals gab es schon, was uns heute bedrängt, von Bankenpleite bis Pandemie. 1348 bricht in Florenz die Pest aus, das Kreditwesen kollabiert und zehn junge Frauen und Männer erzählen sich jene Geschichten, die Boccaccio in seinem „Dekameron“ aufschreiben wird. Schümer packt den üppigen Stoff mit einem Roman, der pralles Lesevergnügen verspricht und mit seinem Erscheinen am 24. Juli 2023 bei Zsolnay auch schon als Sommerlektüre bereitsteht. Wer hier in die Geschichte abtaucht, kann trefflich über unsere Gegenwart nachdenken. Ein spannender Ansatz.

Für Heidenreich-Fans: Frau Dr. Moormann nervt. Macht das Elke Heidenreich nicht bisweilen auch? Die einen lieben ihre schnoddrige Direktheit, die anderen können ihre nassforsche Besserwisserei nicht vertragen. Egal. „Frau Dr. Moormann und ich“ heißt Heidenreichs neues Buch, das am 21. August 2023 bei Hanser herauskommen wird. Der Plot ist einfach und komplex zugleich. Eine Frau zieht in ein Haus. Ihre Nachbarin ist Frau Dr. Moormann, die sich so nennen lässt, weil ihr Mann ein Doktor war. Eine Frau als Nervensäge und Quälgeist. Bei Elke Heidenreich verspricht das lustige Dialoge und pfiffige Pointen. Versprochen. Ein Nachbarschaftsstreit als kleine Lebensschule – auf 112 Seiten.

Für Nostalgiker: Lebensgenuss und Biederkeit, Franz-Josef Strauß und Aids – im München 1983 gibt es das alles nebeneinander und noch viel mehr. „Sauhund“ heißt der Roman von Lion Christ, den man in der Zeit, von der er erzählt, blutjung genannt hätte. Christ nimmt seine Leser mit in eine Geschichte von einem Coming Out. Flori haut ab, treibt sich in der Szene herum, lernt Gregor kennen, den Sohn eines Schreiners. Die beiden jungen Männer probieren aus, was es nicht geben darf in der spießigen Welt, in der sie Leben. Am 21. August 2023 kommt der Roman bei Hanser heraus. Er führt in die alte Bundesrepublik, in eine Zeit von anderer Temperatur. 1983 passierte viel. Im Fernsehen lief die erste Folge von „Monaco Franze“. Wirklich eine andere Zeit damals.

Für Kinogänger: Filmschaffender glaubt, mit den Größen des Dritten Reiches Katz und Maus spielen zu können und dient sich am Ende doch nur der Macht an: Der Plot von Daniel Kehlmanns neuem Roman „Lichtspiel“ erinnert von ferne an Klaus Manns Skandalroman „Mephisto“ um den Theaterprinzipal Mephisto. Der Autor von „Die Vermessung der Welt“ und „Tyll“ erzählt in seinem neuen Roman von dem Regisseur G.W. Pabst, der vor den Nazis ins Exil flieht und dann doch zurückkehrt und im Dritten Reich seinen Platz sucht. Ein Roman über das ewige Tauziehen zwischen Kunst und Macht. Dieser Roman kann doch nur packend sein, wenn sein Autor Daniel Kehlmann heißt, oder? „Lichtspiel“ erscheint am 10. Oktober 2023 bei Rowohlt.

Für Bücherliebhaber: Sarah liebt die Bücher mehr als das Leben – bis Ben vor der Tür steht und sie bittet, mit ihm auf die Suche nach einer alten römischen Straßenkarte zu gehen. Was werden sie finden, die Straßenkarte, ihre Liebe zueinander oder gleich beides? Die Handlung von Elisabeth Beers Romandebüt „Die Bücherjägerin“ klingt so gefährlich nach Kitsch, dass man sich gleich in die Lektüre stürzen möchte. Die Autorin plädiert leidenschaftlich für Sarah und Ben und vor allem für jene vermeintlich alte Welt all dessen, was das digitale Zeitalter verächtlich unter dem Wort „Printprodukt“ rubriziert. Aber wer möchte nicht lieber mit Sarah und Ben nach Rom reisen statt im Twittergewitter zu trudeln? „Die Bücherjägerin“, ab 15. August 2023 bei Dumont.     

Ähnliche Artikel