Digital total  Social Media an sich ist das Problem

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 11.07.2023 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Mit Vorsicht zu genießen ist der Twitter-Killer aus dem Hause Facebook. Das sieht zumindest unser Kolumnist so.

Der Zoff zwischen Twitter-Chef Musk und Facebook-Chef Zuckerberg wegen Facebooks Twitter-Klon „Threads“ geht in die nächste Runde. Nachdem der Käfig-Boxkampf zwischen den beiden Firmenchefs von Musks Mutter abgesagt wurde, droht Musk Facebook nun mit Anwälten. Facebook hat seinen viel beschrienen Twitter-Killer nämlich jetzt innerhalb seiner Instagram-App freigeschaltet und die Presse jubelt bereits über Millionen von Nutzern, die sich in wenigen Tagen angemeldet haben: Twitter sei erledigt.

Hierzulande haben Sie davon eventuell gar nichts mitbekommen, denn Facebook will den Dienst in der EU erst mal gar nicht anbieten – wegen der DSGVO. Denn Threads ist unglaublich hungrig auf die Daten seiner Nutzer. Kein Wunder, das ist man von Facebook ja schon gewöhnt und die Firma lebt schließlich davon, Werbetreibenden diese Nutzerdaten zu verkaufen. Der angebliche Twitter-Killer ist also in Europa gar kein Twitter-Killer.

Aber selbst wenn es Threads in Deutschland gebe, ich verstehe sowieso nicht, warum die Tech-Presse derart jubelt. Egal, was man über Elon Musk denkt, wie können diese Leute Facebook allen Ernstes als gute Alternative anpreisen? Facebook war jahrelang der Prügelknabe – wegen mangelndem Datenschutz, wegen irreführender Werbung, wegen zu wenig Zensur von demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Posts und so weiter. Und nur weil Elon Musk jetzt der neue Prügelknabe ist, ist das alles vergessen, und ich soll mich bei der neuen Facebook-App anmelden, um es dem Typen mal so richtig zu zeigen? Was für ein Blödsinn!

Leider ist die Presse notorisch schlecht darin, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Man schwankt lieber von einer Panik zur nächsten. Die Aufmerksamkeitsspanne der Redakteure und ihrer Leser, so wird angenommen, reicht immer nur für eine Panik. Sonst würde man eventuell aus dem Hin und Her was lernen: Der ganze Social-Media-Komplex ist das Problem. Nicht eine Firma, oder wer sie gerade leitet.

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