Förderung gemeinsam nutzen Rheiderland-Kommunen machen beim Klimaschutz gemeinsame Sache
Ohne Klima-Manager, dafür aber mit gemeinsamer Fachkompetenz wollen die Rheiderland-Kommunen konkrete Klimaschutzmaßnahmen erarbeiten. Der Plan steht schonmal.
Rheiderland - Der Klimawandel macht nicht an der Gemeindegrenze halt. Das ist keine neue Erkenntnis. Trotzdem oder gerade deswegen haben sich die Gemeinden Bunde, Jemgum und Weener zusammengetan, um gemeinsam eine Strategie für den Klimaschutz in den Kommunen zu verbessern und die Herausforderungen für die nächsten Jahre besser zu stemmen.
Was und warum
Darum geht es: Die drei Rheiderland-Kommunen gehen beim Klimaschutz neue Wege. Sie wollen gemeinsam Maßnahmen auf den Weg bringen.
Vor allem interessant für: Rheiderländer und andere Kommunen
Deshalb berichten wir: Die Rheiderländer haben getrennt Fördergelder beantragt und wollen nun gemeinsam davon profitieren. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Wie ist der Plan?
Die drei Kommunen haben jeweils Förderanträge gestellt und Mittel für eine „Orientierungsberatung Klimaschutz“ erhalten. Mit diesem Geld werden jetzt gemeinsam Projekte angeschoben. Der erste Schritt war eine Analyse der bestehenden Aktivitäten und Möglichkeiten und die Erstellung einer CO2-Bilanz. Das haben Monika Norrmann und ihr Team von NettCon Energy aus Leer übernommen. Im nächsten Schritt wird es Workshops zu drei klimaschutzrelevanten Themen geben. Jede Kommune richtet ein Arbeitstreffen aus, eingeladen sind Akteure aus allen drei Gemeinden.
Wie teilen sich die Kommunen auf?
In Weener werden Experten über das Thema Wasser sprechen. In Bunde geht es um Wirtschaft und Tourismus und in Jemgum schaut man sich die Möglichkeiten zum Klimaschutz in kommunalen Einrichtungen an. „Wir werden die Beteiligten aktiv dazu einladen und auf Akteure aus diesen Bereichen zugehen“, sagt Bundes Bürgermeister Uwe Sap. Alle Workshops sollen Projekte erarbeiten, die auch umgesetzt werden können. Am Ende muss jede Gemeinde mindestens eine Maßnahme vom Rat beschlossen haben, damit das Fördergeld gezahlt wird, erklärt Monika Norrmann. Es bleiben also 18 Monate um den Ideen auch Taten folgen zu lassen.
Welche Vorteile hat das?
Drei Kommunen, drei Anträge, mindestens drei Maßnahmen – das Klima ist ein großer Gewinner bei diesem Vorgehen. Denn alle erarbeiteten Ziele sollen im besten Fall in allen Rheiderland-Gemeinden umgesetzt werden. Da bei vielen Themen ohnehin schon die Rheiderländer Experten zusammenarbeiten, wie zum Beispiel wie die Deich- und Sielacht, gebe es mit wenig Aufwand hohe Synergieeffekte. So blieben die Aktionen auch nah am Menschen dran. „Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, Klimaschutz ist eine Pflichtaufgabe und so nehmen wir alle mit“, sagt Heiko Abbas, Bürgermeister aus Weener. Weiterer Vorteil: Durch die gemeinsame Bearbeitung des Themas und die dreifache Antragsstellung konnten die Gemeinden auch mehr Fördergeld aus dem Topf holen, ergänzt Hans-Peter Heikens, Bürgermeister aus Jemgum.
Wie viel Energie wird im Rheiderland benötigt?
Klimaschutz heißt Reduzierung von Treibhausgasen. Daher wird zunächst ermittelt, wie viel Energie im Rheiderland eigentlich benötigt wird. Den größten Posten macht dabei der Verbrauch von Erdgas mit rund 400.000 Megawattstunde pro Jahr. Dahinter liegen Strombezug (rund 300.000 MWh/Jahr) und Verkehr (280.000 MWh/Jahr). Die Daten erhielten Norrmann und ihr Team durch die Abfrage von Datenbanken, Netzbetreibern und Informationen von ansässigen Firmen, sofern diese Auskunft geben wollten.
Wer nutzt die Energie?
Erdgas wird vor allem von privaten Haushalten genutzt, kleinere Anteile haben produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen. Beim Stromverbrauch liegen die produzierenden Gewerbebetriebe vor den Haushalten und Dienstleistungen. Im Verkehr liegen die PKW knapp vor den LKW, einen kleinen Teil machen auch die Busse aus.
Wer produziert Treibhausgase?
Die meisten Treibhausgase erzeugt der Strombedarf im Rheiderland. Umgerechnet in die Maßeinheit „CO2-Äquivalente“, in der man die Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase zusammenfasst und vereinheitlicht, produziert der Strom rund 150.000 Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr. Verkehr (90.000) und Wärmebedarf (100.000) liegen dahinter nahezu gleich auf. Beim Strom erzeugen die produzierenden Gewerbe die meisten Emissionen, erst weit dahinter folgen die privaten Haushalte und Dienstleistungen. Beim Erdgas rangieren dagegen die Haushalte vor Gewerbe und Dienstleistungen. Beim Verkehr liegen PKW (46.000) und LKW (34.000) nahezu gleich auf.
Was bringt die CO2-Bilanz?
Im ersten Schritt zeigt sie, wo die Kommunen stehen. „Es ist der Startpunkt“, sagt Norrmann. Dort stünden jetzt 332.000 Tonnen CO2, die das Rheiderland pro Jahr produziert und die bis 2045 auf null runter müssten. Dafür brauche es jetzt eine Strategie.
Ist es mit den Workshops getan?
Nein. „Die Workshops sind nur der erste Schritt“, erklärt Hans-Peter Heikens. An die Fördermaßnahme für die Orientierungsberatung könnten dann weitere Fördermöglichkeiten anschließen. Das Ziel ist die Klimaneutralität. „Da müssen wir alle anpacken“, sagt Abbas.