Jauche sickert in Gewässer Neuer Ärger beim Nabu-Beweidungsprojekt in Leer
Die Probleme beim Nabu-Beweidungsprojekt in Nüttermoor reißen nicht ab. Diesmal stehen allerdings nicht die Tiere im Fokus. Es geht um Umweltverschmutzung.
Rheiderland/Leer - Beim in die Negativ-Schlagzeilen geratenen Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor gibt es offenbar erneut Probleme. Diesmal allerdings nicht mit den dort lebenden 50 Heckrindern, sondern in Sachen Umwelt- und Gewässerschutz.
Was und warum
Darum geht es: um einen Umweltschutzverstoß beim Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk
Vor allem interessant für: Tier- und Naturfreunde und alle, die die Probleme bei den Nabu-Beweidungsprojekten in Leer verfolgen
Deshalb berichten wir: Wir haben einen Hinweis über einen Verstoß gegen den Umweltschutz bekommen und beim Landkreis nachgefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Der Mist der Tiere, der sich in den vergangenen Monaten hauptsächlich im Bereich des Futterplatzes angesammelt und mit Heu vermischt hatte, wurde zusammengeschoben und lagert nun, provisorisch abgedeckt mit Kunststofffolie, unweit eines Gewässers. „Die braun-schwarze Brühe sickert zum Teil in den Boden und zum Teil in eine Senke auf der Fläche und von dort aus über einen Graben ins Veenhuser Sieltief“, kritisiert der Friesische Verband für Naturschutz auf seiner Facebook-Seite und löste damit einen regelrechten Shitstorm gegen den Nabu aus. Der Landkreis Leer hat inzwischen Kenntnis von diesem Problem. „Das ist dem Landkreis bekannt. Es handelt sich um Sickerjauche“, teilte Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage mit. Der Landkreis stehe in Kontakt zum Nabu, damit der Misthaufen kurzfristig abgefahren werde.
Verwaltung will vorerst abwarten
Auslöser für die Diskussion um die Beweidungsprojekte des Nabu im Landkreis Leer waren Vorfälle im Mai. Zwei Heckrindkälber verletzten sich im Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor so schwer, dass sie eingeschläfert werden mussten. Später stellte sich heraus, dass auf der Fläche auch zwei Konik-Fohlen verendet sind und zwei weitere Tiere an Lahmheiten litten. Ein Tier musste wegen einer Fraktur eingeschläfert werden.
Für die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Leer ist damit das Maß voll. Die Fraktion hat sich für eine sofortige Beendigung beziehungsweise Kündigung der Pflegevereinbarung des Nabu-Beweidungsprojekts in Nüttermoor ausgesprochen. „Die CDU Fraktion setzt sich dafür ein, dass die Stadt Leer ihre Verantwortung als Eigentümerin der Flächen wahrnimmt und die gebotenen Maßnahmen ergreift, um die Gesundheit und das Wohlergehen der verbleibenden Tiere sicherzustellen. Die Verwaltung dagegen will offenbar vorerst abwarten. „Das Thema Tierwohl liegt im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Leer, der insofern auch Herr des Verfahrens ist. Das bedeutet, dass wir auf eine Entscheidung aus dem Kreishaus warten“, erklärte Edgar Behrendt auf Nachfrage mit.
„Das muss zu personellen Konsequenzen führen“
Diese Einschätzung teilt auch Heinz Dieter Schmidt, Chef der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Leer. „Das ist ein Problem zwischen Nabu und Aufsichtsbehörde“, so Schmidt, „das spielt sich lediglich auf unseren Flächen ab.“ Der Nabu und der Landkreis müssten eine Lösung finden. Schmidt nennt auch einen klaren Grund, der für ihn gegen die Kündigung des Pachtvertrags mit dem Nabu spricht. „Wenn wir den Vertrag kündigen, sind wir die Buhmänner, die die Schlachtung der Tiere verursachen.“
Die FDP-Kreistagsfraktion fordert Konsequenzen. Sie unterstützt nicht nur die Forderung des Landkreises, die Heckrinderbeweidung Thedingaer Vorwerk bis zum Jahresende zu beenden. „Die FDP sieht sich in ihrer Forderung nach sofortigem Rücktritt des zuständigen NABU-Landesvorsitzenden Dr. Holger Buschmann bestätigt,“ so Jens Völker, Vorsitzender der FDP Kreistagsfraktion im Leeraner Kreistag und Vorsitzender des FDP Kreisverbandes. Es handele sich bei dem gesamten Vorgang um ein klassisches Organisationsversagen des NABU. „Das muss zu personellen Konsequenzen führen.“
Der Nabu Niedersachsen will von dem Aus für die Heckrinderhaltung nichts wissen. „Entgegen der wiederholten Berichterstattung der Ostfriesen-Zeitung, dass der Nabu Niedersachsen ein Konzept für eine tierschutzgerechte Auflösung der Herden im Kreisgebiet vorlegen und die Beweidungsprojekte bis zum Ende dieses Jahres beenden solle, macht der Nabu Niedersachsen auf seiner Internet-Seite deutlich, dass ihm dazu keinerlei Unterlagen dazu vorliegen. „Seit der Pressemitteilung des Landkreises Leer am 26. Mai ist uns dazu keine Mitteilung eingegangen“, so der Nabu. Der Landkreis Leer stellte allerdings auf Nachfrage deutlich klar, dass er an seiner Entscheidung festhält. „Der Landkreis Leer will, dass das Beweidungsprojekt mit den Heckrindern spätestens bis zum Winter beendet wird“, sagt Landkreissprecher Philipp Koenen. Ob auf der Fläche in Thedingaer Vorwerk eine Fortführung des Nabu-Beweidungsprojekts ausschließlich mit Konik-Pferden möglich sei, darüber könne derzeit noch keine Aussage getroffen werden.