Schmierereien und Zerstörungen  In Rhauderfehn kommt es immer wieder zu Vandalismus-Fällen

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 03.07.2023 12:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Künstler Fietz Ulferts ärgert sich über die absichtliche Beschädigung seines Gästebuchs.
Künstler Fietz Ulferts ärgert sich über die absichtliche Beschädigung seines Gästebuchs.
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Auch in anderen Orten in der Region haben die Täter in jüngster Zeit ihr Unwesen getrieben. Was wurde alles beschädigt? Und wozu rät die Polizei ganz dringend?

Rhauderfehn - Im vergangenen Jahr gab es laut Statistik der Polizei Leer in Rhauderfehn 211 Anzeigen wegen Sachbeschädigung. 2021 waren es 214 Taten, 2020 wurden 190 Taten registriert, 2019 198 Taten. „Sachbeschädigung kann alles sein. Graffitis und Beschädigungen an Fahrzeugen, Häusern, Kunstwerken“, zählt Svenia Temmen, Polizeihauptkommissarin in Leer, auf. „Wir sind da immer etwa auf einem Niveau plus minus 10/20 Taten. Es gibt keine sprunghaften Anstiege.“ Das begleitet die Polizei schon ewig. Da habe man immer mit zu tun, es gebe aber keine Ausreißer. Welche Fälle von Vandalismus und Schmierereien gibt es aktuell? Was ist dann zu tun? Wer kommt für die Schäden auf? Wir fragten Betroffene, die Gemeinde Rhauderfehn sowie die Polizei Rhauderfehn und Leer.

Schmierereien gelten als Sachbeschädigung - so wie hier beim Idasee in Idafehn.
Schmierereien gelten als Sachbeschädigung - so wie hier beim Idasee in Idafehn.

Man findet sie auf Stromkästen, Bänken, Mülleimern, Bushaltehäusern und Hauswänden. Kürzel, Sprüche und Symbole, gesprayt oder mit Farbe hingeschmiert. Bei einem Spaziergang um den Idasee in Ostrhauderfehn zum Beispiel zeigt eine überdimensionale Hand auf einer Holzhütte Vorbeikommenden den Mittelfinger. Zahlreiche Gebäude der Grundschule Langholt sind bekritzelt. Neben Schmierereien kommt es aber auch immer wieder zu Zerstörungen von Sachen im öffentlichen Raum. So wurde im neu eröffneten Sanitärgebäude beim Idasee randaliert. Einrichtungen wurden beschädigt. Auch in Rhauderfehn wurde kürzlich ein Fall von Sachbeschädigung bekannt. Noch vor offizieller Einweihung wurde die Installation „Miteinander“ („Mitnanner“) des Künstlerteams Hartmut Laack und Fietz Ulferts beim Marktplatz Rhauderfehn beschmiert und wiederholt beschädigt. Auf dem gemauerten Sockel fanden sich Graffitis. Einzelne Figuren wurden abgebrochen, einige entwendet. „Die Schmierereien haben wir selbst entfernt, lose Figuren wieder befestigt. Fehlende Figuren haben wir ersetzt“, berichtet der Künstler Fietz Ulferts. Beweisfotos von den Schäden habe man nicht gemacht. Darüber ärgere sich das Künstlerduo. „Wir haben als Kinder und Jugendliche auch Blödsinn gemacht. Aber nie etwas zerstört. Ich frage mich immer wieder, was die Leute bewegt, so etwas zu machen.“

Drei Figuren fehlen

Nicht lange nach dem ersten Fall von Vandalismus kam es erneut zu Beschädigungen des Kunstwerkes. Aktuell fehlen drei Figuren. Die Leerstellen sind sichtbar. Der Aufwand, das Kunstwerk wieder herzustellen, sei nicht so schlimm. Der ideelle Wert wiege schwerer. „Das ist eine persönliche Verletzung“, betont Ulferts. Mit Gerda Ulferts betreibt er in der Papenburger Straße eine Pausestation für Radler mit Sitzbänken und Getränken. Nutzer können Grüße im Gästebuch hinterlassen. Auch hier ist es zu Vandalismus gekommen. Das Gästebuch wurde mit Kaffee überschüttet. „Mit den vielen schönen Einträgen hat das Gästebuch einen ideellen Wert. Vieles ist jetzt verschmiert und unleserlich, das ist bitter“, berichtet Gerda Ulferts.

Eine liegende Figur wurde vom Kunstwerk „Miteinander“ entwendet.
Eine liegende Figur wurde vom Kunstwerk „Miteinander“ entwendet.

Die Vorfälle haben sie bis jetzt nicht zur Anzeige gebracht. Ein Schritt, der in solchen Fällen dringend gemacht werden soll, rät Polizeihauptkommissarin Temmen. „Der Anzeigeberechtigte kann bei der Polizei anzeigen, dass sein Eigentum beschädigt wurde. Nach Aufnahme der Anzeige werden Fotos von der Sachbeschädigung gefertigt. Seitens der Polizei wird dann ein Zeugenaufruf gestartet. Wir kommen so unserer Öffentlichkeitsarbeit nach“, erläutert Polizeihauptkommissarin Temmen das Prozedere. Bei Sachbeschädigung und Entwendung von Skulpturen gehe es nicht nur um Beschädigung, sondern auch um Diebstahl. „Wenn wir das nicht wissen, kann die Rhauderfehner Polizei das nicht im Blick behalten. Wenn wir wissen, was da los ist, können wir einen Überwachungs- und Streifenplan erstellen.“

„Das ist ja auch mit Kosten verbunden“

Der Vandalismus am neuen Kunstobjekt auf dem Marktplatz Rhauderfehn erinnert Holger Holzenkämpfer, stellvertretender Leiter der Polizeistation Rhauderfehn, an Vorfälle beim Mahnmal „So weit die Füße tragen“ an der Ecke Russenstraße/Lindenstraße in Westoverledingen, gebaut in Gedenken an russische Kriegsgefangene, die vor 100 Jahren die Straße zwischen Westoverledingen und Papenburg bauen mussten. „Es ist fast analog zu sehen. Das Mahnmal hat Fußabdrücke und Füße aus Beton. Da hat man ständig die Füße abgeschlagen, was immer wieder passierte. Man hat es wieder repariert“, erläutert Holzenkämpfer. „Dann hat man die Fußabdrücke integriert. Es ist ja ärgerlich für die Künstler und die Bürger. Das ist ja auch mit Kosten verbunden.“ Wenn kein Täter durch die Polizei ermittelt werden kann, kommt die Allgemeinheit für den Schaden auf, weiß Erwin Ammermann vom Bauamt Rhauderfehn. In seiner Haushaltsstelle hat er einen Topf zur Gebäudeunterhaltung bestehender Gebäude für Sanierung und Renovierung. „Der wird durch Steuereinnahmen gefüllt. Daraus unterhalten wir unsere Gebäude“, so Ammermann.

An der Grundschule Langholt finden sich zahlreiche Graffiti.
An der Grundschule Langholt finden sich zahlreiche Graffiti.

Betreut werden insgesamt 67 Gebäude. Schmierereien und Graffitis sind beispielsweise auf fast allen Schulen Rhauderfehns zu finden. Grundsätzlich werden alle Schäden zur Anzeige gebracht und Angebote zur Schadensbeseitigung eingeholt. Es wird geklärt, ob die Schäden versichert sind. Aber: „Schäden durch Schmierereien und Vandalismus sind oft nicht versichert. Kann kein Täter ermittelt werden, bleibt die Allgemeinheit auf den Kosten sitzen.“ Ein Weg der Gemeinde Rhauderfehn, die Kosten für Schäden durch Vandalismus und Schmierereien zu reduzieren, ist, Buswartehäuschen statt aus Holz zukünftig aus Glas aufzustellen, erzählt Diplom-Ingenieur Jörg Frerichs vom Bauamt Rhauderfehn.

Vor Jahren habe es eine Serie von Brandstiftung in der Westwieke und in der Ledastraße in Rhauderfehn sowie in Klostermoor gegeben. Dort wurden Holzwartehäuschen wiederholt angefackelt. Lohne sich die Reparatur nicht, werde Holz durch Glas ersetzt. Kosten hierfür sind bis zu 5.000 Euro. „In den Glaswartehäuschen halten sich die Leute ungern auf, weil die sehr einsichtig sind. Scheiben werden auch mal rausgetreten, das hält sich aber in Grenzen“, so Frerichs. Warum machen die das? Wie Ulferts stellt auch Frerichs sich die Frage. „Ich bin kein Psychologe, das ist schwierig zu beantworten“, gesteht er.

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