Dunkelfeldstudie begonnen  LKA ermittelt Straftaten in Ostfriesland, die nicht angezeigt wurden

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 29.06.2023 17:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. Opfer häuslicher Gewalt zeigen die Taten teilweise nicht an. Eine Dunkelfeldstudie kann der Polizei Aufschluss darüber geben, inwieweit ihr Kriminalität verborgen geblieben ist. Foto: Steffen/dpa
Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. Opfer häuslicher Gewalt zeigen die Taten teilweise nicht an. Eine Dunkelfeldstudie kann der Polizei Aufschluss darüber geben, inwieweit ihr Kriminalität verborgen geblieben ist. Foto: Steffen/dpa
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Bürger aus Ostfriesland sind für eine Dunkelfeldstudie ausgewählt worden. Sie sollen Fragen zu nicht angezeigten Straftaten beantworten – anonym. Das LKA will so sein Kriminalitäts-Lagebild ergänzen.

Ostfriesland - Wie sicher fühlen sich die Menschen in Ostfriesland beziehungsweise in Niedersachsen? Das fragt das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) im Rahmen einer Dunkelfeldstudie ab. Landesweit haben 40.000 zufällig ausgewählte Leute einen Fragebogen zugeschickt bekommen. „Zu den befragten Personen gehören auch Einwohner in den Landkreisen Aurich, Wittmund und Leer“, teilte das LKA auf Anfrage unserer Redaktion mit. „In der Stadt Emden gibt es keine Befragten.“

Was und warum

Darum geht es: Um eine Studie zu Straftaten, die nicht angezeigt wurden.

Vor allem interessant für: Opfer von Kriminalität

Deshalb berichten wir: Weil Bürger aus Ostfriesland angeschrieben wurden, auf dass sie sich an der Dunkelfeldstudie beteiligen.

Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens informierte kürzlich per Pressemitteilung: „Die Dunkelfeldstudie ermöglicht es uns, über das Hellfeld hinauszuschauen und Erkenntnisse über Straftaten zu sammeln, die nicht angezeigt werden. Aus diesem Grund leistet jede und jeder, die oder der an der Dunkelfeldstudie teilnimmt, einen wichtigen Beitrag, um Polizei und Politik zu helfen, ein möglichst realitätsnahes Bild vom Sicherheitsgefühl der Menschen und der tatsächlichen Kriminalitätslage im Land zu erhalten. Auf dieser Basis können wir Maßnahmen entwickeln, um die Sicherheit der niedersächsischen Bevölkerung noch weiter und nachhaltig zu verbessern.“

Regionale Erkenntnisse für die Polizeiarbeit

Die Polizeidirektion Oldenburg wies ebenfalls auf die Bedeutung der Studie hin: „Es gibt viele Gründe, warum eine Straftat nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht wird“, so Polizeipräsident Johann Kühme. „Die Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamts ist deshalb auch für die Polizeidirektion Oldenburg von großer Bedeutung, weil sie dazu beiträgt, ein möglichst umfassendes Bild vom Sicherheitsgefühl der Menschen in unserer Region zu ermitteln. Die Ergebnisse der Studie helfen der Polizei, in ihrer Arbeit noch besser zu werden – wir können hieraus wertvolle Erkenntnisse zu Kriminalitätsschwerpunkten und bestimmten Entwicklungen ziehen und unsere Ermittlungs- und Präventionsarbeit auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort anpassen. Vor diesem Hintergrund wünsche ich mir, dass möglichst viele Menschen aus dem Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Oldenburg an der Studie teilnehmen.“

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Die Innenministerin merkte an, dass sie eine gewisse Unruhe in der Gesellschaft wahrnehme: „Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich durch eine veränderte Arbeitswelt, aber auch durch Krisen wie die Corona-Pandemie und Putins Angriffskrieg auf die Ukraine verunsichert. Daher haben wir einen Teil der Studie auch solchen Themen gewidmet, um das Ausmaß und die möglichen Konsequenzen der Verunsicherung greifbar machen und besser darauf reagieren zu können.“

Was ist überhaupt eine Dunkelfeldstudie?

Die „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität“, so der offizielle Titel der Dunkelfeldstudie, habe sich als weiteres Standbein zur ganzheitlichen Beschreibung der Kriminalitätslage etabliert, erklärt das LKA – neben der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die Daten zu angezeigten Straftaten enthält und so das „Hellfeld“ abbildet. Die Dunkelfeldstudie ergänzt die Daten der PKS also um jene Taten, die Menschen nicht angezeigt haben – das Dunkelfeld.

Die Studie umfasse aber weit mehr, erläutert das LKA: „So setzt sich die Studie thematisch wiederkehrend mit dem tatsächlichen individuellen Kriminalitätserleben – Opferwerdungen, dem Anzeigeverhalten oder den Folgen erlebter Straftaten – und der Bewertung der Polizei auseinander und behandelt zudem die Bewertung der Nachbarschaft sowie die Kriminalitätsfurcht der Befragten.“

Inwieweit vertrauen die Bürger der Polizei?

Zusätzlich erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem LKA in jeder Studie ein aktuelles, polizeilich relevantes Phänomen: „Dabei geht es in diesem Jahr auch um das Vertrauen der Menschen in die (Polizei-)Behörden in Niedersachsen – und das ist für uns die Basis unserer Arbeit“, so LKA-Präsident Friedo de Vries. „Die Erkenntnisse der Dunkelfeldstudie helfen uns folglich nicht nur, Kriminalprävention und Kriminalitätsbekämpfung gezielter auszurichten, sondern auch zu überprüfen, wie wir für Opfer und Zeugen von Straftaten ansprechbar bleiben – oder wo wir besser werden müssen.“

Zurückliegende und aktuelle Krisen, insbesondere die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, haben zu einer Polarisierung in Teilen der Gesellschaft beigetragen und zum Teil auch der Verbreitung von Verschwörungstheorien Vorschub geleistet, heißt es in der Pressemitteilung weiter: „In diesem Kontext versprechen sich die Spezialistinnen und Spezialisten des LKA Niedersachsen von der diesjährigen Studie Erkenntnisse über das Vertrauen in staatliche Institutionen sowie die Demokratie an sich. Auch über einen effektiveren Umgang mit Falschinformationen soll die Dunkelfeldstudie Aufschluss geben.“

Weitere Informationen zur Dunkelfeldstudie

Alle ausgewählten Studienteilnehmenden erhalten drei Schreiben: Eine Ankündigung der Befragung, einige Tage später die Befragungsunterlagen (Fragebogen und einen an das LKA Niedersachsen adressierten frankierten Rückumschlag) sowie ein letztes kombiniertes Dank-/Erinnerungsschreiben. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig und anonym. Eine Beteiligung ist laut Polizeidirektion Oldenburg bis zum 14. Juli möglich.

Für Bürgerinnen und Bürger, die Fragen zur Dunkelfeldstudie haben, hat das LKA eine Projekthotline unter der Telefonnummer 0511 / 9873-1298 eingerichtet. Weitere Informationen finden sich auch auf der Internetseite des LKA.