Wirtschaft im Kreis Leer  Das plant Remarc am neuen Standort in Uplengen

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 26.06.2023 15:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Unternehmerpaar Andreas und Sandra Bruns freut sich über den Umzug nach Uplengen. Foto: Ortgies
Das Unternehmerpaar Andreas und Sandra Bruns freut sich über den Umzug nach Uplengen. Foto: Ortgies
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Der Umzug von Remarc aus Leer nach Jübberde ist fast abgeschlossen. Hier will man Neues ausprobieren.

Uplengen - So ganz fertig ist man noch nicht, doch lange dauert das nicht mehr. Der neue Standort von Remarc in Jübberde ist zum Leben erwacht. Nach fast 90 Jahren verlässt das Unternehmen Leer.

Was und warum

Darum geht es: Das Unternehmen Remarc ist nach Uplengen gezogen. Jetzt öffnet es erstmals seine Tore.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Wirtschaft im Landkreis Leer interessieren

Deshalb berichten wir: Remarc hat sich für den Umzug aus Leer heraus entscheiden.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Dort hatte man an der Reimersstraße seinen Sitz. Doch vor einigen Jahren kam die Idee auf, etwas zu verändern. „In Leer gab es für uns einfach kein passendes Grundstück. Hier in Uplengen haben wir es und sind nah an der Autobahn“, sagt Andreas Bruns, dem zusammen mit seiner Frau Sandra das Unternehmen gehört. Remarc produziert Gartengeräte aller Art – von Rasentraktoren über Universalsauger bis hin zu Gartenhäckslern, Vertikutierern und Kehrmaschinen. Alle Produktionsschritte, von der Konstruktion bis zur endgültigen Fertigstellung, hat das Unternehmen selbst in der Hand.

Zeichnung zu Weihnachten

Und so reifte die Idee, sich umzuschauen. In Uplengen wurde man fündig. Ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück war zu haben. Perfekt für die Vision des Paares. „Das Grundstück ist quasi auf uns zugeschnitten“, so Andreas Bruns. Generell hat das Paar viel Arbeit in die Planung gesteckt. „Den ersten Entwurf habe ich Weihnachten 2021 gezeichnet. Fast alles kam auch so“, sagt Sandra Bruns. Tatsächlich ist der Raumschnitt wie auf den Entwürfen. Einzig die Fenster haben sich aus statischen Gründen etwas verändert. „Und zwei Türen wurden versetzt“, sagt Sandra Bruns und lacht.

Noch liegt in der neuen Halle vieles herum: Der Umzug ist in vollem Gang. Foto: Ortgies
Noch liegt in der neuen Halle vieles herum: Der Umzug ist in vollem Gang. Foto: Ortgies

Die Halle selbst hat eine Größe von 8.700 Quadratmetern, in etwa so groß wie in Leer. Aber die neue Halle entspricht einem hohen energetischen Standard. Außerdem ist sie deutlich höher. Das Paar hat beim Bau an die Zukunft gedacht. Es ist beispielsweise möglich, ein Kransystem in der Halle zu installieren. Hätte man das nicht von vornherein vorbereitet, wäre aufgrund der Statik eine Nachrüstung nicht möglich. Nun heißt es, die Anlagen nach und nach an den neuen Standort zu bekommen. „Der Lkw fährt seit Anfang Juni täglich hin und her“, sagt Vertriebsleiter Jörg Kollecker. Viele Anlagen sind schon in Uplengen.

Neue Chancen

In Uplengen will das Unternehmerpaar neue Wege beschreiten. So ist der Plan, die Technologie auch für Aufträge zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es auf der einen Seite um das Pulververfahren. Dieses sei darauf ausgelegt, dass alle Hohlräume von Maschinen erreicht werden können, was meist nicht möglich ist. Das diene dann als Korrosionsschutz. „Auch den Stahlbau wollen wir als Dienstleistung anbieten“, sagt Andreas Bruns. Am alten Standort in Leer sei dies wegen der Zufahrten gar nicht möglich gewesen.

Viele Geräte sind so hoch, dass sie in der alten Halle nicht aufgebaut werden konnten. Foto: Ortgies
Viele Geräte sind so hoch, dass sie in der alten Halle nicht aufgebaut werden konnten. Foto: Ortgies

Gleichzeitig verbrauche der neue Standort deutlich weniger Energie. Einige der Geräte, wie der Laserschneider, brauchen deutlich weniger Energie bei mehr Leistung. In die Halle in Leer konnte man sie aus Platzgründen aber nicht einbauen. Viel Strombedarf wird über die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gedeckt. „Zudem haben wir 21 Wärmepumpen“, so der Inhaber.

Bald alles in Uplengen

Für Jörg Kollecker gibt es einen weiteren Vorteil: Die Wege sind kürzer als früher. So könne man immer mal in die Halle schauen, ob alles klappt. Der Umzug ist nun in den letzten Zügen. „Der Ersatzteilversand ist noch in Leer. Der kommt innerhalb der nächsten drei Wochen her“, so Kollecker. Anfang August soll alles erledigt sein. Auch die Inhaber sind zufrieden: „Es hat alles gut geklappt“, sagt Andreas Bruns. Tatsächlich ist man sogar schneller als erwartet. Vor zwei Jahren hieß es noch, dass man den Umzug für Herbst 2023 plane. Der klappt nun einige Monate früher.

Vieles ist schon vorbereitet. Foto: Ortgies
Vieles ist schon vorbereitet. Foto: Ortgies

Klar ist aber auch: Leer verliert ein großes Unternehmen, während Uplengen eins gewinnt. „Uns als Gemeinde freut das sehr. Die Firma ist für uns ein Gewinn“, sagte Uplengens Bürgermeister Heinz Trauernicht bei der Vorstellung des Projektes vor zwei Jahren. Den Umzug von Leer aufs Dorf habe man sich gut überlegt, so das Unternehmerpaar. Ein ausschlaggebender Grund sei der Umstand gewesen, dass die alte Fabrik gepachtet sei. Die Hallen müssten umfassend saniert werden. Sie seien nicht mehr zeitgemäß. Außerdem habe sich die Wohnbebauung rund ums Betriebsgelände verdichtet. Das neue Grundstück der Remarc GmbH liegt an der Hollener Straße. Von dort werde die Zufahrt für die Pkw sein. Der Lkw-Verkehr werde über die Robert-Bosch-Straße zum neuen Firmengelände geleitet.

Geschichte des Unternehmens

Rückwärts gelesen bedeutet der Firmenname Remarc Cramer. Damit ist man bei den Anfängen des Traditionsunternehmens, das seit mehr als 185 Jahren in Leer beheimatet war. Es befindet sich heute wieder vollständig in Privatbesitz und ist inhabergeführt. Die Ursprünge der Remarc GmbH reichen ins Jahr 1835 zurück, als Lüpke Spanjer in Leer an der Wörde eine Schmiede und Werkstatt für den Bau von Mühlentechnik in Betrieb nahm. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen Stiefsohn Lüppo Cramer die Leitung.

Vertriebsleiter Jörg Kollecker will am neuen Standort loslegen. Foto: Ortgies
Vertriebsleiter Jörg Kollecker will am neuen Standort loslegen. Foto: Ortgies

1920 war aus der kleinen Werkstatt ein für damalige Verhältnisse moderner Entwicklungs- und Produktionsbetrieb geworden. Mit dem Umzug in Hallen an der Reimersstraße hatte die Serienanfertigung von Steinschrotmühlen Fahrt aufgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte man die Produktpalette um Landmaschinen wie Heugebläse, Hackgeräte und Kartoffellegemaschinen. Seit Ende der 1970er Jahre werden in der Fabrik Maschinen und Geräte für die Garten- und Landschaftspflege gefertigt.

Seit Januar 2021 firmiert die Maschinenmarke Cramer unter dem Namen Remarc. Das habe mit der Rückabwicklung des Teilverkaufs des Unternehmens vor einigen Jahren an die chinesische Globe-Group zu tun, erklärte Andreas Bruns die Umbenennung. Sie diene der Abgrenzung zu den in Deutschland entwickelten und produzierten bisherigen Cramer-Geräten. Seit 2012 besitzt der Maschinenbauingenieur Anteile am Unternehmen. Seit Juni 2021 sind die Eheleute alleinige Eigentümer.

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