Nach Eltern-Protesten  Landkreis Leer ändert Vergabepraxis für Kindergarten-Plätze

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 24.06.2023 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Glücklich sind in Leer die Eltern, die für ihre Kinder tatsächlich einen Betreuungsplatz finden. Symbolfoto: Charisius/dpa
Glücklich sind in Leer die Eltern, die für ihre Kinder tatsächlich einen Betreuungsplatz finden. Symbolfoto: Charisius/dpa
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Viele Eltern in Leer kritisieren ein undurchsichtiges und ungerechtes Vergabesystem für die Kindergartenplätze. Das sieht auch der Landkreis so und verspricht Abhilfe.

Leer - Undurchsichtig und ungerecht sei das aktuelle Vergabeverfahren für Kindergartenplätze in Leer, hatten sich Eltern bei der Redaktion gesagt. Ohne Beziehungen habe man kaum eine Chance. Es gebe Kinder, die in die Schule kämen, ohne einen einzigen Tag in den Kindergarten gehen zu können. Sie seien von Vornherein benachteiligt.

Was und warum

Darum geht es: Der Landkreis wird das Vergabeverfahren für die Kindergartenplätze verändern. Es soll ein nachvollziehbares und bindendes Punktesystem geben.

Vor allem interessant für: Eltern von Kindergartenkindern, Leitung und Personal der Kitas

Deshalb berichten wir: Eltern beschweren sich vehement über ein ungerechtes Vergabeverfahren für Kindergartenplätze in Leer.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Diesem Eindruck widersprach Ute Buntrock, Dezernentin für Ordnung, Jugend, Soziales, Schulen und Gesundheit beim Landkreis, bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags ausdrücklich nicht. Der Landkreis habe erkannt, dass dringender Handlungsbedarf bestehe, und wolle das Vergabesystem ändern und das nach Möglichkeit schon für das Kindergartenjahr 2024/25.

Geringe Chancen in der zweiten und dritten Runde

Bisher läuft es so: Die Eltern melden ihre Kinder online über ein zentrales System an. Dabei geben sie ihre Erst-, Zweit- und Drittwunsch-Einrichtung an. In der Folge werden erst alle Erst-Wünsche verteilt. Die Entscheidung, welche Kinder sie aufnehmen, treffen die Einrichtungen jeweils selbst. Nach welchen Kriterien sie das tun, ist ihnen überlassen. Sie dürfen nur niemanden diskriminieren.

Sind die Erst-Wünsche verteilt, werden die Zweit-Wünsche von denen bearbeitet, die bei den Erst-Wünschen leer ausgegangen sind. Allerdings sind in dieser Runde die Chancen schon deutlich kleiner, weil in der ersten Runde schon die meisten Plätze verteilt wurden. Wer auch in der zweiten Runde nicht zum Zuge kam, kann noch auf die letzte Runde hoffen, auch wenn die Chancen da noch geringer sind.

Kinder, die dringend einen Platz brauchen, gehen leer aus

Weil es keine bindenden Auswahl-Kriterien gibt, bleiben Kinder von alleinerziehenden Berufstätigen ebenso ohne Betreuungsplatz, wie Vorschulkinder oder Kinder, die der deutschen Sprache noch schlecht mächtig sind: alles Kinder, die besonders dringend auf einen Platz in einer Kindertagesstätte angewiesen wären.

Der Landkreis hat die Zuständigkeit für die Kindertagesstätten zum August des vergangenen Jahres von der Stadt übernommen. Vorausgegangenen war ein jahrelanger Streit über die finanzielle Beteiligung des Landkreises an den Betriebskosten. Der Kreis ist laut Gesetz zuständig für die Kinderbetreuung, hatte die Zuständigkeit aber per Vertrag an seine Kommunen übertragen. Diesen Vertrag hat die Stadt Leer gekündigt, nachdem man sich nicht einigen konnte. Bei der Übernahme habe man – um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten – alle Regelungen zunächst eins zu eins von der Stadt übernommen, auch die Vergabepraxis, machte Buntrock deutlich, wer für das aktuelle Dilemma verantwortlich ist. „Das System, was wir übernommen haben, sollte nicht so bleiben und wird nicht so bleiben.“

Nur zwei Einrichtungen haben bisher ein Punktesystem

Eine Befragung der Träger der Leeraner Kitas habe ergeben, dass es nur in zwei Einrichtungen ein festes Punktesystem gebe, nach dem die Plätze vergeben werden. Dabei sei auch den anderen Leitungen klar, dass deren Praxis „schwierig“ sei, für den Fall, dass Eltern klagten, so Buntrock. Grundsätzlich wollten aber alle Träger ein gerechtes, transparentes und einheitliches Vergabesystem. Nun gelte es, gemeinsam ein Bewertungs- und Punktesystem zu finden, mit dem alle zufrieden seien. Das gelte übrigens nicht nur für die Stadt Leer, sondern für den gesamten Landkreis.

Für die Eltern, die im vor der Türe stehenden Kindergartenjahr wohl leer ausgehen werden, kommt das allerdings zu spät. Die Betroffenen täten ihr unglaublich leid, sagte Buntrock. „Wir haben gemacht, was wir konnten. Aber wenn 200 Plätze fehlen, können wir die auch nicht aus dem Hut zaubern.“

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