Wachtmeister als Bademeister  Gewalt in Großstadt-Bädern – Verbalattacken in Ostfriesland

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 22.06.2023 19:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In manchem Berliner Freibad passen nicht nur Bademeister, sondern auch Sicherheitsdienst-Mitarbeiter auf. Foto: Zinken/dpa
In manchem Berliner Freibad passen nicht nur Bademeister, sondern auch Sicherheitsdienst-Mitarbeiter auf. Foto: Zinken/dpa
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Nach Gewaltexzessen in Schwimmbädern werden strengere Sicherheitsvorkehrungen gefordert. Ostfriesische Einrichtungen haben sich vorbereitet, um im Notfall nicht sprichwörtlich baden zu gehen.

Berlin/Ostfriesland - Insbesondere in der Freibad-Saison geht es offenbar derart hitzig zu, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb strengere Einlasskontrollen, wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtet: „Diese sollten von privaten Sicherheitsunternehmen unterstützt werden, um das Hausrecht von Beginn an deutlich machen“, sagte der Bundesvorsitzende Jochen Kopelke dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND).

Die DPA schildert mehrere Polizeieinsätze: In einem Berliner Freibad musste demnach die Polizei nach einer Schlägerei am Mittwoch helfen, die vorzeitige Schließung durchzusetzen. In einem Mannheimer Bad habe es bei Tumulten am Wochenende sogar Verletzte gegeben. In Pankow sollen sich in dieser Woche 30 Personen geprügelt haben.

Wie ist die Situation in einer ländlichen Region wie Ostfriesland?

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister sprach sich laut DPA für mehr Unterstützung durch die Polizei aus. Diese solle auf Streifenfahrten auch in Bädern vorbeischauen, forderte dessen Präsident Peter Harzheim in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Denn: „Wir erleben zunehmend Aggression und Respektlosigkeit in den Bädern.“ Insbesondere Kolleginnen seien betroffen und würden zum Teil auch bedroht. Harzheim merkte an: „Die Probleme konzentrieren sich sehr stark auf Bäder in Großstädten.“

Schlägt dieses Problem also in ländlichen Regionen nicht so hohe Wellen? Unsere Redaktion hat sich am Donnerstag in Ostfriesland kurzfristig bei der Polizei und in Schwimmbädern umgehört. Die Friesentherme Emden teilte mit: „Derzeit sind keine gewalttätigen Auseinandersetzungen zu verzeichnen. Die Lage ist friedlich und stabil.“

Das Leeraner Plytje verhängt verschiedene Hausverbote

Aus dem Leeraner Plytje kam die Auskunft, „dass es noch zu keiner körperlichen Gewalt gekommen ist“. Aber: „Es ist eine Tendenz erkennbar, dass die Regeln der Haus- und Badeordnung trotz Ermahnungen nicht eingehalten werden und es seitens der Nutzer zu massiven verbalen Attacken und respektlosem Verhalten gegenüber unserem Personal kommt“, schreibt die Geschäftsführung. Insbesondere Mitarbeiterinnen seien „von dieser Aggression betroffen“.

Bereits vor ein paar Wochen hat sich die Plytje-Leitung mit der Polizei über vorbeugende Maßnahmen unterhalten: „Uns wurde geraten, dass ein einheitliches Durchgreifen des gesamten Personals ausschlaggebend ist, um Ausschreitungen einzugrenzen.“ Im Plytje sei ein „Verstößekatalog“ entwickelt worden, „mit dem für jeden Mitarbeiter klar ist, wie in Konfliktsituationen zu handeln ist und wie die unterschiedlichen Verstöße zu ahnden sind“. Straftaten wie Nötigung, Drohung, Sachbeschädigung und Körperverletzung seien sofort anzuzeigen. „Durch unser striktes Durchgreifen kommt es häufig zu Tageshausverboten“, heißt es weiter. „Derzeit bestehen zwei empfindliche Langzeithausverbote.“

Auricher Schwimmbad-Personal von der Polizei geschult

Auch im Auricher „De Baalje“ wird registriert, dass sich Schwimmbad-Besucher häufiger den Anweisungen des Personals widersetzen, so die dortige Stadtverwaltung. Gewalttätige Auseinandersetzungen habe es noch nicht gegeben – aber man habe das Schwimmbad-Personal im Frühjahr vorsorglich von der Polizei schulen lassen, wie deeskalierend gehandelt werden könne. Zudem seien Maßnahmen vorbereitet worden, falls es zu Zwischenfällen komme. Ein Wachdienst sei in diese Planung einbezogen.

Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund teilte mit: „In den Landkreisen Aurich und Wittmund sind derartige Gewalttaten, Tumulte oder größere Auseinandersetzungen in Schwimmbädern für den Zeitraum Januar 2022 bis Juni 2023 nicht festzustellen.“ Auch die Polizeiinspektion Leer/Emden berichtet für diesen Zeitraum: „Tatsächlich gab es in den vier Schwimmbädern im Landkreis Leer und der Stadt Emden keine derartigen Vorfälle.“ Aber: „Im Mai 2022 kam es nach Streitigkeiten in der Friesentherme in Emden zu einer wechselseitigen Körperverletzung zwischen zwei Personen.“

Wie die Polizei in Emden einen Dusch-Exzess beendete

Ansonsten handle es sich bei den Einsätzen im Zusammenhang mit Schwimmbädern um Diebstähle sowie um Sachbeschädigungen. Im Plytje seien im November 26 Spindschlüssel verbogen worden. In Emden wurde die Polizei im April 2022 in die Friesentherme gerufen, weil eine Person dort sechs Stunden lang geduscht hat. Die Wachmeister waren als Bademeister erfolgreich: Auf ihre Ansprache hin habe sich die Person angezogen und das Schwimmbad verlassen.

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