Skandal um Nabu-Weideprojekt Noch mehr tote und kranke Koniks in Leer
Im Skandal um die Nabu-Beweidungsprojekte in Leer kommen immer mehr traurige Details ans Licht. Nach dem Tod zweier Kälber und Konik-Fohlen wurden jetzt noch weitere Vorfälle bekannt.
Nüttermoor/Coldam - Die Vorfälle sorgten bei Tierfreunden in ganz Ostfriesland für Trauer und Bestürzung: Im Mai verletzten sich zwei Heckrindkälber im Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor so schwer, dass sie eingeschläfert werden mussten. Keine Einzelfälle. Nabu-Chef Dr. Holger Buschmann hat inzwischen bestätigt, dass auf der Fläche auch zwei Konik-Fohlen verendet sind. Und das ist noch nicht alles.
Was und warum
Darum geht es: Es gibt weitere kranke und tote Tiere in den Nabu-Beweidungsprojekten in Leer.
Vor allem interessant für: alle, die sich für Tier- und Naturschutz interessieren
Deshalb berichten wir: Der Nabu-Skandal weitet sich aus. Wir bleiben dran. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Nach Buschmanns Worten sind die toten Fohlen im vergangenen Monat von den Tierbetreuern entdeckt worden. „Die Todesumstände sind bislang nicht vollständig geklärt“, so der Vorsitzende des Nabu Niedersachsen. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die Tiere in einem Graben steckengeblieben und dort verendet. Doch es gibt offenbar noch weitere Probleme. Das hat der Landkreis jetzt auf Nachfrage bestätigt. Aktuell wurde bei zwei Koniks eine Lahmheit festgestellt. Ein Tier hatte offenbar einen Bruch. „Es musste erlöst werden“, teilte Landkreissprecher Jens Gerdes mit. Ein weiteres Pferd lahmt aufgrund einer Hufrehe-Erkrankung. „Leider wird man Krankheiten, Unfälle oder auch eine natürliche Sterblichkeit auch in diesen Beweidungsprojekten, nie komplett vermeiden können“, macht Buschmann deutlich.
Tiere leiden unter Wurmbefall
Nach Auskunft von Gerdes liegt inzwischen der pathologische Befund eines Heckrindkalbs vor. „Es ergab sich ein hochgradiger Parasitenbefall und ein schlechter Ernährungszustand“, so Gerdes weiter. Inzwischen sind auf Anordnung des Landkreises Kotproben von der Weide Thedingaer Vorwerk genommen worden. Dabei seien laut Dr. Holger Buschmann Eier verschiedener Parasiten festgestellt worden. Ein starker Parasitenbefall kann bei Weidetieren zu einem schlechten Ernährungszustand führen. Das ist nach Einschätzung des Diplom-Biologen aber nicht der Fall. Bei ganzjährig auf der Weide lebenden Tieren sei das keine Besonderheit. „Die Pferde und Rinder sind grundsätzlich in einem guten Zustand und es ist keine Unterversorgung erkennbar“, stellt Buschmann klar. Das Veterinäramt war zu einer anderen Einschätzung gekommen. Danach wiesen mehrere Tiere einen nicht ausreichenden Ernährungszustand auf.
„Wir sind intensiv dabei, die Anordnungen, die uns vom Veterinäramt Leer aufgetragen wurden, umzusetzen“, so Buschmann weiter. Dafür seien nach seinen Worten zwei neue Mitarbeitende zusätzlich eingestellt worden. „Die Tiere werden zweimal täglich durch die Mitarbeitenden kontrolliert und ausreichend mit Wasser und Futter versorgt.“ Unterstützung erhält der Nabu Niedersachsen bei seinem Weideprojekt von ehrenamtlichen Helfern der NABU-Gruppen Leer, Moormerland und Rheiderland.Politik fordert vom Kreis Leer Aufklärung zu toten Kälbern und Fohlen
Heckrinder und Konikpferde sollen spätestens im September weg
Heckrinder-Flüsterin zähmt verwilderte Herden
Ehrenamtliche im Einsatz
Gemeinsam mit Buschmann und einigen hauptamtlichen Mitarbeitern wurden bestehende Zäune gepflegt und ein neuer Zaun zur Abgrenzung der Konik-Pferde von den Heckrindern gezogen, teilte der Nabu Ostfriesland in einer Pressemitteilung mit. Der Zaunbau ist laut Nabu notwendig, um Pferde und Rinder zu trennen. Damit sollen die Heckrinder wieder zu den Unterständen im vorderen Bereich der Fläche gelockt werden. Ohne diese Trennung würden die Koniks den Rindern das Lockfutter wegfressen. Mit dieser vom Landkreis angeordneten Lockfütterung sollen die Blutentnahme bei den Heckrindern und die Reduzierung der Tiere vorbereitet werden.
Wegen der massiven Haltungs- und Ernährungsmängel hatte der Landkreis im Mai ein Machtwort gesprochen: Der Nabu Niedersachsen muss ein Konzept für eine tierschutzgerechte Auflösung der Herden im Kreisgebiet vorlegen und die Beweidungsprojekte bis zum Ende dieses Jahres beenden.