Osnabrück  Das geht auf keine Kuhhaut: Woher kommt der Spruch?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 23.06.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das geht auf keine Kuhhaut: Wir sagen das so einfach. Aber was hat das Tier mit unserem Ärger zu tun? Foto: www.imago-images.de/epd
Das geht auf keine Kuhhaut: Wir sagen das so einfach. Aber was hat das Tier mit unserem Ärger zu tun? Foto: www.imago-images.de/epd
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Das geht auf keine Kuhhaut: Wer sagt das heute noch? Und vor allem: Was hat die Kuh damit zu tun, wenn es uns einfach zu bunt wird? Eine Spurensuche.

Manchem bleibt einfach mal die Spucke weg. Oder er fühlt sich wie auf dem Gipfel der Unverschämtheit. Es gibt eine Redewendung, die das Gleiche meint, aber doch jeder Beschreibung spottet: Das geht auf keine Kuhhaut!

Wer sagt das heute noch? Ich denke, dass diese Redewendung aus der Mode kommt. Das erstaunt mich, weil der Spruch früher in aller Munde war. Wenn etwas einfach zu viel war oder als nicht hinnehmbar erschien, dann war der Ausruf da: Das geht doch auf keine Kuhhaut! Wer das sagte, dem war der Kragen geplatzt, der musste seinem Ärger unbedingt Luft machen.

Aber was hat das alles mit der Kuh zu tun? Warum muss ausgerechnet sie herhalten, wenn es darum geht, auf eine Zumutung mit einem nachdrücklichen Basta zu reagieren? Die Geschichte, die hinter dem Spruch steckt, kommt aus dem Mittelalter.

Damals hieß es, dass der Teufel die Sünden der Menschen auf Tierhäute schreibe, meistens die von Ziegen oder Schafen. Was dagegen auf nicht einmal auf die deutlich größere Kuhhaut passte, überstieg jedes Maß. Das geht auf keine Kuhhaut: Damit war in jenen fernen Zeiten ein ellenlanges Sündenregister gemeint.

Der Spruch liefert ein gutes Beispiel dafür, wie bildhafte Alltagssprache funktioniert. Auch wenn der eigentliche Zusammenhang vergessen ist – der Sinn wird weiter erinnert. Ich finde das faszinierend, weil es zeigt, wie beharrlich das kollektive Gedächtnis weiterwirkt.

Trotzdem kommt der Spruch so allmählich aus der Mode. Das gilt auch für Redewendungen mit gleicher Bedeutung. Das schlägt dem Fass den Boden aus! Oder: Da bleibt einem die Spucke weg! Ich höre diese Redewendungen nur noch selten.

Das liegt nicht nur am ganz normalen Generationenwechsel. Ich finde, dass wir uns auch allzu sehr angewöhnt haben, auf Ärgernisse mit einem abschwächenden Spruch zu reagieren. Think positive: Diese Maxime hat die Alltagssprache verändert. Leider.

Denn ich finde es gut, wenn man auch einmal mal klar sagt, dass einem etwas zu viel wird. Das Diktat des positiven Denkens zum Beispiel. Da denke ich dann manches Mal: Das geht auf keine Kuhhaut!

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