Hamburg  Machokultur und Aggression: Bademeister-Chef fordert mehr Polizei am Beckenrand

Dirk Fisser
|
Von Dirk Fisser
| 22.06.2023 01:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Problemzone Freibad: Die Berichte über Konflikte in und an den Schwimmbecken häufen sich. Deutschlands oberster Bademeister fordert Polizeipräsenz. Foto: dpa/Georg Wendt
Problemzone Freibad: Die Berichte über Konflikte in und an den Schwimmbecken häufen sich. Deutschlands oberster Bademeister fordert Polizeipräsenz. Foto: dpa/Georg Wendt
Artikel teilen:

Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Freibädern. Massenschlägereien und Messerattacken sorgen für Schlagzeilen. Wer sind die Täter? Was die Ursachen?

Die Freibad-Saison hat gerade erst begonnen und schon häufen sich wieder Polizeimeldungen über Gewaltausbrüche am Beckenrand. Am Sonntag beispielsweise in Mannheim, wo 40 junge Männer an einer Massenschlägerei beteiligt waren. Zudem soll ein Messer gezückt worden sein. Auch in Berlin-Pankow kam es zu Auseinandersetzungen, 30 Jugendliche setzten Sicherheitsmitarbeitern schwer zu.

Peter Harzheim fordert Konsequenzen. Er ist Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister. Die Polizei müsse mehr Präsenz in Freibädern zeigen, lautet seine Forderung: „Wir erleben zunehmend Aggression und Respektlosigkeit in den Bädern. Die Polizei sollte auf Streifenfahrten daher auch in Bädern vorbeischauen, um zu signalisieren: Auch hier gilt Recht und Gesetz.”

Die Zeiten am Beckenrand hätten sich geändert, berichtet Harzheim. Er beklagt, dass Schwimmmeister häufig nicht mehr als Respektsperson wahrgenommen würden, besonders Kolleginnen seien betroffen und würden zum Teil auch bedroht.

Allerdings: Das Phänomen sei nicht bundesweit zu beobachten. „Die Probleme konzentrieren sich sehr stark auf Bäder in Großstädten”, sagt Harzheim. „Freibäder sind Orte, an denen viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen. Das birgt Potenzial für Stress.”

Der äußere sich dann beispielsweise in Massenschlägereien, die es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben hat. Harzheim weiter: „Man muss schon sagen: Es hat sich in vielen Städten eine Machokultur breit gemacht, die sich nicht an Regeln hält – das merkt man in den Freibädern.”

Der Verbandschef betont, dass der Beruf des Schwimmmeisters nach wie vor ein schöner und vielfältiger Beruf sei. Auch Freibäder seien weit überwiegend Orte, an denen Menschen friedlich ihre Freizeit verbinden. „Damit sich die Probleme aber nicht verstetigen, sind wir auch die Präsenz der Polizei angewiesen.”

Aus Berlin heißt es, in den Freibädern der Hauptstadt seien 170 Wachleute privater Sicherheitsfirmen unterwegs, Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro pro Jahr. In manchen Bädern sollen zudem junge Konfliktlotsen des Projekts „Bleib cool am Pool“ an heißen Wochenenden die Gemüter in den Warteschlangen am Sprungturm, an der Rutsche und im Kinderbecken beruhigen.

Sie berichten, dass viele Randalierer bekannt seien, ein Hausverbot sei aber kaum zu kontrollieren, so dass es immer wieder zu Problemen mit denselben jungen Männern käme. Insgesamt gut 1300 Hausverbote haben die Berliner Bäderbetriebe in den vergangenen fünf Jahren ausgesprochen.

Ähnliche Artikel