Saterland und Friesoythe  Zuspruch für eine Kombi aus Rufbus und Taxi

Heiner Stix
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Von Heiner Stix
| 21.06.2023 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Rufbusse im Landkreis Cloppenburg: Derzeit wird über die Zukunft von Moobil+ diskutiert. Foto: Landkreis Cloppenburg
Die Rufbusse im Landkreis Cloppenburg: Derzeit wird über die Zukunft von Moobil+ diskutiert. Foto: Landkreis Cloppenburg
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Der Rückzug zweier Taxiunternehmer sorgt in der Politik für Sorgenfalten. Gleichzeitig bekommt die Diskussion um Moobil+ nun eine neue Dynamik.

Friesoythe/Saterland - Die Entscheidung von Andre Stoppelmann und Heinz Schnieders, ihre Konzessionen für den Taxibetrieb in Friesoythe zurückzugeben, stößt in der Kommunalpolitik auf Verständnis, sorgt aber gleichzeitig auch für Sorgenfalten. Denn sowohl für Jugendliche als auch für ältere Menschen, so der Bürgermeister und die Vorsitzenden der Ratsfraktionen, entstehe damit eine Lücke, die sich durch das Rufbussystem moobil+ nicht schließen lasse. „Für uns und für das junge Friesoythe ist das eine Katastrophe“, sagt etwa Bürgermeister Sven Stratmann. „Wir haben damit kein Angebot mehr, mit dem nach der Party eine sichere Heimfahrt garantiert ist.“

Natürlich würden Eltern, Polizei und auch die Kommune versuchen, jungen Menschen immer wieder klarzumachen, dass sie in betrunkenem Zustand nicht mehr Auto fahren dürfen, oder generell nicht bei fremden Menschen einsteigen sollen. „Aber was macht man, wenn man keine Option für den Heimweg nach Markhausen hat?“, formuliert er eine eher rhetorische Frage. „Vielleicht sinkt dann die Hemmschwelle und man steigt mit zwei oder gar drei Promille doch noch ins Auto, nimmt am Ende noch Freunde mit.“ Letztlich, sagt er, sei dann eben auch die öffentliche Hand gefordert.

In Friesoythe haben Taxi-Unternehmer ihre Konzessionen zurückgegeben. Foto: Pixabay
In Friesoythe haben Taxi-Unternehmer ihre Konzessionen zurückgegeben. Foto: Pixabay

Das sagt die Politik

„Vielleicht muss man die öffentlich und privatwirtschaftlich betriebenen Verkehre miteinander kombinieren.“In diese Richtung gehen auch die Überlegungen von Renate Geuter, der Vorsitzenden der SPD/Grüne-Fraktion im Friesoyther Stadtrat, und von Lukas Reinken, Chef der CDU/FDP-Fraktion. „Wir hätten es schon zu Beginn von moobil+ begrüßt, wenn das Angebot der Taxiunternehmer mit einbezogen worden wäre“, sagt Geuter. Spätestens jetzt bei der Weiterentwicklung von MoobilPlus, sollte man darüber nachdenken, wo man die Taxen einbauen kann. „Wir können uns ein Pilotprojekt wie in Lohne und Dinklage im Landkreis Vechta auch bei uns gut vorstellen“, gibt sie das Meinungsbild ihrer Fraktion wieder.

Dem Vorschlag von Stoppelmann, moobil+ durch ein öffentlich subventioniertes Taxisystem zu ersetzen, erteilt sie hingegen eine Absage. Der hatte vorgeschlagen, statt des Rufbussystems moobil+ das Taxigewerbe als zweite Säule des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Landkreis zu finanzieren.

Gutes Gesamtsystem aufstellen

„Die Abschaffung von moobil+ in Kombination mit einer Wiederbelebung der Taxen funktioniert in einer Flächenkommune wie Friesoythe nicht“, sagt sie. Dazu seien die Ortsteile zu weit auseinander, die Strecken zu groß.

Lukas Reinken, hauptberuflich Wahlkreis-Abgeordneter im niedersächsischen Landtag, kommt bei der Analyse zu ähnlichen Ergebnissen. „Der Taxibetrieb ist teilweise nicht wirtschaftlich darstellbar“, sagt er. „Und da sind alle politischen Ebenen, auch die Kommunen, gefordert, ein gutes Gesamtsystem aufzustellen, in dem auch die Taxen eine Rolle spielen.“

Saterland für Pilot-Projekt

Dabei allerdings müsse zuerst der öffentliche Personennahverkehr in den Blick genommen werden. „Unsere Aufgabe ist es, ein ÖPNV-Angebot zu schaffen und dafür zu sorgen, dass es durch privatwirtschaftliche Angebote ergänzt werden kann“, sagt Reinken. moobil+ dürfe nicht so aufgestellt werden, dass das Taxigewerbe darunter leide. Als Konsequenz daraus könne auch er einem Modell wie im Landkreis Vechta, das beide Verkehrsanbieter kombiniert, viel abgewinnen.

Für Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland, dürften das gute Nachrichten sein. Er forciert eine Einbeziehung der Taxen in das Rufbussystem ganz besonders, denn in seiner Gemeinde schwächelt moobil+ in hohem Maße. „Trotz 9-Euro-Ticket hatten wir im Jahr 2022 nur 1500 Passagiere“, rechnet er vor. Gleichwohl sei der Bedarf an einem funktionierenden ÖPNV auch im Saterland vorhanden. „Aber ganz offensichtlich deckt das Angebot von moobil+ diesen Bedarf nicht“, sagt Otto. Vor diesem Hintergrund sei es widersinnig, das Rufbussystem mit Steuergeldern zu finanzieren und gleichzeitig ein privatwirtschaftliches Unternehmen kaputtzumachen. „Man muss einfach den Mut haben, einzugestehen, dass moobil+ so nicht funktioniert“, fordert er. Die Gemeindeverwaltung werde deshalb dem Rat vorschlagen, einer Weiterführung von moobil+ nur zuzustimmen, wenn ein Modell wie im Landkreis Vechta eingeführt werde. Seine Gemeinde, so Otto, sei gerne bereit, gemeinsam mit Friesoythe als Pilot-Kommune zu agieren.

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