Hamburg Vor Legalisierung: Hier gibt es bereits Cannabis Social Clubs in Niedersachsen
Bald sollen nach Plänen der Bundesregierung der Besitz einer geringen Menge Cannabis, der private Anbau zur Selbstversorgung sowie Vereine zum gemeinsamen Anbau legal werden. Einige dieser sogenannten Cannabis Social Clubs im Norden gibt es bereits. Unsere Karte zeigt, wo.
Die Idee der Cannabis Social Clubs stammt aus Spanien: Dort wird etwa seit der Jahrtausendwende der private Anbau von Hanfpflanzen zur Selbstversorgung geduldet - woraufhin sich in zahlreichen Städten Menschen zum gemeinsamen Anbau zusammengetan haben.
Darauf hoffen nun auch Konsumenten in Deutschland. Zwar sind die Pläne der Bundesregierung zu Anbaugemeinschaften nicht mit dem spanischen Modell vergleichbar – ein soziales Vereinsleben mit gemeinsamem Konsum etwa ist nicht vorgesehen – dennoch gibt es auch hierzulande bereits einige Cannabis Social Clubs (CSCs). Und es kommen immer weitere dazu.
In Niedersachsen gibt es laut dem Dachverband deutscher Cannabis Social Clubs (CSCD) bereits 13 CSCs - Tendenz steigend. Ein Großteil der Clubs wurde erst in den Wochen nach der Veröffentlichung des Eckpunktepapiers gegründet, unter anderem in Osnabrück, andere wiederum setzen sich bereits seit einigen Jahren mit dem Thema Cannabis auseinander und für die Legalisierung ein. So etwa der 2016 gegründete Cannabis Social Club Hannover, der Interessierten auch Unterstützung bei der Gründung ihres Clubs anbietet.
„Ich rate den Neugründern, sich als erstes mit Vereinsrecht zu befassen: Wofür ist eine Satzung, was gehört da rein und was nicht?“, sagt Henry Wieker, Vorsitzender des CSC Hannover, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Man legt mit der Satzung ja die Basis für den zukünftigen Betrieb, aber nicht, wie viele Pflanzen der Club haben darf oder dass man überhaupt Cannabis anbauen will. Darüber stolpert natürlich jedes für Vereinsregister zuständige Gericht.“
Drei der vom Dachverband aufgezählten niedersächsischen CSCs sind Mitglied im Dachverband und verpflichten sich laut CSCD damit, „besonders strenge Regeln bezüglich innerer Demokratie und vereinsinterner Solidarität einzuhalten“, wie es auf der Website des Verbands heißt. „Sie setzen sich in besonderem Maße für die Legalisierung ein.“
Und auch in allen anderen norddeutschen Bundesländern gibt es mittlerweile CSCs – vier in Schleswig-Holstein, jeweils einer in Hamburg und Bremen sowie drei in Mecklenburg-Vorpommern.
Noch wird allerdings in keinem der deutschen CSCs legal Cannabis angebaut, ebenso wenig dürfen dort Cannabis-Produkte verkauft werden. Es soll nach den vorläufigen Plänen der Bundesregierung aber zuerst in solchen Vereinen die Möglichkeit geben, legal Genuss-Cannabis zu beziehen – soweit die Konsumenten ihre Pflanzen nicht selbst zu Hause anbauen möchten.
„Die Abgabe in Fachgeschäften wird in einem zweiten Schritt als wissenschaftlich konzipiertes, regional begrenztes und befristetes Modellvorhaben umgesetzt“, heißt es im Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums.
Die Vorteile der CSCs betont auch der Hanfverband, der sich seit Jahren für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland einsetzt: „Anders als auf dem Schwarzmarkt ist bei Cannabis vom Verein nicht mit Streckmitteln oder synthetischen Cannabinoiden zu rechnen“, sagt Georg Wurth, Geschäftsführer der Interessenvertretung.
Allerdings betont er auch, dass nicht alle heute bestehenden CSCs mit einer Cannabis-Legalisierung auch zwangsläufig eine Betriebserlaubnis bekommen werden. Und: „Bisher ist noch gar nicht hundertprozentig sicher, dass es wirklich zu Anbauvereinen in Deutschland kommen wird. Es ist jedenfalls im Laufe des Gesetzgebungsprozesses mit erheblichem Widerstand von CDU/CSU und vielen weiteren Akteuren zu rechnen.“
An die geschäftsführenden Vorstände der Anbauvereine werden laut Hanfverband erhebliche Anforderungen gestellt. „Sie sollen staatlich überprüft werden, nicht zu viel Cannabis konsumieren, keine größere Verurteilung wegen Drogenvergehen in den Akten haben. Die Strafandrohung bei Überschreiten der Regeln ist nach aktuellem Stand erheblich“, so Wurth.
Aus diesem Grund sei es aus seiner Sicht sinnvoll, noch etwas mit der Vereinsgründung oder Mitgliedschaft zu warten, bis klarer wird, dass die Detailregeln tatsächlich einen sinnvollen Betrieb eines Anbauclubs überhaupt möglich machen. „In Ruhe planen, ist im Zweifelsfall sinnvoller als hektisches Agieren“, sagt er.
Wer diese Unsicherheit jedoch akzeptieren und ein politisches Zeichen setzen wolle, könne aus Sicht des Hanfverbandes auch schon jetzt einen CSC gründen oder dessen Mitglied werden.