Altes Café steht zum Verkauf  Wieder alles offen bei der Alten Zollstation in Detern

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 20.06.2023 12:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Alte Zollhaus in Detern steht derzeit leer. Foto: Ortgies
Das Alte Zollhaus in Detern steht derzeit leer. Foto: Ortgies
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Die Alte Zollstation in Detern steht seit Monaten leer. Nun wollte eine Weeneranerin das Haus zu neuem Leben erwecken – das klappt nun nicht.

Detern - Sie wollte sich einen Traum erfüllen, doch nun ist er geplatzt: Sonja Wagner wird das Alte Zollhaus im Deterner Ortsteil Stickhausen nicht kaufen. „Das wird leider nichts“, sagt die Weeneranerin am Telefon. Die Frustration über die Entscheidung ist ihr deutlich anzumerken. Schuld seien unüberwindbare bürokratische Hürden, die ihr bei ihren Plänen in den Weg gestellt worden seien. „Von Seiten der Ämter gab es keine Unterstützung“, sagt Wagner.

Was und warum

Darum geht es: Die Alte Zollstation in Detern steht wieder zum Verkauf. Die Kaufinteressenten sind abgesprungen.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich fragen, was mit dem Gebäude in Stickhausen passiert.

Deshalb berichten wir: Das Gebäude in Stickhausen steht seit einiger Zeit leer. Das fällt vielen Vorbeifahrenden auf.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Sonja Wagner und ihr Mann wollten nicht nur den Café-Betrieb wiederbeleben. Es sollte regionale, selbstgemachte Produkte geben, einen Ausstellungsraum für Künstler, zwei Ferienwohnungen im Obergeschoss und einen Bootssteg auf die Jümme – am besten mit einer Bootsfahrschule, so Wagner. Die Wagners wollten das Alte Zollhaus, auch als Alte Zollstation bekannt, unbedingt übernehmen.

Jetzt der Rückschlag: Die Ferienwohnungen im Obergeschoss können nicht von den Mietern betreten werden, denn diese dürfen nicht über die Treppe im Innenbereich nach oben. „Das Veterinäramt hat das wegen des Café-Betriebs untersagt“, sagt Wagner. Eine Außentreppe sei aber auch nicht möglich gewesen. Hinterm Haus sei es nicht möglich, weil es sonst zu dicht an der Jümme sei, da mache das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nicht mit, erklärt Wagner. Vor dem Haus sei eine Treppe auch nicht möglich, dagegen sei das Denkmalschutzamt, wegen des ortsbildprägenden Charakters des Hauses. „Und ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach ist auch nicht erlaubt“, sagt Wagner ironisch. Doch ohne die Ferienwohnungen im Obergeschoss lohne sich der Betrieb nicht.

Schwierige Fördermittelbeschaffung

Auch die Fördermittel seien nicht so ohne Weiteres zu beantragen gewesen. „Die Leaderförderung wird nur mit einer Co-Finanzierung gewährt“, sagt Wagner. „Wir hatten eine Stiftung gefunden, die uns unterstützt. Doch die stand nicht auf der Liste des Amtes“, sagt Wagner. Wer die Co-Finanzierung übernehmen dürfe, könne das zuständige Amt allerdings aus Datenschutzgründen nicht rausgeben.

Wagner könne noch stundenlang so weiterreden. „Ich habe so gebrannt für dieses Projekt“, sagt sie. Doch jetzt schmerze sie es nur noch. Eigentlich wollten sie und ihr Mann zum Burgfest eine kleine Eröffnung feiern. Doch das habe sich zerschlagen.

Enttäuschung bei Verkäufern der Alten Zollstation

Auch Uschi Dorloff zeigt sich betroffen von der Entwicklung. Ihr und ihrem Mann Thorsten gehört die Alte Zollstation derzeit. Das Paar hatte einige Jahre einen Cafébetrieb in dem Gebäude gehabt und sich im vergangenen Jahr dazu aus familiären Gründen entschlossen, den Betrieb zu schließen. Die Pläne von Sonja und Martin Wagner hatten das Paar überzeugt. „Wir überlegen nun, was wir mit dem Gebäude machen“, sagt Dorloff. Eine Gastronomie werde es vermutlich nicht mehr geben. „Wir gehen davon aus, dass es jetzt zu einem Wohnhaus wird“, sagt Dorfloff. Auch Konzepte wie einer solidarischen Wohngemeinschaft könne sie sich vorstellen. „Wir haben auch Angebote von einem Rockerclub und dem Rotlichtgewerbe“, sagt sie. Doch darauf wolle man derzeit nicht eingehen. „Wenn wir allerdings keine andere Möglichkeit haben, müssen wir auch darüber nachdenken“, so die derzeitige Besitzerin.

Das Zollhaus soll verkauft werden. Foto: Ortgies
Das Zollhaus soll verkauft werden. Foto: Ortgies

Auch Ruben Grüssing, Bürgermeister von Detern, ist enttäuscht über die Entscheidung des Rückzugs. „Wir hatten das Gefühl, dass Frau Wagner sehr viel Herzblut in die Sache gesteckt hat“, sagt Grüssing. Für Detern sei so ein Cafébetrieb auch wünschenswert. „Das fehlt uns derzeit“, sagt er. An der Stelle der Alten Zollstation kämen gerade im Sommer zahlreiche Fahrradfahrer aus Richtung Barßel, Ammerland und Leer vorbei. „Für Detern bleibt zu hoffen, dass sich noch etwas findet. Es tut schon weh, weil ich weiß, was dort alles sein könnte“, sagt er. Was er an Hilfe habe bieten können, sei von ihm gekommen, „mehr konnten wir aber nicht tun“. Samtgemeindebürgermeister Christoph Busboom bestätigt: „Für einen Betrieb als Café in der bisherigen Form liegt eine Baugenehmigung vor.“ Die Samtgemeinde Jümme habe Gespräche mit den Betreibern unter Einbindung weiterer Behörden, die im Falle etwaiger Nutzungsänderungen oder Förderungen zu beteiligen sind, geführt. Es sei auch wünschenswert, dass ein Gastronomiebetrieb wieder einziehen würde.

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