Osnabrück  So glücklich macht eine Gehaltserhöhung – und so hoch sollte sie mindestens sein

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 21.06.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehr Geld im Portemonnaie: Das halten viele Menschen für erstrebenswert. Foto: dpa/Patrick Pleul
Mehr Geld im Portemonnaie: Das halten viele Menschen für erstrebenswert. Foto: dpa/Patrick Pleul
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Für den einen ist es das Haus im Grünen, die andere will durch die Welt reisen, der Familie Sicherheit bieten oder einfach shoppen, ohne auf den Euro zu schauen: Was Menschen mit Geld verbinden, ist ganz unterschiedlich. Einig sind sich viele: Mehr Geld ist besser. Stimmt das?

Lange schien die Antwort in Forscherkreisen klar: Eine Studie legte nahe, dass im Schnitt 75.000 Dollar (aktuell rund 70.000 Euro) ideal seien. Bis zu diesem Jahreseinkommen, so Forscher, werde man zufriedener. Darüber hinaus nicht. Ganz präzise war schon diese Zahl nicht. Die Forscher erklärten in ihrem Paper, genaugenommen befinde sich die Grenze zwischen 60.000 und 90.000 Dollar. Mehr als 90.000 Dollar, so glaubten die Forscher festzustellen, machten aber nun wirklich nicht glücklicher.

Eine andere, spätere Studie kam dagegen zu dem Schluss, dass Menschen auch weit über 200.000 Dollar Jahreseinkommen glücklicher werden. Ein kürzlich publizierter Ansatz vereint nun die beiden Forschungsansätze und schließt mit der Erkenntnis: Es kommt darauf an.

Die Forscher der beiden Ansätze taten sich zusammen und fanden heraus: Wie glücklich mehr Geld macht, hängt erheblich davon ab, wie glücklich ein Mensch überhaupt schon ist. Bei den unglücklichsten 15 Prozent der Studienteilnehmer steigt die Zufriedenheit bis etwa 100.000 Dollar. Dort endet die Steigerung abrupt. Mehr Geld wird einen unzufriedenen Menschen demnach nicht zufriedener machen.

Bei den glücklichsten 30 Prozent der Teilnehmer kehrt sich der Effekt allerdings sogar um: Bei mehr als 100.000 Dollar Jahreseinkommen werden diese Menschen mit zunehmendem Gehalt nicht nur glücklicher, der Prozess beschleunigt sich sogar noch.

Sollten glückliche Menschen also mehr an ihrer Karriere arbeiten als unglückliche? Nicht wirklich: Ein Forscher argumentiert in der aktuellen Studie, man dürfe den Effekt anderer Faktoren im Leben nicht unterschätzen. Wer viermal so viel Gehalt bekommt – und wer bekommt das schon – bei dem steige die Zufriedenheit in etwa so sehr wie bei anderen nach einem entspannten Wochenende. Eine Ehe sei etwa halb so effektiv wie die Vervierfachung des Gehalts. Mit Blick auf Forschung zu menschlichen Bedürfnissen müssen unterschiedliche Faktoren am Ende sowieso austariert werden: Wer Millionen verdient, aber weder Familie noch Freunde hat und dem Grunde nach ein unzufriedener Pessimist ist, bei dem wird das viele Geld die Gesamtzufriedenheit wohl nicht maßgeblich beeinflussen.

Wie hoch sollte eine Gehaltserhöhung ausfallen, damit sie überhaupt etwas bewirkt? Auch das haben Forscher ermittelt. Laut einer etwas älteren Studie muss eine Gehaltserhöhung im Schnitt bei mindestens sieben Prozent liegen, damit sie für den Arbeitnehmer tatsächlich eine spürbare Auswirkung hat.

Wer in Sachen Gehalt keinen Erfolg hat, kann es übrigens stattdessen mit Vogelgesang probieren: Laut einer anderen Studie führt eine höhere Vielfalt an Singvögeln dazu, dass die Zufriedenheit eines Menschen wächst: Zehn Prozent mehr Vogelvielfalt erhöhe demnach die Zufriedenheit stärker als zehn Prozent mehr Einkommen.

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