Osnabrück Kirchensteuer? Dreht dem Vatikan den Geldhahn zu!
Viele Mitglieder sind mit der Kirche unzufrieden – und treten aus Protest aus. Um die Dinge zu verändern, wäre aber etwas anderes wichtig: Nicht den Club verlassen, sondern drin bleiben und Widerstand leisten. Zum Beispiel gegen den Vatikan.
Gerade war Ökumenischer Kirchentag in Osnabrück, ich war dabei und hab’s mir angeguckt. Es ging da viel um den Frieden, kein Wunder, 375 Jahre nach dem Schluss des Westfälischen Friedens von 1648 und mitten im aktuellen Ukraine-Krieg. Es waren viele gute Gedanken zum Frieden und zur Gewaltlosigkeit zu hören, von Ministern, Theologen und einem ehemaligen Bundespräsidenten. Was mir fehlte, war eine Debatte über die christlichen Kirchen im Innern, vor allem die katholische.
Die vielen Missbrauchsfälle zeigen doch, wie unverzichtbar Reformen der katholischen Kirche sind. Immerhin haben die deutschen Bischöfe das verstanden und gemeinsam mit den Laien den Synodalen Weg auf den Weg gebracht. Da geht es um so wichtige Themen wie mehr Rechte für die Kirchenbasis und Weiheämter für Frauen.
Aber als die Bischöfe im vergangenen Herbst mit Papst Franziskus über den Synodalen Weg reden wollten, hat er sie noch nicht einmal empfangen. Welche Demütigung! Viele im Vatikan sehen den Synodalen Weg als Kirchenrevolte, die ein paar Bischöfe in Geiselhaft genommen hat.
Es ist wie im Mittelalter: Der Vatikan setzt in vielen Fragen auf autoritäre Machtausübung, ja, man könnte auch von Gewalt sprechen. Das ist das Gegenteil der Botschaft vom Kirchentag, das Gegenteil von gewaltfreier Kommunikation, wie sie heutzutage überall eingefordert wird. Rom als Machtzentrale der Weltkirche denkt nicht daran, Macht zu teilen.
Weitere Beispiele gefällig? Die Causa Rainer Maria Woelki. Der Kölner Erzbischof ist in Deutschland zum Inbegriff der Kirchenkrise geworden. Einer, der wohl schon viel früher von Missbrauchs-Taten wusste, der uneinsichtig bis zuletzt ist. Woelki ist eine Hassfigur, zehntausende Katholiken sind in Köln aus der Kirche ausgetreten. Konsequenzen? Keine. Der Vatikan hält – trotz dessen Rücktrittsgesuch – strikt an Woelki fest, denn Rom schätzt Woelkis konsequente Blockadehaltung im Reformprozess der katholischen Kirche. Es geht alleine um Macht, sonst nichts.
Das alles schadet der Kirche ungemein und vertreibt diejenigen, die an der Basis gerne noch mitmachen möchten. Leider scheint das dem Vatikan herzlich egal zu sein. Offenbar versteht Rom nur die Sprache der Macht.
Geld ist Macht. Und das bringt mich auf einen Gedanken: Dreht dem Vatikan den Geldhahn zu! Wie wäre es, wenn die deutschen Katholiken einfach kein Geld mehr nach Rom schicken? Vielleicht wird der Vatikan dann mal wach? Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag jedes Jahr (Abgaben, Peterspfennig und Kirchensteueranteil), das ist schon eine Menge Geld, das dürfte Rom empfindlich treffen.
Auch wenn es erst mal nur ein Gedankenspiel ist: Der Weg über das Geld scheint mir im Moment das aussichtsreichste Mittel zu sein, die Reformen in der Kirche wieder in Bewegung zu bringen. Also liebe Bischöfe, wie wäre es jetzt mal mit einem zwar mutigen, aber erfolgversprechendem Schritt?