Analyse  Norder Klinik – Garant der Notfallversorgung in Ostfriesland?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 19.06.2023 18:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Norder Klinik, die geschlossen werden soll, signalisiert den Rettungsdiensten im Ivena-Portal oft als einziges Krankenhaus aus dem Klinikverbund Aurich-Emden-Norden, dass die Intensivstation im Bereich der „Notfallversorgung“ Patienten aufnehmen kann. Foto: Archiv
Die Norder Klinik, die geschlossen werden soll, signalisiert den Rettungsdiensten im Ivena-Portal oft als einziges Krankenhaus aus dem Klinikverbund Aurich-Emden-Norden, dass die Intensivstation im Bereich der „Notfallversorgung“ Patienten aufnehmen kann. Foto: Archiv
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Die Notfallversorgung funktioniert ohne Nordens Klinik – sagt die Trägergesellschaft von Kreis Aurich und Stadt Emden. Aber Nordens Intensivstation ist oft die einzig aufnahmebereite im Klinikverbund.

Norden/Aurich/Emden - Samstag, 17. Juni, gegen 16 Uhr: Alle drei Intensivstationen des Klinikverbundes Aurich-Emden-Norden sind im Bereich der „Stationären Notfallversorgung“ abgemeldet – die Farbe Rot zeigt Rettungsdiensten im niedersächsischen Ivena-Portal, dass sie sich personell, platzmäßig und/oder technisch nicht in der Lage sehen, weitere Patienten aufzunehmen. Klickt man im Bereich der Intensivstationen aber auf die „Notfallversorgung“, dann ist die Ubbo-Emmius-Klinik Norden als einzige der drei Krankenhäuser grün markiert – also als aufnahmebereit. In den vergangenen Wochen sogar immer wieder als einzige Klinik in ganz Ostfriesland.

Das Norder Krankenhaus hatte am Samstaganchmittag als einziges im Klinikverbund Aurich-Emden-Norden seine Intensivstation für die Notfallversorgung angemeldet – ein Zustand, wie er in den vergangenen Wochen immer wieder im Ivena-Portal zu sehen war. Screenshot: OZ
Das Norder Krankenhaus hatte am Samstaganchmittag als einziges im Klinikverbund Aurich-Emden-Norden seine Intensivstation für die Notfallversorgung angemeldet – ein Zustand, wie er in den vergangenen Wochen immer wieder im Ivena-Portal zu sehen war. Screenshot: OZ

Wie ist das aus krankenhausplanerischer Sicht? Niedersachsens Gesundheitsministerium hat unserer Zeitung mitgeteilt, dass „alle drei Krankenhäuser“ des Klinikverbundes – also auch die Norder Klinik, welche die Trägergesellschaft des Landkreises Aurich und der Stadt Emden schließen will – „an der Notfallversorgung teilnehmen“. Das Norder Haus allerdings nur in der „Stufe 1“, also der Basisnotfallversorgung – Emden und Aurich seien in der „Notfallstufe 2“ angesiedelt, der „erweiterten Notfallversorgung“. Das Ministerium erklärt: „Insbesondere Aurich und Emden sind daher für eine erweiterte und qualifizierte Notallversorgung von hoher Bedeutung.“

Was bedeutet die Abmeldung der Intensivstation im Ivena-Portal?

Warum sind ausgerechnet die bedeutsamen Intensivstationen abgemeldet? Die Trägergesellschaft der drei Kliniken hat am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion versichert: „Die Abmeldung bedeutet aber nicht, dass keine Notfallpatienten mehr behandelt werden. Eine Klinik kann und wird trotz einer ,Abmeldung’ vom Rettungswagen angefahren werden, was auch regelmäßig geschieht. Akute Notfälle werden immer erstversorgt.“

Das Emder Krankenhaus des Klinikverbundes Aurich-Emden-Norden hatte am Samstagnachmittag seine Intensivstation für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ
Das Emder Krankenhaus des Klinikverbundes Aurich-Emden-Norden hatte am Samstagnachmittag seine Intensivstation für die Notfallversorgung abgemeldet. Screenshot: OZ

Das ist einerseits nicht überraschend. Denn das Gesundheitsministerium schreibt: „Alle somatischen Krankenhäuser haben die nach dem Niedersächsischen Krankenhausgesetz die gesetzliche Verpflichtung, lebensbedrohlich verletzte Menschen zu behandeln beziehungsweise zumindest eine Erstversorgung vorzunehmen.“ Andererseits stellt sich die Frage: Warum werden die Intensivstationen für die erweiterte Notfallversorgung in Emden und Aurich dann im Ivena-Portal überhaupt für die „Notfallversorgung“ abgemeldet und nicht, wie der Basisnotfallversorger in Norden oft nur für die „Stationäre Versorgung“?

Der Klinikverbund Aurich-Emden-Norden verweigert die Auskunft

Unsere Redaktion hat bei der Trägergesellschaft der Stadt Emden und des Landkreises Aurich nachgefragt: „Wie kommt es, dass das Klinikum Norden, das geschlossen werden soll, oft als einziges Haus Ihres Klinikverbundes seine Intensivstation zumindest für die ,Notfallversorgung’ im Ivena-Portal nicht abgemeldet hat?“

Der Klinikverbund hat diese Frage vom 24. Mai nicht beantwortet, obwohl er sich mit der Beantwortung der Anfrage bis zum 14. Juni Zeit gelassen hat. Seine Pressestelle schreibt: „Aufgrund der politischen und rechtlichen Diskussionen im Zuge der Umwandlung des UEK-Standorts Norden in ein Regionales Gesundheitszentrum, die auch die von Ihnen angesprochenen Punkte betreffen, ist zum jetzigen Zeitpunkt eine ausführliche Beantwortung Ihrer Anfrage nicht möglich.“ Und: „Im Zuge der Umwandlung des Norder Krankenhauses werden die Intensivkapazitäten der anderen Häuser ausgebaut und die Versorgung somit an den Standorten mit zusätzlicher spezialisierter Notfallexpertise (Herzkatheterlabor, Stroke Unit) konzentriert.“ Herzkatheter-Messplätze für Herzinfarkt-Patienten gibt es in Aurich, die Einrichtung für Schlaganfall-Patienten in Emden.

Welche Rolle spielt die Personalkapazität auf den Intensivstationen?

Weiter schreibt die Trägergesellschaft: „Grundsätzlich gilt, die Anzahl des verfügbaren Personals bestimmt die Anzahl der betreibbaren Betten, nicht die Anzahl der aufgestellten Betten beziehungsweise deren Standort!“ Heißt das, dass es auf der Norder Intensivstation mehr freie Personalkapazitäten gibt als in Émden und Aurich?

Unsere Redaktion hat die Trägergesellschaft ein weiteres Mal aufgefordert, die Frage zu beantworten: „Wie kommt es, dass das Klinikum Norden, das geschlossen werden soll, oft als einziges Haus Ihres Klinikverbundes seine Intensivstation zumindest für die ,Notfallversorgung‘ im Ivena-Portal nicht abgemeldet hat?“

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