Hamburg Bildungsministerin: Lehrer berichten von Problemen mit Schülern aus Ukraine
In Lehrerkreisen wird schon länger geklagt: Mit manchen Schülern aus der Ukraine gibt es erhebliche Probleme. Von Verweigerungshaltung im Unterricht ist die Rede. Jetzt bezieht erstmals eine Politikerin dazu Stellung: Karin Prien, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin.
Bildungsministerin Karin Prien (CDU) berichtet von Problemen mit ukrainischen Schülern in Schleswig-Holstein. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Prien, sie bekomme gemischte Rückmeldungen aus den Schulen in ihrem Bundesland: So gebe es „sehr leistungsstarke”, gerade jüngere Kriegsflüchtlinge, die sich gut in den deutschen Schulalltag eingefunden hätten. „Aber ja, auch andere Meldungen erreichen mich. Probleme gibt es wohl vor allem bei der Beschulung von Jugendlichen im Pubertätsalter.”
In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Lehrer in Medien und auch im Gespräch mit unserer Redaktion dazu geäußert. Mal unter Klarnamen, mal anonym. Die Lehrer beobachteten, dass ein Teil der als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland gekommenen Schüler die Teilnahme am Unterricht verweigerten. „So als wäre ihnen das Leben ausgehaucht“, umschrieb eine Lehrerin das Verhalten der Jugendlichen.
Bildungspolitikerin und Bundes-CDU-Vize Karin Prien sagt zu dem Verhalten: „Ich finde das durchaus nachvollziehbar: Oftmals kämpfen die Väter und Großväter in der Ukraine im Krieg, Freunde und Verwandte sind in der Heimat zurückgeblieben. Da ist die Schule nicht immer im Fokus.”
Prien sagte, man müsse den Kriegsflüchtlingen versuchen zu vermitteln, dass ihre Zeit an der deutschen Schule eine Chance sei. „Da setze ich auch auf die rund 170 ukrainischen Lehrer, die derzeit als Aushilfskräfte im Schuldienst in Schleswig-Holstein im Einsatz sind.”
Sie seien derzeit als Aushilfskräfte im Schuldienst des Bundeslandes im Einsatz, begleiteten sogenannte Vorbereitungsklassen, in denen Kriegsflüchtlinge auf den Schulalltag in Deutschland vorbereitet werden.
Geht es nach Prien, sollen die Pädagogen aus der Ukraine fest in das deutsche Schulsystem integriert werden: „Wir bieten den ukrainischen Lehrern Anpassungsqualifizierungen an, damit sie in ein Angestelltenverhältnis im regulären Schuldienst wechseln können. Dieses Angebot wird rege genutzt.” Eine konkrete Zahl nannte die CDU-Politikerin zunächst nicht.
Auch in anderen Bundesländern helfen derzeit ukrainische Lehrer an den Schulen aus. In Niedersachsen weiß das Kultusministerium beispielsweise von 30 Lehrern und 377 sogenannten pädagogischen Mitarbeitern. Möglicherweise seien es aber auch mehr, betonte ein Sprecher auf Anfrage. Die Kommunen könnten eigenständig Kriegsflüchtlinge für die Mitarbeit in den Schulen gewinnen.
Proaktiv scheint Niedersachsen nicht für einen Wechsel der ukrainischen Lehrer in den deutschen Schuldienst zu werben. Möglich wäre dieser Schritt aber, so das Kultusministerium. Allerdings müsse dann sichergestellt sein, dass die Qualifikation vergleichbar mit der deutscher Lehrer sei: Die schließen in der Regel ein Studium mit einem Master in zwei potenziellen Unterrichtsfächern ab und absolvieren im Anschluss ein sogenanntes Referendariat.
Ein Sprecher des Ministeriums teilt mit: „Sollte die Bewertung des Hochschulabschlusses die Zuordnung zu mindestens einem Unterrichtsfach ergeben, besteht auch eine Bewerbungs- und Einstellungsmöglichkeit im Rahmen des Quereinstiegs.” In welchem Umfang das bislang geschieht, ließ das Ministerium offen.