Durchsuchungen in Ostfriesland Emder Familienvater soll Kinderpornos verbreitet haben
Die norddeutschen Bundesländer gehen zusammen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern vor. Allein in Ostfriesland hat es am Mittwoch acht Einsätze gegeben – und noch viel mehr im Emsland.
Ostfriesland/Emsland - In sieben Bundesländern hat die Polizei am Mittwoch im Bereich der sexualisierten Gewalt an Kindern zugeschlagen. Marco Ellermann, Pressesprecher der Polizeidirektion Osnabrück, bestätigte der Redaktion, dass sich auch Verdächtige aus unserer Region im Fokus der Ermittler befinden: Es hat acht Durchsuchungen in Ostfriesland und 21 im Emsland gegeben. „Im ganzen Direktionsgebiet waren es 53 Einsätze“, so der Polizeisprecher. Etwa 50 Beamte waren an ihnen beteiligt. Insgesamt waren dem Landeskriminalamt (LKA) in Hannover zufolge in Norddeutschland rund 650 Polizisten im Einsatz. Es seien mehrere hundert Dursuchungsbeschlüsse vollstreckt worden.
Aus den ostfriesischen Verfahren sticht ein Emder Fall heraus: Ein 31 Jahre alter Familienvater soll Kinderpornos verbreitet haben. „Die Polizei hat die Wohnung durchsucht und unter anderem Handys sowie Datenträger sichergestellt“, sagte Ellermann. Die gesammelten Beweismittel werden nun dahingehend ausgewertet, ob sich der Verdacht erhärtet oder nicht. Weitere Durchsuchungen hat es etwa in Aurich und Leer gegeben. In Nordhorn soll ein 17-Jähriger Jugendpornografie bei TikTok hochgeladen haben. „Im Beisein seiner Mutter wurden im Rahmen der Durchsuchung fünf Datenträger vorläufig sichergestellt“, so der Osnabrücker Polizeisprecher.
Es geht um Erwachsene und Jugendliche
Ellermann sagte, dass der norddeutsche Aktionstag zwei Facetten habe: Einerseits gehe es darum, erwachsene Täter zu überführen, die bewusst und gewollt illegales Material besitzen und verbreiten. Andererseits seien aber auch Kinder und Jugendliche selbst im Fokus, „weil sie solche Inhalte teilen oder über soziale Netze beziehen und in Gruppen weiterverbreiten“. Oftmals wüssten die jungen Menschen nicht, dass das strafbar sei. „Wir müssen es schaffen, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen und vermehrt auf solche strafbaren Handlungen hinzuweisen. Dabei sind vor allem auch Eltern und Schulen gefragt“, so Ellermann.
Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind die Fallzahlen im Bereich Kinder- und Jugendpornografie von 2021 zu 2022 erneut gestiegen. Die eingehenden Hinweise der privaten und vom Kongress gegründeten US-Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) machen der Polizeidirektion Osnabrück zufolge derzeit einen Großteil der polizeilichen Ermittlungen aus. 2015 wurden beim Bundeskriminalamt (BKA) etwa 14.500 solcher Fälle aus den USA gemeldet, 2022 waren es 136.500 – allein im Vorjahresvergleich gab es einen Anstieg um 75 Prozent (2021: 78.600).
Arbeit verlangt Ermittlern viel ab
„Dem ersten gemeinsamen Aktionstag des sogenannten Nordverbunds der Landeskriminalämter Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben sich auch Berlin und Brandenburg angeschlossen“, teilte das LKA in Hannover mit. Ziel sei es gewesen, eine besondere Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken „und mit der Umsetzung einer Vielzahl von Durchsuchungsbeschlüssen ein deutliches und öffentlich wahrnehmbares Zeichen im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen zu setzen“.
„Wir wissen, dass Kinder im Durchschnitt sieben Anläufe benötigen, bis sie als Opfer sexualisierter Gewalt gehört werden“, so Friedo de Vries, Präsident des LKA Niedersachsen. Auch deshalb sei es wichtig, dass „wir als Polizei geschlossen gegen die Täterinnen und Täter vorgehen und sie der Justiz zuführen“. Die Beamten setzten damit einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit, der ihnen sowohl in personeller als auch organisatorischer Hinsicht viel abverlange. „Leider gehören diese Einsätze inzwischen zur tagtäglichen Arbeit“, sagte der LKA-Präsident.