Brokstedt/Kiel Messerattacke von Brokstedt: Schwer verletzte Frau nimmt sich das Leben
Im Fall der Messerattacke von Brokstedt in Schleswig-Holstein ist der Verlust eines weiteren Menschenlebens zu beklagen. Eine Frau, die vom Täter schwer verletzt worden war, hat sich das Leben genommen.
Das Kieler Justizministerium bestätigte die Nachricht. „Dieser tragische Fall ist uns bekannt, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagt Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Die 54 Jahre alte Frau aus Schleswig-Holstein gehörte zu den drei Opfern, die wegen der Schwere ihrer Verletzungen zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden mussten.
Wie Polizisten berichten, soll die Frau dem mutmaßlichen Täter Ibrahim A. im Regionalexpress gegenüber gesessen haben, als der am 25. Januar kurz vor dem Halt in Brokstedt seinen Angriff begann. Im Zug starben die 17 Jahre alte Schülerin Ann-Marie und deren Freund Danny, 19 Jahre alt, der Mechatroniker bei der Bahn lernte.
Neben der jetzt verstorbenen Frau wurden nach dem Angriff drei weitere Schleswig-Holsteiner (62, 22 und 22) und eine Hamburgerin (27) im Krankenhaus behandelt. Der Sprecher des Justizministeriums betont: „Es hat nach der Messerattacke von Brokstedt von Seiten der Opferschutzorganisationen sowie der Zentralen Anlaufstelle und der Opferschutzbeauftragten Hilfeangebote an alle Betroffenen gegeben.“
Neben Seelsorge wurde den Verletzten und den Angehörigen der Getöteten auch ein Kontakt zur Landesregierung angeboten. So besuchten Ministerpräsident Daniel Günther und Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (beide CDU) unter anderem den Vater der ermordeten Ann-Marie.
Die Frau, die sich nun das Leben genommen hat, soll aber keines der Hilfsangebote für die Opfer von Brokstedt angenommen haben. Warum, ist unklar. Wie Ermittler bestätigten, litt sie bereits vor der Bluttat an einer Depression. Die Erlebnisse im Regionalexpress dürften, so heißt es, dem Leiden nicht zuträglich gewesen sein.
Im April hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe Anklage gegen Ibrahim A. erhoben – wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in vier Fällen. Ob der Tod der Frau, die zu den vier Fällen des versuchten Mordes gerechnet wurde, Auswirkungen auf die Anklage hat, ist unklar. Wie ein Ermittler sagte, sei ein Kausalzusammenhang von Selbsttötung und der Bluttat von Brokstedt mutmaßlich beweiskräftig nicht herstellbar.
Noch hat das Schwurgericht am Landgericht Itzehoe nicht über die Zulassung der Anklage und damit die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden, wie eine Gerichtssprecherin erklärte. Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) rechnet allerdings mit einem Beginn des Prozesses noch vor dem Herbst.
Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn Sie Selbstmordgedanken plagen, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos anrufen. Auf der Webseite von [U25] können sich Jugendliche jederzeit anonym beraten lassen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.