Nabu-Projekt in Leer Politik fordert vom Kreis Leer Aufklärung zu toten Kälbern und Fohlen

| 13.06.2023 16:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch Konik-Fohlen, wie hier im Hessepark in Weener, sollen auf der Weide umgekommen sein. Foto: Gettkowski/Archiv
Auch Konik-Fohlen, wie hier im Hessepark in Weener, sollen auf der Weide umgekommen sein. Foto: Gettkowski/Archiv
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Beim Nabu-Beweidungsprojekt in Nüttermoor gab es nicht nur tote Heckrind-Kälber. Nun werden aus der Politik Aufklärung und ein Rücktritt gefordert. Auch der Landkreis äußert sich erneut.

Nüttermoor - Der Skandal um die toten Heckrindkälber beim Nabu-Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor sorgt weiter für viele Diskussionen – vor allem nachdem nach Informationen dieser Zeitung auf der Weide auch Konik-Fohlen zu Tode gekommen sein sollen. Der Nabu wollte sich dazu bisher nicht äußern. Nun melden sich Teile der Leeraner Politik zu Wort. Die CDU-Kreistagsfraktion fordert die Kreisverwaltung zum Handeln auf, heißt es in einer Pressemitteilung der Christdemokraten. Der Landkreis Leer solle das gescheiterte Projekt zum Wohle der Tiere abwickeln und sofort die Tierhaltung auf Kosten des Halters übernehmen.

„Es gab nachweislich Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und parallel wird ein Tierhalteverbot für den Naturschutzbund Niedersachsen geprüft. Es ist daher vollkommen abwegig, den Nabu selbst mit der Konzeptionierung zur Auflösung des Projektes zu beauftragen“, erklärt die Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Grietje Oldigs-Nannen. Zuletzt hatte der Landkreis Maßnahmen für eine tierschutzgerechtere Haltung angeordnet, die der Nabu umgehend umsetzen müsse, heißt es weiter. Ob auch sichergestellt sei, dass diese Maßnahmen durchgeführt werden, möchte die CDU nun von der Kreisverwaltung wissen. „Die Tiere sind in einem schlechten Zustand. Es muss eine engmaschige Kontrolle stattfinden, solange das Projekt noch in den Händen des Nabu ist“, wird Oldigs-Nannen zitiert.

Angeordnete Maßnahmen würden umgesetzt

Der Landkreis teilt auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass die tierschutzfachlich angeordneten Maßnahmen – beispielsweise Zufütterung, auch zur Gewöhnung an Menschen, Herrichtung der Versorgungsplätze und Unterstände, Benennung von Ansprechpartnern – seitens des Nabu umgesetzt beziehungsweise in der Umsetzung seien. „Es erfolgen regelmäßige Vorortkontrollen; derzeit mehrfach wöchentlich, um die Umsetzung der Maßnahmen zu überprüfen“, so Landkreis-Sprecher Jens Gerdes. Die Weide- und Herdenkontrollen würden entsprechend der angeordneten Maßnahmen regelmäßig durch Mitarbeiter des Nabu durchgeführt.

Auch die FDP-Fraktion im Kreistag habe vor diesem Hintergrund in einem Dringlichkeitsantrag für die kommende Sitzung des Kreisumweltausschusses einen aktuellen Sachstandsbericht vom Kreis gefordert, teilt die Partei mit. „Es kann nicht sein, dass der Nabu mauert und die Öffentlichkeit im Unklaren lässt,“ kritisiert Jens Völker, Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion, den Nabu. „Die FDP sieht sich in ihrer Forderung nach sofortigem Rücktritt des zuständigen Nabu-Landesvorsitzenden Dr. Holger Buschmann bestätigt,“ so Völker.

Es handele sich bei diesem Gesamtvorgang um ein klassisches Organisationsversagen des Nabu, das zu personellen Konsequenzen führen müsse. „Allein schon aus Respekt vor dem Engagement der ehrenamtlichen Mitglieder des Nabu in Sachen Natur- und Umweltschutz ist ein solcher Rücktritt des zuständigen Nabu-Funktionärs erforderlich“, wird Völker zitiert. „Die Weichen für eine Abwicklung der Viehhaltung durch den Nabu bis Jahresende sind durch die Kreisverwaltung richtig gestellt, jetzt gilt es das komplexe Unterfangen konsequent abzuarbeiten,“ so Völker.

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